Der Ortskern scheint für Banken nicht mehr die attraktivste Adresse zu sein. Hintergrund dafür sind auch vergangene Sprengungen.
SB-Pavillon statt FilialeWie die Bergheimer Banken wandern

Volksbank und Sparkasse wollen in Kürze einen SB-Pavillion auf einem Aldi-Parkplatz an den Start bringen – der Standort auf der Büsdorfer Straße wird aufgegeben.
Copyright: Rafael Greboggy
Seit einiger Zeit hängt an der Filiale der Deutschen Bank an der Bethlehemer Straße ein Zettel mit der Überschrift: „Wir ziehen um“. Ein bisschen kurios wirkt dagegen die neue Anschrift: Aus dem zentral gelegenen Gebäude, das gegenüber dem Rathaus am Beginn der Bergheimer Fußgängerzone liegt, wandert die Finanzagentur in die Friedrich-Bessel-Straße, also in das Paffendorfer Gewerbegebiet. Im alten Standort war im Februar 2024 ein Geldautomat gesprengt worden.

2024 war ein Geldautomat an der Bethlehemer Straße gesprengt worden. Jetzt wird der Standort nach Paffendorf verlagert.
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Auch in Oberaußem wandern die Banken, und auch hier sind befürchtete Sprengungen zumindest Teil der Gleichung: Die bisherige Kooperations-Stelle der Volksbank mit der Sparkasse auf der Büsdorfer Straße wird durch einen Selbstbedienungs-Pavillon auf dem Aldi-Parkplatz an der Peter-Achnitz-Straße ersetzt. Wie eine Sprecherin der Volksbank Erft auf Anfrage mitteilt, wird der Pavillon in wenigen Wochen in Betrieb gehen.
Kritik am Filialsterben in Bergheim
Melanie Scheuer, sachkundige Bürgerin (parteilos in der FDP-Fraktion) und ehemalige Stadträtin, sowie der FDP-Ortsverband kritisieren den Standort. In einer Mitteilung vom Vorsitzenden Curtis Goncz (FDP) erklären sie, dass der Pavillon keine zufriedenstellende Lösung für den Ort sei: „Statt einer bürgernahen Lösung steht bald ein Container außerhalb des Ortskerns auf dem Aldi Parkplatz. Davon profitieren gerade die Menschen kaum, die auf kurze Wege und eine gute Erreichbarkeit angewiesen sind“, heißt es in der Mitteilung.
Besonders ältere und mobilitätseingeschränkte Bürgerinnen und Bürger würden durch den Standort benachteiligt, der zudem nicht barrierefrei erreichbar sei. Auch in den Sozialen Medien stellten Nutzer die Erreichbarkeit des Pavillons für Menschen infrage, die nicht mobil sind.
Dazu wurde auch eine Petition ins Leben gerufen, die für Oberaußem eine rollende Filiale der Kreissparkasse fordert. Das sei die beste Lösung für Senioren, Personen ohne Auto oder mit gesundheitlichen Einschränkungen, heißt es in der Petition. Sie hat bereits über 160 Unterschriften.
Volksbank reagiert mit neuem Standort auf Sprengungen
Die Volksbank Erft sagt auf Anfrage zur Verlagerung ihres Standorts: „Unsere Immobilie in Oberaußem ist zu groß für eine SB-Stelle und renovierungsbedürftig.“ Die Bank wolle das Gebäude verkaufen. „Außerdem sind schräg darüber, daneben und gegenüber Mietwohnungen. Die Verlagerung erfolgt auch, um mögliche Schäden an Immobilien und Gefahren für Anwohner durch eine Sprengung des Geldautomaten zu reduzieren. Der neue Standort ist verkehrsgünstig, mit vielen Parkplätzen und unmittelbar bei den Nahversorgern, wo unsere Kunden regelmäßig einkaufen.“
Auch in Hürth-Efferen hatte die Volksbank einen Geldautomaten an der Ortsmitte mit einem SB-Pavillion auf einen Aldi-Parkplatz am Ortsrand ersetzt. Ein Sprecher der Volksbank Rhein-Erft-Köln hatte den Standortwechselebenfalls mit den Sprengungen von Geldautomaten erklärt. Alternativ baue man auf Supermarkt-Parkplätzen Standorte auf, da Kunden ohnehin zum Einkaufen dorthin kämen. Dazu habe sich das Kundenverhalten geändert. Die Servicefrequenzen seien stark zurückgegangen, und einfache Bankgeschäfte wie Überweisungen werden weniger in den Filialen, sondern immer häufiger digital getätigt.
