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An der Kölner SeverinsbrückeMehrheit für umstrittenes Hochhaus steht

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Der rote Kreis zeigt den Standort des geplanten Hochhauses an.

Der rote Kreis zeigt den Standort des geplanten Hochhauses an. 

Die Bezirksvertretung Innenstadt lehnt das geplante Bauprojekt ab, doch der zuständige Stadtentwicklungsausschuss befürwortet das Vorhaben.

Der Stadtentwicklungsausschuss (Stea) des Rates wird am heutigen Donnerstag voraussichtlich mehrheitlich dafür stimmen, die Pläne für ein Büro-Hochhaus direkt an der Severinsbrücke am rechten Rheinufer voranzutreiben. Das hat eine Abfrage dieser Redaktion bei den 15 Mitgliedern des Gremiums im Vorfeld ergeben.

Demnach werden CDU (3 Mitglieder), SPD (3), sowie Volt, FDP/Kölner Stadtgesellschaft (KSG) und AfD (je 1) für die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens stimmen, um das Bauvorhaben zu ermöglichen.

Das Quartett ohne AfD will dem Vernehmen nach auch kurzfristig einen Änderungsantrag einbringen, der einige Neuerungen vorsieht: Demnach soll der Verlust der Grünfläche ausgeglichen werden und die Fläche zum Rhein hin aufgewertet werden, damit die Öffentlichkeit etwas davon haben soll. Grüne (4) und Linke (2) lehnen das Vorhaben grundsätzlich ab.

Blick über den Rhein auf den geplanten Standort des Hochhauses (links neben der Brückenpylone am Rheinufer).

Blick über den Rhein auf den geplanten Standort des Hochhauses (links neben der Brückenpylone am Rheinufer).

Damit wird der Stea die Bezirksvertretung Innenstadt (BV) überstimmen: Das Gremium vor Ort hat die Vorlage im Mai vertagt (wir berichteten) und mehrheitlich einen Änderungsantrag beschlossen, unter anderem, weil sie dort Wohnungen bevorzugt.

Aufgrund der Lage an einer Brücke mit viel Verkehr hatte die Verwaltung neue Wohnungen dort als „nicht durchführbar verworfen“ – obwohl sie dort 2016 selbst das Potenzial für 160 Wohnungen gesehen hatte. Eine Anwohnerinitiative namens „Grüner Park Deutz“ lehnt die Pläne ab, eine Internet-Petition hat mittlerweile rund 4200 Unterzeichner.

Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Worum geht es?

Die Firma Dumrese Real Estate plant das Gebäude, in dem unter anderem noch ein Hotel eröffnen soll. Geschäftsführer Henning Dumrese geht von 750 bis 1000 Arbeitsplätzen aus. Bisland befinden sich dort eine Grünfläche mit Bäumen, ein Parkplatz und zwei Häuser.

Wie hat die BV abgestimmt?

15 der 19 Mitglieder haben im Mai dafür gestimmt, die Büro-Hochhaus-Pläne nicht weiterzuverfolgen und neue Wohnungen zu prüfen: Grüne (7), Linke und SPD (je 3), sowie Volt und die CDU (je 1). Dagegen stimmten die anderen beiden CDU-Vertreter und die Afd, die FDP/KSG enthielt sich. Das heißt: SPD, ein Teil der CDU sowie Volt haben anders abgestimmt, als es nun ihre Parteikollegen im Stadtentwicklungsausschuss machen wollen.

Braucht es noch Büros?

Die Gegner argumentieren, dass in direkter Nachbarschaft im Deutzer Hafen in den nächsten Jahren schon tausende Büro-Arbeitsplätze entstehen. Laut des Immobiliendienstleisters BNP Paribas Real Estate ist die  Leerstandsquote für Büroimmobilien zuletzt von 4,25 auf 5,5 Prozent gestiegen, aber hochwertige Flächen sind demnach knapp. Dumrese sagte: „Zu möglichen Mietern äußern wir uns in dieser frühen Phase daher nicht.“

Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen.

Auf diesem Gelände an der Severinsbrücke soll ein Hotel- und Bürogebäude entstehen.

