Ein Drittel der vorgeschlagenen Personaleinsparungen betrifft die Bildung, Eltern schreiben dem Oberbürgermeister.
EinsparungenEltern sehen Leverkusens Bildung in Gefahr

Außerschulische Lernorte wie die Mutreiferei des Naturguts Ophoven sind ein wichtiger Bestandteil des Bildungssystems.
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Dass das frühe Versprechen der Stadtoberen – „an Bildung wird nicht gespart“ – in der Haushaltskrise nicht zu halten sein wird, ist schon lange klar. Das Ausmaß der Sparvorschläge der PD-Berater gerade in diesem Bereich schockiert die Elternvertreter in der Stadtschulpflegschaft aber doch. Sie rechnen vor: „Von den insgesamt empfohlenen 130,8 Stellenstreichungen entfallen 38,62 Stellen – also knapp 30 Prozent – auf Bildung, Kultur (Musik- und Kunstschule) und außerschulische Lernorte.“ Die Stadtschulpflegschaft kommt zu dem klaren Schluss: „Diese Schwerpunktsetzung gefährdet zentrale Bildungs- und Präventionsstrukturen in Leverkusen.“

Silke Ratte, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft
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Deswegen hat Silke Ratte als Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft einen Bürgerantrag an den Oberbürgermeister geschickt. Die wichtigsten Forderungen: keine pauschalen Kürzungen im Bildungsbereich ohne Einzelfallprüfung und besonderer Schutz für zentrale Bildungsangebote.
Schulsozialarbeit ist elementar
Darunter verstehen die Elternvertreter an erster Stelle die Schulsozialarbeit. Vier Stellen sollen hier laut PD gestrichen werden. Das wäre ein fataler Fehler, ist die Stadtschulpflegschaft überzeugt: „Flächendeckende Schulsozialarbeit war und ist ein Meilenstein für den Bildungsstandort Leverkusen, die von Tag eins an auf die sozialen Kompetenzen unserer Kinder einzahlt.“ Nicht nur wirke sie frühzeitig bei familiären Belastungen, psychischen Problemen, Mobbing und Gewalt. Sie reduziere durch frühes Eingreifen auch spätere Kosten: etwa für Jugendhilfe, therapeutische Maßnahmen, Ordnungsdienste und Polizei. „Ein Systemsprenger kostet mehr als fünf Schulsozialarbeiter“, hatte Schuldezernent Marc Adomat einst selbst vorgerechnet. „Schulsozialarbeit schützt Kinder und Jugendliche, unterstützt Familien, entlastet Schulen und verhindert erhebliche Folgekosten“, fassen die Elternvertreter zusammen.
Praxisnahe Wissensvermittlung
Auch der Erhalt des Bildungsbüros und der außerschulischen Lernorte wie dem Freudenthaler Sensenhammer, dem Naturgut Ophoven, dem Wildpark Reuschenberg und den Stadtteilbibliotheken liegt den Eltern besonders am Herzen. Mit den geplanten Stellenstreichungen könnten alle diese Institutionen ihre umfangreichen Aufgaben für die praxisnahe Wissensvermittlung, als Forschungs- und Begegnungsorte nicht mehr aufrechterhalten.
Die nominell höchste Personalreduktion soll die Musik- und Kunstschule umsetzen, 12,65 Stellen. Das würde sich auch auf die Leverkusener Schulen auswirken, warnen die Elternvertreter: Aktuell bestehen Kooperationen mit zahlreichen Kindertagesstätten und 19 Schulen. „Die Projekte ermöglichen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu musikalischer Bildung unabhängig vom Elternhaus oder finanziellen Möglichkeiten. Die Musik- und Kunstschule trägt damit wesentlich zu Bildungsgerechtigkeit und kultureller Teilhabe bei.“
Gegen gesellschaftliche Spaltung
Die Musikschule sei außerdem ein geschützter Raum für Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, sozialer Hintergründe und Weltanschauungen und trage damit bei im Kampf gegen gesellschaftliche Spaltung, Extremismus und Desinformation. Das gelte insbesondere auch für die Stadtteilbibliotheken, die in Zeiten von Fake News und Populismus dabei helfen, „seriöse Quellen von Desinformation zu unterscheiden, in der Vergangenheit zu forschen und aktuelle Entwicklungen zu verstehen.“
Die Eltern verstehen, dass gespart werden muss. „Pauschale Kürzungen im Bildungsbereich würden jedoch ausgerechnet jene Strukturen schwächen, die soziale Probleme verhindern, Fachkräfte fördern und langfristig Kosten reduzieren.“ Bildung, Prävention und kulturelle Teilhabe seien keine freiwilligen Luxusleistungen, sondern zentrale Zukunftsinvestitionen für Leverkusen. Deshalb fordern sie: Die vorgeschlagenen Einsparungen müssen einzeln geprüft, transparent bewertet und gemeinsam mit Politik, den betroffenen Institutionen, Schulen und Stadtgesellschaft verantwortungsvoll abgewogen werden. Die Stadtschulpflegschaft Leverkusen bietet ihre Mitarbeit an.
