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Marketing-KampagneKöln investiert Millionen, um Bühnen-Image zu retten

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Künslterin Jeantte de Payrebrune am Frustzaun.

Künstlerin Jeanette de Payrebrune am „Frustzaun“

Kann Köln einen positiven Umgang mit der Bühnen-Sanierung finden – trotz der explodierenden Kosten? 

Die Stadt Köln lässt sich den Versuch, das negative Image der Bühnen-Sanierung am Offenbachplatz zu drehen, etwas kosten: Laut Stadtverwaltung stehen 2,1 Millionen Euro für die „bundesweite Mobilisierungskampagne (Marketing)“ zur Verfügung. Das geht aus dem Ratsbeschluss zum Neustart am Offenbachplatz im Jahr 2023 hervor.

Weitere 1,4 Millionen Euro sind als künstlerisches Gesamtbudget für mehrtägige Eröffnungsfestivals am Offenbachplatz vorgesehen. Die Gesamtkosten betragen für Planung, Bau, Interimsspielstätten und Finanzierung rund 1,465 Milliarden Euro, die reinen Baukosten 798,6 Millionen Euro. 

Für die Kampagne zuständig ist die bekannte Werbeagentur Jung von Matt (wir berichteten). Die Hoffnung der Stadt Köln ist, dass die neue Kampagne mit dem Slogan „Deine Bühne, Köln“ die größtenteils negative Stimmung zu dem Bauprojekt dreht. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum gibt es diesen Zaun?

Weil der 90 Meter lange Bauzaun mit den Negativschlagzeilen laut Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) „ein Spiegel ist für den Frust von so vielen Menschen in der Stadt“. Demnach gehören „diese Gefühle zu dieser Stadt, gehören zu ihrer Geschichte“. Die Schlagzeilen lauten etwa „Fiasko“ oder „Desaster“.

Mit der Eröffnung am 19./20. September soll nach 14 Jahren Sanierung von Oper, Schauspiel, Kinderoper und Kleinem Haus laut Burmester „ein neuer Abschnitt beginnen“, er freue sich auf die Wiedereröffnung.

Burmester kann Stand jetzt nach nicht mal einem Jahr Amtszeit die Häuser eröffnen. Das war seiner Vorgängerin Henriette Reker (parteilos) in ihrer zehnjährigen Amtszeit nicht vergönnt. Burmesters Parteikollegen von der SPD hatten zuletzt den Budgeterhöhungen nicht mehr zugestimmt: Die SPD-Fraktion wollte 2024 die Baustelle stoppen und eine Exit-Strategie entwickeln. Dafür fand sich im Rat keine Mehrheit.

Künstlerin Hanna Greis überstreicht die Negativ-Schlagzeilen.

Künstlerin Hanna Greis überstreicht die Negativ-Schlagzeilen.

Was geschieht mit dem Zaun?

Acht Künstlerinnen und Künstler sollen ihn übermalen, jeweils mit unterschiedlichen Motiven. Sie begannen damit am Mittwoch. Burmester sagte: „Es geht nicht um das Wegwischen, wir wollen der Kritik Raum geben.“ Und Gunnar Reichard vom städtischen Bühnen-Betrieb sagte: „Gleichzeitig machen wir bewusst, wie die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber diesem Bauprojekt war und ganz sicher in großen Teilen noch ist.“

Was sagen die Künstlerinnen und Künstler?

Jeanette de Payrebrune, 57, war laut eigener Aussage das erste Mal mit neun Jahren in der Oper. Sie ist Teil des Sürther Kunstzentrum Wachsfabrik. De Payrebrune sagt am Mittwoch: „Das war ja jetzt echt eine lange Sanierung. Aber die Oper ist schon etwas Besonderes.“ Sie übermalt den Zaun mit bunten, fliegenden Papieren, ihr Thema ist die Neuordnung. „Ich wünsche mir das auch für die Stadt Köln, dass es positiv weitergeht.“

Überblick über den neuen Offenbachplatz mit den vier Bühnen.

Überblick über den neuen Offenbachplatz mit den vier Bühnen

Wie hat die Stadt die Künstlerinnen und Künstler gefunden?

Unter anderem über eine E-Mail (wir berichteten). Sie erhalten laut Stadt dafür eine Aufwandsentschädigung. Wie hoch sie ausfiel, war am Mittwoch nicht zu erklären, das Wort „gering“ fiel. Und dass es durchaus „geteilte Meinungen‘“ zur Anfrage der Stadt gab.

Wie geht es weiter?

Ende März wollen die Bühnen den Spielplan für die erste Spielzeit am Offenbachplatz nach 14 Jahren präsentieren. Dann startet auch der Ticketverkauf. Am Mittwoch präsentierten die Bühnen ein Bild mit dem Titel „14 Jahre Vorfreude haben sich gelohnt“. Nach der Eröffnung für Besucherinnen und Besucher soll der feierliche Festakt am 24. September folgen. Zuvor beginnen die Proben im „Frühjahr 2026“, konkreter eingrenzen wollte die Stadt diese Zeitangabe nicht.

Die vier Häuser sind laut Stadt seit Ende des Jahres baulich fertig gestellt, obwohl nun noch der Einbau „der restlichen Technik, der Innenausbau und die Möblierung“ erfolgen. Auch müssen die Gebäude noch auf ihre Funktionalität überprüft werden, etwa beim Brandschutz.