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1. Kölner Literaturnacht
„Ist einer der kleinsten Posten im Kulturetat so angemessen?”

Bettina Fischer und Uwe Kalkowski

Bettina Fischer und Uwe Kalkowski

Köln – Was war die Initialzündung für die 1. Kölner Literaturnacht?

Bettina Fischer: Ausgangspunkt war, dass sich vor einem Jahr ganz unterschiedliche Leute aus der Kölner Literaturszene in einem Verein zusammengetan haben. Sie wollen auf diese Weise mehr „netzwerken“ und sich dafür einsetzen, dass Literatur in der Stadt noch sichtbarer wird. Daraus entstand im Verein die Idee einer Literaturnacht. Die Literaturnacht spielt in viele Richtungen – sie zielt auf das Publikum, wirkt in die Szene hinein und zeigt der Kulturpolitik und Verwaltung, was hier los ist. Der Verein will ausdrücklich auch Lobby-Arbeit betreiben – für die Literatur. Wir brauchen nämlich eine starke Unterstützung in der Verwaltung und in der Kulturpolitik. Die Literatur hat ja einen der kleinsten Posten im Kölner Kulturetat. Da kann man dann schon einmal fragen, ob das so angemessen ist.

Nun gibt es ja schon das eine oder andere literarische Angebot in der Stadt. Was ist das Besondere der Literaturnacht?

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Uwe Kalkowski: Sie füllt eine Lücke, die wir gesehen haben. Natürlich gibt es so großartige Angebote wie lit.Cologne, Crime Cologne oder Literatur in den Häusern der Stadt und anderes mehr. Es gibt viel. Aber manches fliegt hier auch unter dem Radar. Wir wollen das ganze Leistungsspektrum der Literaturschaffenden in Köln zeigen. Die Literaturnacht, die schon in der Vorbereitung viele Leute zusammengebracht hat, wird zeigen, was Köln in Sachen Literatur alles zu bieten hat.

Warum hat sich die Literaturszene erst jetzt zusammengeschlossen?

Fischer: Das ist tatsächlich eine Frage, die ich mir auch gestellt habe. Ein wichtiger Anstoß dazu kam aus der Arbeit am Kulturentwicklungsplan. Überall - das haben wir dabei festgestellt - gibt es schon starke Interessensvertretungen. Im Tanz, in der Musik, in der bildenden Kunst – nur nicht in der Literatur.

Kalkowski: Es geht dem Verein darum, die Arbeitsbedingungen für das Entstehen von Literatur zu verbessern. Da passiert auch schon einiges. Der Schreibraum wird sehr gut angenommen.

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Ist das Programm kuratiert worden oder darf jeder mitmachen?

Kalkowski: Wir haben die Teilnahme ausgeschrieben. Ein Kuratorium hat all die eingegangenen Konzepte gesichtet. Es gab nicht viele Absagen, aber bei einigen passte es halt nicht. Mir selbst war vieles neu, was es hier an Initiativen und Vereinen gibt, die sich mit Literatur befassen. Das ist großartig.

Fischer: Ein wesentliches Merkmal ist, dass alle, die an der Literaturnacht teilnehmen, auch etwas mit Köln zu tun haben. Sich hier engagieren, hier arbeiten. Aber natürlich weisen die Texte über Köln hinaus. Zumal ja auch viele Autoren, die jetzt in Köln leben, aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt zu uns gekommen sind.

Wie war die Resonanz auf die Ausschreibung?

Fischer: Großartig. Es gab niemanden, jedenfalls soweit ich das mitbekommen hab, der gefragt hat, was das denn jetzt solle. Im Gegenteil.

Gab es andere Einwände?

Kalkowski: Es gab höchstens mal die Frage, ob das ein Konkurrenzprogramm zur lit.Cologne sein soll. Was Quatsch ist. Es handelt sich um völlig unterschiedliche Ansätze. Wir machen ein Programm von Kölnern für Kölner. Zudem gibt es einige personelle Verschränkungen der Literaturnacht mit der lit.Cologne.

Fischer: Genauso gut könnte man ja sagen, die Literaturnacht sei ein Konkurrenzprogramm zum Literaturhaus. Nein, nicht Konkurrenz ist der Hintergedanke, sondern es geht darum, in viele Richtungen für die Wahrnehmung der Literatur zu sorgen.

