Abo

Ausbau am Militärring14 Millionen Euro für den Autoverkehr im Kölner Westen

4 min
Stau auf dem Militärringstraße in Köln (Archivbild)

Stau auf dem Militärringstraße in Köln (Archivbild)

Wegen mehrerer Bauprojekte plant die Stadt, die Verkehrsachse auszubauen. Das Rechnungsprüfungsamt sieht offene Fragen bei den Kosten.

Die Stadt Köln will den Militärring im Westen für rund 14 Millionen Euro ausbauen – und damit eine der größten Investitionen in das Autoverkehrsnetz der vergangenen Jahre auf den Weg bringen. Geplant sind unter anderem ein neuer Linksabbieger von der Aachener Straße, eine zusätzliche Verbindung zur Stolberger Straße und ein Kreisverkehr an der Wendelinstraße.

Das Mobilitätsdezernat hält den Umbau für dringend notwendig, weil im Kölner Westen mehrere große Wohn-, Schul- und Gewerbeprojekte entstehen, die zusätzlichen Autoverkehr nach sich ziehen werden. Doch die Planung wirft Fragen auf: Das Rechnungsprüfungsamt zweifelt an der Belastbarkeit zentraler Verkehrsannahmen und sieht mögliche Kostenrisiken.

Militärring wird ausgebaut

„Die Dringlichkeit und Unaufschiebbarkeit des Umbaus ist darin begründet, dass die Bauvorhaben und Aufsiedlungen der Weststadt abhängig von der Realisierung der Maßnahme sind“, heißt es in der Beschlussvorlage für den Stadtrat. Konkret geht es um mehrere Vorhaben: neue Wohngebiete auf dem Max-Becker-Areal und dem Helios-Gelände, Schulbauprojekte am Wasseramselweg und am Girlitzweg sowie mehrere neue Gewerbestandorte.

Dazu zählen das ehemalige Thyssen-Gelände in Ehrenfeld, das frühere Opel-Autohaus in Braunsfeld und das ehemalige 4711-Werksgelände in Bickendorf. „Wir setzen hier intensiv auf nachhaltige Mobilitätskonzepte, dennoch wird der Verkehr durch die Aufsiedelungen zunehmen. Daher sind zusätzliche Verknüpfungen in der Verkehrsinfrastruktur sinnvoll, um die Verkehrsströme besser zu verteilen und Überlastungen zu vermeiden“, sagt Mobilitätsdezernent Ascan Egerer.

Geplanter Ausbau am Militärring

Geplanter Ausbau am Militärring

Roman Suthold, Bereichsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein, hält den Ausbau des Militärrings für dringend geboten. „Eine gute Verkehrsanbindung des Kölner Westens ist nur mit gezielten baulichen Maßnahmen an den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten möglich“, sagt er. Der ADAC erwartet, dass sich der Verkehr durch die neuen Abbiege- und Anschlussmöglichkeiten besser verteilen lässt.

Die Bauarbeiten am Militärring sollen Anfang 2027 beginnen. