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Kein EröffnungsterminDrogenkonsumraum Kalk lässt neun Jahre nach Ratsbeschluss weiter auf sich warten

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Der Drogenkonsumraum in Köln-Kalk von innen

Der Drogenkonsumraum in Köln-Kalk von innen

Das im Jahr 2017 gestartete Projekt kostet 4658 Euro jeden Monat – ohne dass der Drogenkonsumraum seinen Zweck erfüllt.

Der neue Drogenkonsumraum an der Neuerburgstraße in Kalk könnte eigentlich jeden Tag öffnen, denn alles Notwendige ist bereits seit dem Umbau im Herbst 2024 vorhanden. Nur die notwendige Genehmigung der zuständigen Behörden liegt noch immer nicht vor. Dabei hatte Sozialdezernent Harald Rau noch Mitte Januar dieses Jahres freudig verkündet, dass die Eröffnung nun unmittelbar bevorstehe. Doch nach wie vor sind die Türen verschlossen.

Das im Jahr 2017 gestartete Projekt kommt weiterhin nur sehr langsam voran – dabei nimmt es als zukünftiges Suchthilfezentrum eine zentrale Rolle in der Drogenpolitik von Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) ein. Dass sich das Projekt so lange hinzieht, liegt vor allem daran,  dass zunächst lange Zeit eine Kooperationsvereinbarung zwischen Gesundheitsamt, Polizei und Staatsanwaltschaft fehlte. Und das Sozialdezernat benötigte außerdem sehr viel Zeit, um die nötigen Unterlagen für die Genehmigung zu besorgen.

Bezirksregierung Köln nicht zuständig

Es fehle nur noch die Genehmigung seitens der Bezirksregierung Köln, hatte Rau im Januar gesagt. Diese ist allerdings gar nicht mehr zuständig, da die Aufgabe am 1. Juli 2025 auf das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz übergegangen war. „Alle laufenden Vorgänge wurden dorthin abgegeben“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. Hat das Sozialdezernat die Unterlagen zur Genehmigung also an der falschen Stelle eingereicht? Auf die Frage, warum Rau von der Bezirksregierung und nicht vom Landesamt gesprochen hatte, antwortet die Stadt Köln nur indirekt.

„Die Bezirksregierung ist für etliche Belange der Stadt Köln zuständig – auch im Gesundheitsbereich, wie etwa Krankenhausplanung oder Apothekenaufsicht. Seit Jahren war sie auch die Überwachungsbehörde für Drogenkonsumräume. Auch im Rahmen der Planungen für das Suchthilfezentrum stand das Gesundheitsamt noch in fachlichem Austausch mit der Bezirksregierung“, teilt eine Stadtsprecherin mit. Seit vergangenem Juli stehe die Stadt Köln mit dem inzwischen für Drogenkonsumräume zuständigen Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz im Austausch.

Der Drogenkonsumraum in Köln-Kalk von außen

Der Drogenkonsumraum in Köln-Kalk von außen

Trotz der Ankündigung aus dem Januar, dass nur noch die Genehmigung fehle und die Öffnung des Drogenkonsumraums damit in greifbare Nähe rücke, ließ sich das Sozialdezernat danach noch viel Zeit, um auch tatsächlich sämtliche Papiere einzureichen. „Uns liegen seit Ende Februar die prüffähigen Unterlagen zur Einrichtung eines Drogenkonsumraumes in Köln-Kalk vor“, sagt eine Sprecherin des Landesamtes dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Zurzeit erfolge die Prüfung, ob die rechtlichen Voraussetzungen für die Einrichtung eines Drogenkonsumraums  vorliegen. Sofern keine Nacharbeiten des Antragstellers erforderlich sein sollten, werde das Ergebnis der Prüfungen vom Landesamt voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Wochen an das NRW-Gesundheitsministerium gesendet, das als Genehmigungsbehörde die finale Entscheidung treffe.

