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Duran Duran in KölnDie Königin der Schulterpolster

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08.10.2026. Köln: Konzert der Band Duran Duran in der Lanxess-Arena.

Simon Le Bon und John Taylor von Duran Duran und Begleitgitarrist Dom Brown am 8. 10. 2026 in der Kölner Lanxess-Arena.

Die Helden der 80er Jahre gastierten am Donnerstagabend zum ersten Mal in der Kölner Arena. Unsere Konzert-Besprechung.

Duran Duran treten notorisch selten in Deutschland auf. In ihrer britischen Heimat, in den USA und anderswo kann sich die Band auf eine große und nachhaltige Fangemeinde stützen. Hierzulande gelten die New-Romantic-Veteranen aus Birmingham dagegen immer noch als gut frisierte Schönlinge aus der Kinderstubenzeit von MTV.

Der Videokanal spielte damals ihre fantastisch fotografierten Clips zu „Hungry Like a Wolf“ oder „Rio“ rauf und runter, im noch unverkabelten Deutschland bestaunten wir Kinder in „Formel Eins“ den unfassbar teuren Mad-Max-wilden Kurzfilm zu „The Wild Boys“. Simon Le Bon sang, während er in zerfetzten Lederklamotten an einen Windmühlenflügel gefesselt in Wasser getaucht wurde – und sah dabei immer noch fabelhaft aus.

Keine Angst, der will nur unterhalten

Das tut er auch heute noch, mit beinahe 68 Jahren, nur die früheren Extravaganzen sind einem klassischen, cremefarbenen Showman-Anzug gewichen: Keine Angst, der will nur unterhalten. Was ihm in der Kölner Lanxess-Arena scheinbar mühelos gelingt. Die ist nur bis zum Unterrang gefüllt und auch dort sind noch ein paar Plätze frei, siehe oben. Immerhin mutet die Band ihrem mitgealterten Publikum noch eine Stehplatz-Show zu. Duran-Durans-Hits – funky, muskulös und zickig-nervös – laden denn auch wirklich nicht zum Sitzen ein.

Die vier verbliebenen Musiker der Originalbesetzung – unterstützt von Begleitmusikern an Gitarre und Saxofon, sowie zwei Background-Sängerinnen – beginnen dynamisch. Le Bons Stimme ist noch stärker als zur Blütezeit der Band. Auf die frühe Single „Is There Something I Should Know?“ folgen gleich die wilden Jungs und ihr James-Bond-Song „A View to a Kill“. Furchtbarer Film, aber eines der besten Titellieder der Agentenreihe. Mit ihrer Mischung aus ultravirilen Gitarrenriffs, den gewaltig bollernden Drums der 80er und ihrem beinahe effeminierten Modebewusstsein waren Duran Duran die ultimative Bond-Band. Zur späten Vorstellungsrunde ruft Le Bon den unverändert gestylten Keyboard-Mastermind Nick Rhodes als „the queen of shoulderpads“ aus.

08.10.2026. Köln: Konzert der Band Duran Duran in der Lanxess Arena. Foto: Martina Goyert

Duran-Duran-Keyboarder Nick Rhodes, laut Simon Le Bon die Königin der Schulterpolster.

So überzeugend die optische Komponente einst war, so enttäuschend fallen freilich die Visuals der Kölner Show aus. Es herrscht eine heillose Beliebigkeit. Comic-Panels mit Roy-Lichtenstein-inspirierten Benday Dots, animierte Wölfe mit blutigen Schnauzen, zwinkernde Einhörner, die über Regenbögen springen, und Prompt-generierter Weltraum-Slop: Was soll das?

Gelegenheit, sich solche Fragen zu stellen, bieten die allzu langen Atempausen im Spannungsgefüge des Konzerts, wenn die Musiker, anstatt sich auf die eigenen, durchaus hörenswerten Deep Cuts ihrer Alben zu verlassen, auf Coverversionen zurückgreifen, von E. L. O.s „Evil Woman“ über „Psycho Killer“ von den Talking Heads bis zu Melle Mels „White Lines“. Alles kraftvoll gespielt – und doch denkt man an gehobenes Kreuzfahrt-Entertainment, wenn Le Bon mit ausgebreiteten Armen die Showtreppe hinabschreitet.

Wie viel wärmer wird es einem dagegen ums Herz, wenn die Band ihren späten Hit „Ordinary World“ anstimmt. Gerade hatte man noch zu „The Reflex“ getanzt, dann spricht Le Bon warme Worte über Köln und „the land of Kraftwerk and of David Bowie by the wall and Iggy Pop“ und widmet die zuverlässig ergreifende Ballade den Entrechteten dieser Erde. Das klingt ungewohnt tiefsinnig für die einstigen Vorzeige-Popper, aber das können sie eben auch, die ganz gewöhnliche Liebe feiern.