Die Empörung war groß, nachdem Unbekannte die Maus angezündet hatten. Jetzt steht die reparierte WDR-Maus steht wieder an ihrem Platz in der City.
WDR-MausBerühmteste Kölnerin ist nach Brandanschlag zurück

Die Fans hatten die Maus an der beschädigten Stelle mit vielen Pflastern beklebt - so konnte kein Regenwasser eindringen.
Copyright: Federico Gambarini/dpa
Die berühmteste Kölnerin ist wieder in der Stadt: Begleitet von einer Blaskapelle des WDR-Funkhausorchesters, ist die Ende Juli von Unbekannten angezündete WDR-Maus auf einer Europalette an ihren Stammplatz zurückgekehrt, eine Freifläche an der Mörsergasse zwischen zwei Gebäuden des Senders. Mit großem Applaus wird sie dort von weit mehr als 100 Fans empfangen – unter ihnen auch ein knappes Dutzend aus der Erstadressatengruppe im Grundschulalter. Die zwischenzeitliche „Kur“ hat der 1,70 Meter großen Figur aus Fiberglas augenscheinlich gutgetan: Sie sieht aus wie neu.
Das findet auch der langjährige Moderator Christoph Biemann. In einer Spezialwerkstatt, erzählt der Leiter des WDR-Kinderprogramms, Matthias Körnich, seien die vom Feuer beschädigten Stellen ausgebessert worden. Dabei hätten die vielen Pflaster, mit denen Fans die „Brandwunden“ beklebt hätten, nicht nur symbolischen Wert als Ausdruck des Mitgefühls gehabt, sondern auch einen ganz praktischen Effekt: Sie hätten verhindert, dass Regenwasser in die Hohlfigur eindringen konnte. „So ließ sie sich noch reparieren.“ „Richtig glücklich“ über die „Genesung“ zeigt sich auch WDR-Intendantin Katrin Vernau.
Die Brand-Attacke Ende Juli sei für alle ein großer Schreck gewesen und habe eine Welle der Empörung ausgelöst. Jetzt könnten die Fans die Maus wieder besuchen, sie anfassen und sich mit ihr abbilden lassen. Tatsächlich sind Doppelporträts mit Maus ein beliebtes Fotomotiv. Für sie selbst, so Vernau weiter, sei die Maus ein Symbol ihrer Kindheit. Die „Lach- und Sachgeschichten“ im Ersten seien für sie Pflichtprogramm gewesen. Damals habe sie noch nicht gewusst, dass die Sendungen vom WDR kommen. Heute nun sei sie selbst „Kollegin der Maus“, sagt Vernau im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
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Die Maus stehe mit Information, Bildung und Unterhaltung – weit über die wöchentlichen Sendungen am Sonntagmorgen hinaus – für das Wesen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Mit Hilfe der Maus als Sympathieträgerin will Vernau noch mehr Kölner Kinder in Kontakt mit den vielfältigen Bildungsangeboten bringen. Eltern mit internationaler Familiengeschichte seien nicht wie selbstverständlich mit der Maus groß geworden. Sie müssten erst damit vertraut gemacht werden, wie sehr Kinder – und nicht nur sie – von dem profitieren könnten, was die Maus zu bieten hat.
Kooperation mit Bildungsträgern
„Ich möchte, dass im besten Fall alle Kinder in der Stadt die Gelegenheit bekommen, die Maus persönlich kennenzulernen – und mit ihr die vielen Angebote, die Lernen und Teilhabe ermöglichen“, sagt Vernau. Dafür schweben ihr Kooperationen mit Schulen, Bildungsträgern und weiteren Institutionen vor. Vernau erinnert an Konzerte in der Philharmonie oder an die „Mausklassen“, in denen Schülerinnen und Schüler der Klassen 4 und 5 sich als Reporter beweisen. Erste-Hilfe-Kurse mit der Maus in Kooperation mit lokalen Rettungsinstitutionen sind nicht nur eine Bereicherung für die Teilnehmenden, sondern können jetzt auch daran erinnern, dass die Maus selbst gut verarztet worden ist. So ist sie auch fit für neue Einsätze.
Die „Stadt-Anzeiger“-Serie „100 Ideen für Köln“ zur Kommunalwahl am 14. September als Kooperation von Zeitung und WDR mit Hilfe der Maus zu verlängern, hält Vernau für eine gute Sache. „Wir könnten gemeinsam auf die Suche nach Ideen von Kindern für Köln gehen.“ Die Kinder, die am Freitag die Maus willkommen heißen, sind erst einmal froh, dass wieder da ist. „Ich war so traurig, als ich davon hörte, dass man sie angezündet hat“, berichtet Junia aus Erlangen, die in den Sommerferien gerade zu Besuch in Köln ist. „Wer macht denn so was?“ Ob sie denn die Sendung mit der Maus auch selbst anschaue? „Ich nicht mehr“, sagt die 13-Jährige spontan und fügt nach einer Pause hinzu: „Aber mit meinem Bruder, der ist fünf.“