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Landtagswahl 2017Inklusion mit großen Hindernissen – Das sagen die Parteien

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Inklusion LTW 17

Eine Sonderpädagogin unterstützt ein Kind bei der Lösung von Aufgaben.

Köln/Düsseldorf – Der Landtag hat 2013 mit einem Schulrechtsänderungsgesetz den Auftrag der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen umgesetzt. Schüler mit einem besonderen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf sollen grundsätzlich immer auch an einer allgemeinen Regelschule einen Platz bekommen. Familien haben das Recht, zwischen Regel- und Förderschule zu wählen. Seit 2013 ist die Inklusionsquote in NRW von rund 26 auf jetzt über 38  Prozent gestiegen.

Für die Diskussion über die Folgen in der Praxis ist wichtig zu wissen, was man in diesem Zusammenhang unter  sonderpädagogischem  „Förderbedarf“ versteht. Zu Kindern mit körperlichen und geistigen Einschränkungen kommen Schüler, die im allgemeinen Sprachgebrauch nicht als „Behinderte“ bezeichnet werden. Ihnen werden soziale und emotionale Beeinträchtigungen oder „Lernschwächen“ attestiert. Diese Kinder ins Regelschulsystem zu integrieren, gilt als  Herausforderung. Viele Lehrer  fühlen sich dafür nicht ausreichend ausgebildet, es fehlt   Unterstützung durch dafür besonders qualifiziertes Personal.

Eine weitere Herausforderung  ergibt sich daraus, dass die Zahl der Kinder mit besonderem Förderbedarf immer weiter steigt. Das führen Experten auf gesellschaftliche Entwicklungen zurück, aber auch darauf, dass die Feststellung von Förderbedarf heute nicht mehr eine Zuweisung zu einer Förderschule erzwingen kann.

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Wir haben bei den Parteien nachgefragt: Sollen Förderschulen erhalten bleiben?  Die Antworten finden Sie im Folgenden. (ksta) 

SPD

Das Ziel der Inklusion ist und bleibt für uns Herzensangelegenheit. Um sie zum Erfolg zu führen, brauchen wir mehr multiprofessionelle Teams, um Phasen der individuellen Förderung zu ermöglichen. Es gibt Hinweise, was, wo, wann bei der Inklusion noch nicht optimal läuft. Diesen Hinweisen müssen wir nachgehen. Für uns zählt der Elternwille. Die Förderschule bleibt als eigenständiger Lernort erhalten.

CDU

Ja. Die CDU steht zum Ziel der schulischen Inklusion, weil wir der Auffassung sind, dass viele Kinder und Jugendliche mit Einschränkungen erfolgreich an Regelschulen lernen können. Für andere bieten aber die Möglichkeiten der Förderschulen die besseren Voraussetzungen. Wir wollen Eltern in die Lage versetzen, selbst zu entscheiden, wo ihr Kind am besten gefördert werden kann.  Solange vielen Regelschulen noch Sonderpädagogen und bauliche Voraussetzungen für inklusiven Unterricht fehlen, darf keine weitere Förderschule geschlossen werden.

Die Grüne

Alle Menschen haben ein Recht auf Teilhabe – das gilt insbesondere für die Bildung. Wir Grüne teilen das Ziel der Vereinten Nationen, ein inklusives Schulsystem aufzubauen. Wir wollen eine Schule, in der alle Kinder willkommen sind und in der auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf qualifiziert unterstützt werden. Alle Schülerinnen und Schüler sollen das Angebot für einen Platz an einer allgemeinen Schule bekommen. Wenn Eltern für ihr Kind die Förderschule bevorzugen, soll dies aber weiterhin möglich sein.

FDP

Das Ziel, Kinder mit Förderbedarf weitgehend in Regelschulen zu integrieren, ist richtig. Rot-Grün hat aber aus der guten Idee einen ideologischen Scherbenhaufen gemacht. Wir stellen das einzelne Kind in den Mittelpunkt. Deshalb lehnen wir die massive Schließung von Förderschulen ab. Dort, wo gemeinsamer Unterricht erfolgt, brauchen wir verbindliche Basisstandards. Fehlen Personal oder Ausstattung , dürfen keine inklusiven Lerngruppen mehr gebildet werden. Auch in Zukunft sollen Eltern zwischen Regelschulen und Förderschulen wählen können.  

Piraten

Ja, denn nicht für alle Schülerinnen und Schüler mit besonderem Förderbedarf ist die Regelschule der richtige Förderort. Die Regelschulen sind im Moment so schlecht ausgestattet, dass dort inklusiver Unterricht mit hoher Qualität gar nicht umgesetzt werden kann.

Die Linke

Ja. Es müssen aber dringend die Bedingungen für die Inklusion verbessert werden, denn der Umstellungsprozess von Förderschule zur Regelschule wird derzeit nicht beherrscht. Darunter leiden alle Beteiligten. Die Linke will das Schulsystem weiterentwickeln zu einer gemeinsamen Schule für alle Kinder. Diese Schule bezieht alle Schulformen, auch Förderschulen und Gymnasien, ein. Die gemeinsame Schule orientiert sich an den individuellen Lernbedürfnissen einzelner Schülerinnen und Schüler. Sie ist inklusiv und sozial ausgleichend.

AfD

Das  spezialisierte Förderschulsystem geht in seiner Qualität weit über die Forderungen der UN-Konvention hinaus. Es ist ein bewährtes Instrument, Defizite bei Kindern mit besonderem Förderbedarf auszugleichen und dadurch letztlich ein Höchstmaß an Beteiligung zu ermöglichen. Die Inklusion rot-grüner Machart, die Schülern mit Behinderungen weniger Unterstützung bietet als Förderschulen, frustriert alle Beteiligten, da sie permanent entweder über- oder unterfordert werden. Es schafft eine perfekte Lose-Lose-Situation.

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