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40 Jahre Luxor in Köln„Damals wäre es fast zu Demonstrationen gekommen“

Lesezeit 5 Minuten
Peter Debüser und R Bölle

Peter Debüser (l.) und Richard Bölle betreiben das Luxor.

Köln – Das Luxor an der Luxemburger Straße ist eine Kölner Institution. Vor 40 Jahren öffnete der Musikclub, in dem viele weltbekannte Musikerinnen und Musiker zu Beginn ihrer Karriere auf der Bühne standen. Wir haben mit den Geschäftsführern Peter Debüser und Richard Bölle über vier Jahrzehnte Luxor gesprochen, und unter anderem erfahren, warum Lenny Kravitz damals sein Publikum stundenlang warten ließ… Das erste Konzert vor 40 Jahren – das waren die Bläck Fööss. Wie war das? Peter Debüser: Das war natürlich spannend. Man macht eine Cluberöffnung und die Band war schon bekannt in Köln. Das war die Verbindung zu dem hiesigen Lokalkolorit.

Richard Bölle: Ich war da 16 und bin noch in Meppen zur Schule gegangen, habe gerade Abitur gemacht. Ich hätte weder gewusst, wer die Bläck Fööss sind, noch was das bedeutet. Ich wäre ein totaler Fremdkörper gewesen.

Debüser: (lacht) Das stimmt!

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Wie ging es für Sie los im Luxor?

Debüser: Ich bin ja hier das Urgestein. Ich habe angefangen als DJ und Zappes. Meine damaligen Chefs haben auch in der Südstadt Kneipen gehabt, und es gab noch andere Verbindungen zu Managern. Die haben sich dann zusammengetan und das Luxor gegründet. Da kam ich mit ins Boot. Das Luxor war einer der ersten Musikclubs in Köln. Später kam dann die Frage, ob ich nicht auch was im Büro machen will, Konzertprogramm mitgestalten und sowas. Zwischendurch bin ich hier auch rausgegangen, 1996 haben wir das hier wieder übernommen.

Bölle: Ich habe hier 1992 meinen ersten Job gemacht. Kühlschränke aufgefüllt und Plakate geklebt.

Debüser: Das war knapp zehn Jahre später. Er ist noch eine andere Generation, wie man sieht (lacht).

Bölle: So weit sind wir auch nicht auseinander! Ich bin ja erst später nach Köln gezogen, da war ich 26, 27 Jahre. 1997 bin ich dann „oben“ im Büro gelandet und habe unter anderem das Booking gemacht.

„Lenny Kravitz hat sich noch die Füße machen lassen“

Stichwort Booking. Gibt es einen Künstler, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Debüser: Da gibt es einige. Die Künstler kommen und entwickeln sich weiter – oder auch nicht. Die Ärzte haben hier angefangen, die Toten Hosen, Herbert Grönemeyer, Nena. Aber auch Internationale: Lenny Kravitz, REM, Pearl Jam, Oasis, Muse…

Bölle: Muse ist auch ein Konzert, das mir total in Erinnerung geblieben ist! Die sind damals mit dem Bus liegen geblieben. Das war das erste Muse-Konzert in Deutschland, Konzert war ausverkauft. Kurz bevor wir die Tür aufgemacht haben, hat die Band uns gesagt: Wir sind gleich da. Wir haben gefragt, wo sie denn sind. Da sagen sie: Wir sind jetzt bei Hannover. Die sind um halb elf erst hier aufgelaufen, haben ganz schnell aufgebaut und haben 45 Minuten gespielt. Ich glaube, die haben nicht einmal mehr  „Hallo“ gesagt. Aber die Leute, die gewartet haben, haben ein super Konzert bekommen.

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Gibt es da noch andere Anekdoten?

Debüser: Lenny Kravitz hat das Publikum zwei Stunden warten lassen. Er hat sich noch die Füße machen lassen – also Pediküre. Und Maniküre.

Bölle: (lacht) Ja, das ist auch wichtig!

Debüser: Klar. Das war strapaziös fürs Publikum. Keiner wusste, was mit ihm ist. Es hieß einfach, er braucht noch ein bisschen.

Bölle: Oh, und als New Model Army gespielt haben: Der Laden war brechend voll. Die Band geht gerade auf die Bühne, und dann laufen hinten alle Toiletten über. Das dreckige Wasser lief schon Richtung Konzertraum. Dann habe ich ganz schnell einen Klempner gerufen, den ich über die Hintertür reingelassen habe. Nach zehn Minuten fragte er, ob das hier eine New-Model-Army-Spezialparty ist. Als ich ihm sagte, dass sie selbst da spielen, stellte sich raus, dass er ein riesiger Fan war. Er hat sich dann beeilt und das Konzert noch angeschaut.

Rauchverbot: Man dachte, „das ist das Ende der Clubkultur“

Lustige Geschichten sind das eine. Dass es aktuell und in den vergangenen Jahren nicht leicht war und ist, das ist die andere Seite. Gab es vergleichbar schwierige Zeiten?

Bölle: Ein ganz großes Thema in den letzten 40 Jahren war das Rauchverbot. Da haben die Clubs alle zusammen gesagt „Das ist das Ende der Clubkultur“ und sich gefragt, wie das funktionieren soll. Heute kann man darüber lachen und ist froh, dass man die Klamotten am nächsten Tag wieder anziehen kann. Aber damals wäre es fast zu Demonstrationen gekommen.

Debüser: Wir haben schon viel mitgemacht. Die Einführung des Euro zum Beispiel.

Bölle: Das war ein verrückter Abend, als die Leute alle mit ihren Tütchen mit den Euros ankamen…

Jetzt haben Sie 40 Jahre überstanden. Wie hat sich das Konzert- und Clubleben verändert?

Bölle: Das Publikum ist breiter gefächert. Als ich hier angefangen habe, war es eine relativ enge Altersgrenze. Heute hast du Konzerte, da kommen auch 60 und 70 Jahre alte Menschen noch. Das gab es früher nicht. Die sind im Club groß geworden.

Debüser: Was es auch nicht gab, ist, dass hier früh morgens um 10 Uhr schon die Teenies sitzen und Schule schwänzen, um am Abend die Band zu sehen.

Bölle: …und dass eine Band früh um neun Uhr mit einem großen Nightliner und einem Trailer ankommt, hat es damals auch nicht gegeben. Die Anforderungen sind höher, sowohl die der Bands als auch die, die wir haben.

Das Luxor (Luxemburger Str. 40, 50674 Köln) feiert das 40-jährige Bestehen vom 28. November bis zum 4. Dezember mit allabendlichen Konzerten. Auch die Bläck Fööss treten am 4. Dezember wieder auf. www.luxor-koeln.de

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