Auf Nachfrage räumte die Stadt Köln ein, dass zuletzt noch einige Unterlagen der bereits vom Träger eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in dem Drogenkonsumraum Kalk tätig sein werden, gefehlt hätten. Dazu gehörten auch Führungszeugnisse. 

„Wir haben relativ lange damit gewartet, noch drei Werkstudenten einzustellen, weil nicht klar war, wann wir eröffnen können“, sagt Vision-Geschäftsführerin Claudia Schieren auf Anfrage. So sei es gekommen, dass deren Führungszeugnisse zunächst nicht vorlagen. Sie sei aber zuversichtlich. „Wir sind dem Ziel jetzt nahe“, sagt Schieren.

Personal bereits eingestellt

Wann genau der Drogenkonsumraum in Kalk nun tatsächlich an den Start gehen wird, ist noch unklar. „Ein Eröffnungstermin steht noch nicht fest. Angestrebt ist aber ein Betriebsbeginn noch in diesem Frühjahr“, sagt die Stadtsprecherin.

Verzögerungen von wenigen Monaten wären an und für sich nicht tragisch, der Ratsbeschluss für den Drogenkonsumraum Kalk ist allerdings schon mehr als neun Jahre alt. Und die Stadt zahlt für die Räume bereits seit Juni 2024 eine Miete von rund 2340 Euro sowie einen Sondermietanteil für den Umbau von rund 2318 Euro monatlich. Insgesamt sind das pro Monat 4658 Euro, ohne dass der Drogenkonsumraum seinen Zweck erfüllt. Hinzu kommt das bereits eingestellte Personal, das mit einer Förderung durch das Gesundheitsamt bezahlt wird und bis zur Eröffnung an anderer Stelle im Verein hilft.

Wie dringend ein Drogenkonsumraum im Rechtsrheinischen notwendig wäre, um die suchtkranken Menschen von der Straße zu holen, zeigt sich an vielen Orten im Stadtbild: Besonders auf dem Wiener Platz und an der Keupstraße in Mülheim sowie rund um die KVB-Haltestelle Kalk-Post ähneln die Zustände denen am Drogenhotspot Neumarkt in der Innenstadt, wenngleich in einer geringeren Dimension.

Nicht zuletzt soll der Konsumraum in Kalk eine der drei tragenden Säulen des neuen Kölner Modells sein, mit dem Torsten Burmester die Auswüchse der Drogenszene eindämmen will. Stadtweit sollen drei Suchthilfezentren entstehen: Das erste im Pantaleonsviertel in der Innenstadt, das zweite soll der Konsumraum in Kalk sein, der später zum Zentrum ausgebaut werden soll, und das dritte soll sich an einem bisher nicht festgelegten Ort im Linksrheinischen befinden. Im Kern geht es darum, suchtkranke Menschen von der Straße zu holen und ihnen zu helfen und somit gleichzeitig den Drogenkonsum in geschlossene Räume zu verlagern. Das wiederum soll die betroffenen Wohn- und Geschäftsviertel entlasten.

Bei der IG Pantaleonsviertel sorgen die vielen Verzögerungen in Kalk für Skepsis, denn das dort geplante Suchthilfezentrum wird sehr viel größer sein als der Drogenkonsumraum in Kalk. „Das stärkt mein Vertrauen nicht“, sagt Simone-Chantal Büttgenbach, Mitglied im Vorstand der IG und Sprecherin der Kindertagespflege vor Ort. Der Vorgang erinnere sie daran, dass an der Wilhelm-Hoßdorf-Straße im Pantaleonsviertel seit dem Jahr 2018 ein Spielplatz gebaut werden sollte. Die Fläche ist auch so ausgewiesen. Sie habe nach dem Beschluss der Bezirksvertretung Innenstadt fast acht Jahre vergeblich darauf gewartet, dass die Stadt auf dem Spielplatz auch Spielgeräte aufstellt. „Und nun will die Stadt dort stattdessen ein Suchthilfezentrum mit Drogenkonsumraum bauen“, sagt Büttgenbach. Da stelle sich die Frage, was ein politischer Beschluss eigentlich wert ist.