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13 Milliarden Euro Kirchensteuer
Wofür die Kirchen in Köln und dem Rheinland ihr Geld ausgeben

Lesezeit 6 Minuten
Blick in den Kölner Dom während einer Messe. Die Menschenmenge ist von hinten zu sehen, der Blick geht nach oben zu den gotischen Fenstern im Chor, die von Tageslicht erhellt sind.

Der Kölner Dom ist laut Bilanz der „Hohen Domkirche“ als eigenständige Körperschaft des öffentlichen Rechts nur 27 Euro wert.

Das Erzbistum Köln plant Ausgaben in Höhe von 941,5 Millionen Euro, die Evangelische Kirche im Rheinland will knapp 584 Millionen Euro ausgeben. Wofür?

Die Menschen wenden sich in Scharen ab, die Mitglieder der beiden großen deutschen Kirchen sind mit knapp 49 Prozent Bevölkerungsanteil bereits in der Minderheit. Aber die Steuereinnahmen der Kirchen sind 2022 mit rund 13 Milliarden Euro trotzdem gestiegen. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Auf die katholische Kirche entfielen demnach knapp 6,8 Milliarden Euro (2021: 6,73 Milliarden), auf die evangelische etwa 6,1 Milliarden Euro (5,99 Milliarden).

Kirchentreu und auf dem beruflichen Zenit angekommen

Die Abgaben an die Kirchen sind grundsätzlich an die Lohn- und Einkommenssteuer gekoppelt – in NRW werden neun Prozent berechnet. Ein Grund für die Zunahme der Kirchensteuer-Einnahmen im vergangenen Jahr war deshalb sicherlich die stabile Konjunktur. Ein anderer die Tatsache, dass vor allem die geburtenstarken Jahrgänge aus den 1960er Jahren, kirchentreu und auf dem beruflichen Zenit angekommen, die Kassen füllen.

Ob dies aber noch lange so bleibt, ist fraglich. Denn die Zahl der Kirchenaustritte hat in Nordrhein-Westfalen so stark zugenommen wie nie zuvor seit der statistischen Erfassung. 2022 traten insgesamt 223.500 Personen aus. Das sind 44 Prozent mehr als im Vorjahr, in dem 155.000 Menschen den Kirchen den Rücken kehrten. Die Zahl erreichte damit zum zweiten Mal in Folge einen neuen Höchststand. Das geht aus einer Statistik des Justizministeriums in Düsseldorf hervor.

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Diese gibt zwar keinen Aufschluss darauf, wie sich die Austritte auf die Konfessionen verteilen. Klar aber scheint, dass der Höchstwert zumindest in Köln mit 20.331 Austritten im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche und den Querelen um den Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, zu sehen ist. Woelki habe durch sein Verhalten das Ansehen der katholischen Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen und sei zum Katalysator einer Austrittsbewegung geworden, die alle Bistümer in NRW, aber auch in Deutschland in einen Strudel ziehe, kommentiert Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster die Zahlen. „Davon wird sich die katholische Kirche auf lange Zeit nicht mehr erholen, und sie pulverisiert sich selbst zu einer Minderheitenkirche, die kaum noch Einfluss auf ihre eigenen Gläubigen, geschweige denn auf virulente gesellschaftliche Fragen haben wird“, so Schüller.

Wie hoch sind die Einnahmen des Erzbistum Köln?

Die Kirchensteuer macht drei Viertel der Erträge des Erzbistums Köln aus. Aufgrund der Unsicherheiten durch den Krieg in der Ukraine, die Energiekrise und die anhaltend hohen Austrittszahlen rechne das Bistum für 2023 mit einem stagnierenden Kirchensteueraufkommen von 668,9 Millionen Euro, heißt es im Wirtschaftsplan für 2023. Gegenüber den „in 2021 tatsächlich realisierten Kirchensteuern“ sei dies ein Rückgang um rund 10 Millionen Euro. Zu den Steuergeldern kommen dann beispielsweise noch Spenden und Kollektengelder, Einnahmen aus Mieten oder Pachterträge sowie staatliche Zuwendungen und Zuschüsse, die im Wesentlichen die Finanzierung der Schulen betreffen.

Im Wirtschaftsplan des Bistums für das Jahr 2023 sind Erträge in Höhe von 916,7 Millionen Euro veranschlagt – wovon 31,9 Millionen Euro aus Wertpapiergeschäften und der Gewinn- beziehungsweise Dividendenausschüttung von Wohnungsbaugesellschaften stammen, an denen das Bistum beteiligt ist. Den Einnahmen stehen Aufwendungen in Höhe von 941,5 Millionen Euro gegenüber. Die fehlenden 24,8 Millionen Euro könnten aus den Rücklagen beglichen werden, heißt es.

Wofür wird das Geld verwendet?