Warum lehnen die Anwohner das Bauvorhaben ab?

Anwohnerin Silke Thonemann sagt: „Wir haben in Deutz genug Büros und Hotels. Spätestens der vergangene Sommer hat uns gezeigt, was fehlt: Bäume und lebendiges Grün.“ 

Wie hoch soll das Haus werden?

In der Vorlage für die Politik nennt die Verwaltung 40 bis 45 Meter. Grundsätzlich möglich nach dem neuen Höhenkonzept wären aber auch mehr. Darauf weist die Stadt hin: „Im Kontext des Vorhabens wird die Weiterentwicklung der Höhe grundsätzlich als möglich erachtet bis hin zu einer kulturerbeverträglichen Höhe von 63 Metern im Rahmen der folgenden Qualifizierung.“ Das Kulturerbe ist der Kölner Dom, den es zu berücksichtigen gilt. Das konkrete Aussehen des Hauses soll ein Architektenwettbewerb klären. 

Wem gehören die Flächen?

Zum Großteil der Stadt Köln. Das gilt für die unbebauten Flächen sowie einen Teil des Hauses mit der Nummer 40, der andere gehört ebenso einer Privatperson wie das Haus mit der Nummer 42. Das geht aus dem Grundbuch-Eintrag hervor. Dass sie noch nicht Dumrese und seiner Firma gehören, bezeichnet dieser in dieser Phase als „üblich“. Er sagte: „Die privaten Grundstücke wurden notariell gesichert und stehen also in unserer Verfügung.“ Zu den Kaufpreisen wollte er sich nicht äußern.

Will die Stadt diese prominenten Flächen direkt am Rheinufer verkaufen oder über Erbbaurecht für lange Zeit verpachten, damit sie später darauf Zugriff hat?

Verkaufen. Sie verweist auf den Beschluss des Liegenschaftsausschusses vom 22. Mai 2023. Das Gremium hatte Dumrese das Grundstück per sogenannter Anhandgabe bis 1. Juni 2027 zur Verfügung gestellt, damit laut Stadt „das Projekt geplant, das Grundstück nach Planrechtschaffung verkauft und anschließend bebaut werden kann“. Der Begriff Anhandgabe meint, dass Dumrese in dieser Zeit exklusiven Zugriff auf das Grundstück hat.

Dumrese antwortete auf die Frage, ob er das Projekt nur umsetzt, wenn er die Flächen kaufen kann: „Über die Grundstücksfragen entscheiden die zuständigen Gremien zu gegebener Zeit.“

Waren dort denn mal Wohnungen geplant?

Ja. Im Stadtentwicklungskonzept Wohnen war die Fläche 2015 mit 160 Wohnungen angegeben. Zur Realisierung heißt es in dem internen Dokument: „langfristig (ab/nach 2020)“. Und: „Bebauung hat negative Auswirkungen auf Stadtklima.“

Wie äußern sich die Stea-Politiker?

Niklas Kienitz (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, sagte: „Für uns ist wichtig, die Entwicklung des Standorts im städtebaulichen Gesamtzusammenhang zu betrachten und zugleich die Hinweise aus der Bevölkerung ernst zu nehmen.“ Pascal Pütz, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der SPD, hält den Bebauungsplan „für den richtigen Weg“.

Für die AfD sagte Wiebke Herrmann, dass für die Fläche in Rhein-Nähe „ein gut nutzbarer öffentlicher Freiraum entsteht“. Für Volt kündigte der stadtentwicklungspolitische Sprecher Sergen Belen an: „Das finale Konzept werden wir vor Entscheidung einer Bebauung erneut intensiv auf seinen Mehrwert für alle Beteiligten hin überprüfen.“ 

Und Ralph Sterck, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der FDP/KSG, sagte: „Wir können froh sein, wenn Bauherren heute noch ihr Geld in Köln investieren und Arbeitsplätze schaffen.“

Die Grünen bezeichnen die Pläne an der Stelle als „nicht sinnvoll“. Linke-Fraktionsgeschäftsführer Günter Bell sagte: „Einer gewerblichen Nutzung werden wir in der Innenstadt keine Grünfläche opfern.“