Im Kulturausschuss äußern die Kulturpolitiker Unmut und Zustimmung zu den Plänen der Stadt für das Depot. Der Schauspielintendant wirbt für Zusammenhalt.
KulturausschussVoges: „Stadttheater und Freie Szene nicht trennen“

Kay Voges, Intendant des Schauspiels Köln
Copyright: Henning Kaiser/dpa
Im Kulturausschuss des Rates herrschte am Donnerstag Unmut über das drohende Aus des Kölner Depots als Kooperationshaus des Schauspiels und der Freien Szene. Die Mehrheit der kulturpolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Ratsfraktionen kritisierte den Kulturdezernenten Stefan Charles scharf, Gespräche mit dem Kölner Unternehmer Frank Blase über die komplette Anmietung des Depots als Musicalstandort geführt zu haben, ohne dass das Gremium davon wusste.
Charles wies den Vorwurf zurück, die Politiker vor vollendete Tatsachen gesetzt zu haben. Es liege lediglich ein Letter of Intent von Blase vor. Charles sagte: „Wir stehen heute am Anfang eines Prozesses. Es müssen jetzt Fachgespräche folgen.“
Ratsabstimmung fehlt noch
Es braucht für den neuen Plan noch eine Abstimmung im Rat. Der könnte trotz der Kritik am Vorgehen zugunsten des Plans von Blase ausfallen. Im Konrad-Adenauer-Saal des Historischen Rathauses wurde es am Donnerstagnachmittag eng. Die Sorge um die Zukunft des Mülheimer Depots treibt viele Akteure der Kölner Kulturszene um, jetzt, wo das Schauspiel nach dreizehn Jahren zurück an seine Heimat am Offenbachplatz gezogen ist.
Im Kulturausschuss hatten Grünen, CDU, SPD, Linke und Volt eine Aktuelle Stunde zum Thema beantragt. Brigitta von Bülow (Grüne) sagte: „Es gab Pläne, gute und hart erkämpfte Beschlüsse und erste Umsetzungen des Konzeptes.“ Grundlage der bisherigen Planungen ist der „Grundsatzbeschluss actori“ des Rates vom 15. Juni 2023. Demnach soll das Depot 2 in der Spielzeit 2026/27 als gemeinsame Spiel- und Produktionsstätte des Schauspiel Köln und der Freien Szene dienen: Vorgesehen waren 45 Spieltage und 500.000 Euro Produktionsbudget für die freie Szene sowie 35 Spieltage für das Schauspiel. Dafür sind schon 13 Menschen am Depot angestellt worden.
Fußball-Musical im Depot 1
Apiro, ein Unternehmen von Blase, mietet bereits das Depot 1 und plant dort das Musical „Kick Like a Woman“. Doch wegen der deutlich verschärften Haushaltslage liegt nun eine weitere Option vor. Wie die Redaktion vor drei Wochen erfuhr, verfolgt die Stadt den Plan, auf das Angebot des Apiro-Geschäftsführers Frank Blase einzugehen. Apiro will ab dem 1. September 2027 auch das Depot 2 übernehmen und den gesamten Standort langfristig als Bühne für deutschsprachige Musicals betreiben.
Blase will die Freie Szene zehn Jahre lang mit jährlich einer Million Euro unterstützen. Zudem hat er der Freien Szene 15 Aufführungstermine pro Spielzeit im Depot 2 in Aussicht gestellt. Von Bülow sagte aber: „Für uns steht der bisherige Beschluss.“ Sie wolle zwar keinen „Sponsor der Freien Szene verprellen“, aber das Vorgehen der Verwaltung sei „befremdlich“. Noch immer seien fristgerecht eingereichte Fragen nicht beantwortet, etwa was mit den 13 Angestellten passiere und wie die Verwaltung die Freie Szene kompensieren wolle.
Auch Knut Scholz (Linke) stellte sich erneut hinter den bestehenden Ratsbeschluss: „Es wurden doch finanziell schon erhebliche Mittel in den Standort investiert. 13 Jahre lang hat man das Depot in Mülheim zu einem hervorragend ausgestatteten Standort entwickelt. Das soll in private Hände fallen?“ Eine Spielstätte mit Bundesrang würde eine beachtliche Möglichkeit für die Freie Szene bieten, Fördermittel einzuwerben. Er will zudem das Depot als städtischen und damit öffentlichen Spielort im Rechtsrheinischen erhalten.
„Herr Charles, ich vertraue Ihnen nicht“
Der Kulturausschuss ist offiziell erst durch eine Mitteilung über das „neue Modell“ informiert worden, die die Verwaltung kurz vor der Sitzung noch auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Jasna Ibric (Volt) sagte: „Transparenz schafft Vertrauen, Herr Charles, ich vertraue Ihnen nicht.“ Sie fragte: „Wofür wurden wir gewählt, wenn wir wesentliche Entscheidungen nur nachträglich legitimieren sollen?“ Auch Lorenz Deutz (FDP), der sich zuvor schon für den Mietvertrag mit Blase ausgesprochen hatte, sagte: „Das liest sich, als hätten wir einen offenen Entscheidungsraum. Ich dachte, den gäbe es nicht mehr.“ Maria Helmis-Arendt (SPD) sagte: „Das war – und so habe ich Ihre Arbeit schon öfter beschrieben – ein kommunikatives Desaster.“ Sie forderte im Gegenzug einen verbindlichen „Zugriffspakt zwischen den Bühnen und der Freien Szene“ und eine Kulturstrategie für das Rechtsrheinische.
Ralph Elster (CDU) warb für das neue Modell: „Blase entlastet die Bühnen.“ Er sagte: „Wenn das Depot einen Konsolidierungsbeitrag leisten kann, ist das für die Bühnen ein Weg.“ Man müsse realistisch sein und das Geld da sparen, wo man könne. „Das ist aus Sicht der Bühnen schön, das Depot noch bespielen zu können. Das kann Herr Voges sich wünschen, aber dann muss er das Programm am Offenbachplatz entsprechend um Aufwendungen kürzen.“ Elster sähe lieber eine Konzentration auf den Offenbachplatz, da sollte „möglichst viel Musik“ sein.
Schauspielintendant Kay Voges brachte seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck, statt wie zu Beginn seiner Intendanz in Aussicht gestellt, das Kleine und Große Haus am Offenbachplatz und das Depot zu bespielen, mit dem neuen Haushalt sieben Millionen Euro im Jahr einsparen zu müssen (wir berichteten), das Depot zu verlieren und die Freie Szene stattdessen am Offenbachplatz auftreten zu lassen.
Er sagte: „Hören Sie auf, das Stadttheater und die Freie Szene zu trennen und zu zerreißen. Wir müssen nicht gegeneinander kämpfen, jeder braucht einen Raum und dafür müssen wir zusammen kämpfen.“
