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Kulturerbe in Brühl
Verein sorgt sich wegen möglichem Baugebiet um Status der Schlösser

Zwei Spaziergänger laufen durch die Allee von Bäumen in Brühl.

Die langen Alleen eröffnen besondere Perspektiven rund um das Brühler Schloss Augustusburg.

Ein mögliches Baugebiet im Brühler Süden versetzt einige Mitglieder des Vereins „World Heritage Watch“ in Sorge. Die Realisierung könne den Status der Schlösser als Weltkulturerbe kosten, sagen sie.

Muss man in Brühl um den Status der Schlösser als Weltkulturerbe bangen? Diesen Eindruck erweckte unlängst der Bericht des Vereins World Heritage Watch an die für die Welterbestätten zuständige Unesco, eine Organisation der Vereinten Nationen (UN). Das beabsichtigte Bauprojekt in Schwadorf beeinträchtige die historische Sichtachse zwischen Schloss Augustusburg und der Schallenburg in dem südlichen Brühler Stadtteil. Damit gefährde es den von der Weltgemeinschaft verliehenen Status, schreiben die Autoren.

Regina Junga, als Dienststellenleiterin gewissermaßen Schlossherrin im Auftrag des Landes, sieht die Sache deutlich gelassener. Nach Austausch mit ihren Kollegen im Denkmalbereich des Bauministeriums erklärt sie, nach Prüfung des Bauvorhabens und Erörterung mit Vertretern des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland, der Oberen Denkmalbehörde (Bezirksregierung Köln) und den Monitoren von Icomos Deutschland seien keine Auswirkungen auf den außergewöhnlichen universellen Wert der Schlösser Brühl zu erwarten.

Verein ist laut Schlossherrin nicht zuständig

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Ohnehin sei es nicht der Verein World Heritage Watch, der Welterbestätten als gefährdet einstufen, also auf die Rote Liste der Unesco setze, oder ihnen gar den Status entziehe. Dafür sei allein das Welterbekomitee zuständig und „nicht eine NGO wie der Verein World Heritage Watch“.

Der außergewöhnliche Wert der Schlösser Augustusburg und Falkenlust bestehe darin, das die Bauten die ersten bedeutenden Schöpfungen des Rokoko Deutschland seien, so die Unesco. „Diese Erklärung des außergewöhnlichen universellen Wertes stellt die primäre Grundlage für die Beurteilung dar, ob eine bestimmte Maßnahme Auswirkungen auf den Welterbe-Status haben kann“, lässt Junga dazu wissen.

Offenbar spielen die von den einstigen Bauherren angedachten und angelegten Sichtachsen also nicht die entscheidende Rolle. Zumal auch der erhöhte Damm der Autobahn 553 bereits die Sichtbeziehung vom Schloss in der Brühler Innenstadt zu der schmucken Wasserburg in Schwadorf seit vielen Jahren erheblich beeinträchtigt.

Nächster Schritt im Brühler Bauprojekt: Auslegung des Bebauungsplanes

Noch hat die Stadt aber ohnehin keine Fakten für die Realisierung des strittigen Bauprojekts geschaffen. Im nächsten Verfahrensschritt erfolge die erneute öffentliche Auslegung des Bebauungsplanes „Östlich Lindenstraße, westlich An der Schallenburg“, teilt die Verwaltung mit. Diese werde frühestens Anfang nächsten Jahres stattfinden. Mit einem Satzungsbeschluss sei bis Herbst 2023 zu rechnen.

Derzeit befinde man sich in Abstimmung mit der Bezirksregierung Köln, Dezernat für Denkmalangelegenheiten, bezüglich der Kubatur und städtebaulichen Struktur des Baugebiets auch im Zusammenspiel mit den Welterbestätten, lässt die Stadtverwaltung wissen. Widerstand gegen die Bebauung regt sich aber nicht nur in Reihen des Vereins World Heritage Watch. Auch die Initiative Denkmal-bruehl.de um die Bewohnerin der historischen Schallenburg, Rita Lennartz, beklagte wiederholt, dass mit einer Bebauung die Jahrhunderte alte Siedlungsgrenze nachhaltig verändert und die historische Sichtbeziehung zerstört werden.

Zur Diskussion steht ein Baugebiet von 2,9 Hektar Größe, auf dem Mehrfamilienhäuser sowie eine Grünfläche mit Regenversickerungsbecken, Spielplatz und Blockheizkraftwerk entstehen sollen.

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