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Einsatzkräfte berichtenFreiwillige Feuerwehr Köln sucht dringend Nachwuchs

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Das Foto zeigt, wie Christian Lipphold, Feuerwehrmann bei der freiwilligen Feuerwehr Porz-Langel, Kindern das Knoten von Seilen beibringt.

Christian Lipphold (M.) ist Feuerwehrmann bei der freiwilligen Feuerwehr Porz-Langel.

Personalmangel aller Orten: Auch die Freiwilligen Feuerwehren in Köln brauchen dringend Nachwuchs. Ohne sie geht in Köln nichts.

Wenn es brennt und jemand den Notruf der Feuerwehr wählt, werden schon bald die Einsatzkräfte da sein. In einer Millionenstadt ist das Gesetz wie in Stein gemeißelt. „In einer Großstadt verlässt sich jeder auf andere und darauf, dass schon irgendwer kommt, wenn man Hilfe braucht“, sagt der freiwillige Feuerwehrmann Mario Wagner von der Löschgruppe Porz-Langel. Doch so gewiss ist das längst nicht mehr. Die Anfahrtszeiten der Feuerwehr sind zuletzt länger geworden. Vor allem in den eher ländlich geprägten Außenbezirken wie Worringen, Holweide oder eben Porz-Langel geht es im täglichen Geschäft gar nicht ohne Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler, weil die Einsatzorte zum Teil zu weit von den Wachen der Berufsfeuerwehr entfernt sind.

Mehrere Tausend Einsätze bei Unwetter in Köln

Nach Porz-Langel etwa bräuchte die Berufsfeuerwehr etwa eine Viertelstunde aus der Wache in Urbach – zu lang, um die Hilfsfrist von acht Minuten einhalten zu können, innerhalb derer die Kräfte am Einsatzort sein müssen. „Und auch Großschadenslagen kann die Berufsfeuerwehr nur mit unserer Hilfe bewältigen“, sagt Christian Lipphold, Unterbrandmeister der Löschgruppe Porz-Langel.

Das große Unwetter im Juli 2021 ist so ein Beispiel, das in Teilen Westdeutschlands zur Katastrophe wurde. Was angesichts der vielen Toten vor allem an Ahr und Erft aber oft übersehen wurde: Auch in Köln wurde die Feuerwehr zu mehreren Tausend Einsätzen gerufen. „Da haben wir im Schichtbetrieb Keller und Tiefgaragen ausgepumpt“, berichtet Lipphold. „Die Dankbarkeit, die wir von den Menschen erfahren haben, als wir zum Beispiel an der Tankstelle die Fahrzeuge aufgetankt haben oder uns ein Eis geholt haben, habe ich so noch nie erlebt. Das war schon großartig.“

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Nicht immer und überall aber werden die Einsatzkräfte heutzutage mit Dankbarkeit begrüßt. Zwar hat es an Silvester in Köln keine ähnlichen Szenen gegeben wie etwa in Berlin oder Bonn, doch auch in Köln berichteten Feuerwehrleute zuletzt immer wieder über Respektlosigkeit, die ihnen entgegengebracht wird. Für Lipphold ist die zwar ärgerlich, aber kein Grund, an seinem Ehrenamt zu verzweifeln. „Wenn wir zusammen unterwegs sind, haben wir viele Augen, die eine Gefahr erkennen und wir können uns gegenseitig warnen“, sagt der 24-Jährige, der als Elektriker bei Evonik arbeitet. „Bei Einsätzen habe ich also keine Angst vor Übergriffen.“

Freiwillige Feuerwehr Köln: Der Piepser ist immer dabei

Wie auch für die Berufskräfte sucht die Stadt Köln für die Freiwilligen Feuerwehren dringend Nachwuchs, damit auch wirklich jemand kommen kann, wenn Hilfe gebraucht wird. Die Stadt wirbt daher seit Kurzem mit einer Plakatkampagne für das Ehrenamt. Gut 800 Einsatzkräfte arbeiten ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Köln – neben ihrem Hauptberuf. Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung für ihr Engagement, das durch eine Grundausbildung und regelmäßige Übungen zehn bis 15 Stunden im Monat in Anspruch nehmen kann. Das Geld landet aber üblicherweise in einer Art Mannschaftskasse, aus der gemeinsame Ausflüge finanziert werden. Die Stadt bietet aber auch handwerkliche Ausbildungen und etwa einen LKW-Führerschein für Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr an. „Man wird dadurch nicht dümmer“, sagt Wagner, der im Hauptamt für die KVB arbeitet.

Wie seine Kollegen trägt der er permanent einen Piepser bei sich, der losgeht, wenn er zu einem Einsatz fährt. „Theoretisch können wir so jederzeit alarmiert werden“, sagt der 45-Jährige. „Das heißt für uns, dass man auch mal nichts trinken sollte beim Karneval feiern.“ Anfangs habe ihn die ständige Verfügbarkeit nervös gemacht. „Man lauert dann immer, der Puls geht hoch“, sagt er. „Aber irgendwann ist es für mich zur Normalität geworden. Dann denkt man nicht mehr darüber nach.“

Was bleibt, ist aber die Ungewissheit, was als Nächstes kommt. Der Rauchmelder etwa, der plötzlich auslöst. Oder der Unfall, bei dem technische Hilfe gefordert ist. Bei Wagner hat sich da eine gewisse Routine eingestellt. „Es ist ja ein normaler menschlicher Reflex, hinzuschauen, wenn man Feuerwehrautos im Einsatz sieht, zum Beispiel bei Unfällen“, sagt er. Das aber gewöhne man sich im Dienst ganz schnell ab – „weil es ja für uns Alltag ist. Man gafft dann nicht mehr.“

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