Der größte Batzen, 284 Millionen Euro, geht für die „regionale Seelsorge“ drauf. Also für die Personal- und Betriebskosten in den rund 510 Pfarreien, die das Erzbistum Köln nach eigenen Angaben hat. Dort gebe es etwa 1200 Gotteshäuser (920 Kirchen und 300 Kapellen), von denen 600 unter Denkmalschutz stünden.

81 Millionen Euro werden für den Bereich „Bildung“ eingeplant. Das Erzbistum betreibe 33 Schulen, in denen über 23.000 Schülerinnen und Schüler von mehr als 1800 Lehrkräften unterrichtet würden. Mit dem Geld der Kirche würden die Personalkosten sowie die „Bereitstellung der Gebäude“ finanziert. Das Land NRW jedoch übernimmt einen Großteil der Betriebskosten. „87 bis 94 Prozent der laufenden Ausgaben“, heißt es aus dem Schulministerium. Im Jahr 2022 habe das Land für alle Ersatzschulen in NRW knapp 1,74 Milliarden Euro ausgegeben, für 2023 seien etwa 1,82 Milliarden Euro eingeplant.

73 Millionen Euro werden für die „zielgruppenspezifische Seelsorge“ eingeplant. „Das Erzbistum bietet vielfältige spezielle Angebote für Jugendliche, Erwachsene und Menschen in besonderen Lebenssituationen an“, heißt es. Dabei geht es unter anderem um pastorale Angebote etwa im Krankenhaus, Altenheim, Hospiz, Obdachlosenheim, bei der Polizei oder im Gefängnis. Auch die Notfall- und Telefonseelsorge sowie zahlreiche Programme für die Erwachsenenbildung fallen unter diesen Punkt.

Weitere 58 Millionen Euro fallen für „Gebäude und Verwaltung“ an. Alleine für die Bauunterhaltung des Kölner Doms wurden 2023 knapp 4,3 Millionen Euro angesetzt. Der Verwaltungsaufwand für die rund 65.000 hauptamtlichen Mitarbeitenden im kirchlichen Dienst fällt nicht nur im Generalvikariat an, sondern umfasst auch die Tätigkeiten in den Gemeinden.

Der Wohlfahrtsverband „Caritas“ wird mit 56 Millionen finanziert. Der Verband betreibt eigene Pflegeeinrichtungen, Fachdienste, Zentren für Integration und Migration sowie mehr als 100 Beratungsstellen. Das Erzbistum übernimmt zwischen 25 und 75 Prozent der Personal- und Betriebskosten in diesen Einrichtungen.

51 Millionen Euro kosten die katholischen Kindertagesstätten. Von rund 8300 Mitarbeitenden würden hier nach Angaben des Bistums täglich bis zu 33.000 Kinder betreut, von denen etwa zwei Drittel katholisch seien. Über die Landeszuschüsse hinaus übernehme die Kirche Teile der Betriebs- und Sachkosten und fördere Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen. Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft würden vom Land NRW in diesem Jahr mit etwa 1,15 Milliarden Euro finanziert, heißt es aus dem Familienministerium. Die Verteilung der Landeszuschüsse zwischen katholischer und evangelischer Kirche liege „bei rund 2:1“. Gefördert würden etwa 2300 katholische Kindertageseinrichtungen und 1300 evangelische.

Weitere 39 Millionen Euro werden für die Entwicklungs- und Katastrophenhilfe sowie die Unterstützung kirchlicher Missionswerke wie Misereor oder Adveniat verwendet. Und 29 Millionen Euro kostet die Altersversorgung der Bistums-Mitarbeitenden.

Was die evangelische Kirche ausgibt

Im Wirtschaftsplan für 2023 geht die Evangelische Kirche im Rheinland von einem Gesamtertrag von 578 Millionen Euro aus, die in erster Linie aus Steuern und staatlichen Zuwendungen stammen. Dem stünden geplante Ausgaben in Höhe von knapp 584 Millionen Euro entgegen, etwa 40 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Der größte Posten sind auch hier die Kosten fürs Personal: Gut 209 Millionen Euro, was etwa 61 Prozent des Budgets ausmacht.

Absolute Zahlen zu den geplanten Ausgaben, gegliedert nach Aufgabenbereichen, hat die Pressestelle der Landeskirche dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ für das Jahr 2023 auf Anfrage nicht geliefert. Einem Schaubild ist aber zu entnehmen, dass etwa 36 Prozent des Haushalts für die Seelsorge und Gottesdienste in den Gemeinden vorgesehen sind, zwanzig Prozent fließen in die Betreuung von Kindern und Familien sowie in Bildungsmaßnahmen, zwölf Prozent kostet die Verwaltung, acht Prozent verschlingt die Gebäudeunterhaltung und insgesamt zwölf Prozent werden unter anderem für die Unterstützung sozial benachteiligter Menschen, kulturelle Veranstaltungen oder die Seelsorge in Krankenhäusern oder Altenheimen angesetzt.

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