Wer gibt denn hier das Geld?

Fischer: Ganz wichtig war die Kunststiftung NRW, die wir früh über die Idee informiert haben. Die haben uns bestärkt. Und mit diesem guten Gefühl konnten wir zur Stadt gehen und darauf verweisen, dass wir ja schon einen ersten dicken Brocken haben. Dann kam noch die Rheinenergie Stiftung Kultur hinzu. Diese drei geben substanziell so viel Geld, dass wir gut starten und den Autoren ein Honorar zahlen können – bei 160 Beteiligten kommt da schon etwas zusammen. Und es wird unheimlich viel ehrenamtliche Arbeit von vielen Menschen geleistet.

Wer auf das Programm schaut, entdeckt neben den vielen Buchvorstellungen ein paar Schwerpunkte. So gibt es mehrere Veranstaltungen rund ums Übersetzen.

Fischer: Ja, das ist uns ein wichtiger Punkt. Denn das ist eine Kunst, die elementar ist, aber oft nicht so recht gewürdigt wird. Gerade am Übersetzen merkt man ein Spezifikum der Literatur: Es bedarf einer gewissen Verweildauer und einer Tiefe der Auseinandersetzung. Wir benötigen für die Literatur Orte der Konzentration. Und für mich versinnbildlichen die Übersetzer diese Konzentration auf den Text.

Ein zweiter Schwerpunkt zielt auf das Erlernen des literarischen Schreibens. Das Literaturatelier gibt es jetzt schon seit 30 Jahren, aber es gibt neue Anbieter.

Fischer: Genau. An der Universität engagiert sich da Christof Hamann, dann gibt es den entsprechenden Studiengang an der Kunsthochschule für Medien. Dadurch kommen eine ganze Menge junger Schreibender hierher. Da ist tatsächlich eine Veränderung. Da ist eine neue kritische Masse erreicht. Die ist sichtbar und will auch gesehen werden. Das ist eine neue Dynamik in der jungen Szene. Das ist bemerkenswert und war vorher nicht so. Aber wenn wir von den jungen Autoren reden: Für uns war es wichtig, dass auch diejenigen, die schon lange für eine bedeutende Literatur in Köln stehen, sichtbar werden. Also Dieter Wellershoff, Heinrich Böll, Irmgard Keun, Rolf Dieter Brinkmann, Hilde Domin, Hans Bender.

Das Kinderprogramm ist bei einer „Nacht“ logischerweise nicht so sehr ausgeprägt…

Fischer: … darf aber nicht fehlen in einer Stadt, in der hervorragende Kinder- und Jugendbuch-Autoren leben. Und wir stehen dafür ein, dass es sich in jedem Lebensalter lohnt, sich auf Literatur einzulassen.  

Kalkowski: Darum beginnen wir ja mit der Nacht schon um 16 Uhr. Und es handelt sich teilweise um Programme, die erst für Kinder und später für Erwachsene angelegt sind. In der „Traumathek“ beispielsweise geht es von 16 Uhr bis Mitternacht um Comics in allen möglichen Ausformungen. Oder nehmen Sie das Angebot zur Produktion eines Hörbuchs in den Bastei-Lübbe-Tonstudios – nachmittags für Kinder, abends für Erwachsene.

Wäre es auch eine Überlegung wert, den Ersten Kölner Kinderbuchnachmittag auszurufen?

Fischer: Warten wir mal unsere Erfahrungen ab. Aber das wäre möglicherweise eine Idee.

Wie viele Programm-Punkte kann denn ein Besucher in dieser Literaturnacht maximal absolvieren?

Kalkowski: Wenn man sich da geschickt eine Route zusammenstellt, kann man sich durch die ganze Stadt treiben lassen. Da kommt man dann auch an Orte, die man nicht so gut kennt. Man kann da schon auf acht Veranstaltungen kommen. Gut, wenn man in Sürth beginnt, wird das schwierig. Aber ansonsten sind das kurze Wege. Es sind insgesamt 137 Veranstaltungen an 42 Orten – und in diesem großen Angebot findet sicher jeder etwas.

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