Lehrkräftemangel in NRWSo groß sind die Lücken wirklich – im Regierungsbezirk Köln fehlen 1150 Lehrer

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Eine Lehrerin unterrichtet in einem Biologie-Leistungskurs.

Lehrkräfte fehlen in NRW an allen Schulformen.

Die SPD im Landtag fordert von der Landesregierung mehr Transparenz bei den Zahlen. Zu Schuljahresbeginn waren allein in Köln zehn Prozent der Schulleitungsstellen nicht besetzt.

Lehrermangel ist schon jetzt das größte Problem an den Schulen in Nordrhein-Westfalen. „Aktuell weiß aber niemand, wie groß der Mangel tatsächlich ist", kritisiert die schulpolitische Sprecherin der SPD, Dilek Engin. Die Landesregierung geht von etwa 6700 unbesetzten Stellen aus.

Die SPD geht dagegen davon aus, dass der tatsächliche Mangel deutlich größer ist und fordert in einer Kleinen Anfrage die Landesregierung auf, Transparenz zu schaffen und den Personalmangel an den Schulen in NRW konkret zu beziffern. Stattdessen werde nur auf Personalausstattungsquoten verwiesen, die keine belastbaren Rückschlüsse auf die tatsächliche Lehrkräfteversorgung zulasse. Die SPD will von der Landesregierung wissen, wie viele Stellen den einzelnen Regierungsbezirken zur Verfügung gestellt wurden, wie viele von diesen besetzt wurden und wie viele frei geblieben sind.

Eine Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger" bei der Bezirksregierung ergab diesbezüglich ein konkretes Bild: Demnach gab es zum Beginn dieses Schuljahres allein im Regierungsbezirk Köln 1150 offene Stellen für Lehrerinnen und Lehrer. Allein in der Stadt Köln konnten Stand Mitte August 188 Lehrerstellen nicht besetzt werden. Besonders gravierend fiel der Mangel an Gesamtschulen und Gymnasien mit jeweils 44 offenen Stellen sowie an den Berufskollegs mit 32 offenen Stellen auf. Besonders schwierig ist die Lage laut den Zahlen in der Städteregion Aachen, wo allein an den Grundschulen 30 Stellen offenblieben sowie 49 an den Gesamtschulen.

In den Grundschulen sind die Lücken am größten

Bei den Städten im Regierungsbezirk Köln liegt Bonn mit 87 nicht besetzten Stellen weit vor Leverkusen mit 41 offenen Lehrerstellen. Bei den Kreisen im Verbreitungsgebiet ist die Not im Rhein-Sieg-Kreis mit 110 fehlenden Lehrkräften auf ausgeschriebenen Stellen am größten. Auf den Plätzen folgen der Rhein-Erft-Kreis mit 88, der Oberbergische Kreis mit 67 und der Rheinisch-Bergische Kreis mit 59 nicht besetzten Lehrerstellen. Am entspanntesten ist die Lage demnach im Kreis Euskirchen, wo mit 44 die wenigsten Stellen nicht besetzt sind. Bezogen auf die Schulformen sind die Lücken an den Grundschulen und an den Gesamtschulen mit Abstand am größten.

Schulleitungen finden sich besonders schwer

Hinzu kommt, dass es besonders schwierig ist, Schulleitungsstellen zu besetzen. Zu Schuljahresbeginn waren allein in Köln zehn Prozent der Schulleitungsstellen nicht besetzt. Damit liegt Köln im Regierungsbezirk Köln mit an der Spitze. Ähnlich gravierend ist die Situation mit knapp über zehn Prozent unbesetzter Leitungsstellen nur in Gummersbach und Siegburg. Im gesamten Regierungsbezirk Köln hatten zu Beginn des Schuljahres 101 von 1221 Schulen keine Schulleitung.

Die SPD fordert kurzfristige Maßnahmen, um den Lehrkräftemangel in den Griff zu bekommen. Als Beispiele nannte Engin Ein-Fach-Lehrkräfte, die Hamburg mit großem Erfolg einsetze. Außerdem müsse der Seiten- und Quereinstieg vereinfacht werden, um schnell mehr Menschen dafür zu gewinnen. Gleichzeitig müssten die Hochschulen endlich in die Ausbildung von Seiteneinsteigern eingebunden werden. Von Schulministerin Dorothee Feller forderte sie „endlich den großen Wurf statt vieler kleiner Maßnahmen."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW forderte ein deutliches politisches Umsteuern. Es brauche zeitnah umfassende Entlastung durch mehr Alltagshelferinnen und -helfer, flächendeckende Sozialarbeit und multiprofessionelle Teams, erklärte Ayla Çelik, Vorsitzende der GEW-NRW. Seiteneinsteiger seien zwar eine Möglichkeit, dem Mangel zu begegnen. „Aber sie brauchen eine umfassende Qualifizierung und Begleitung und dürfen nicht im Schulalltag alleine gelassen werden."

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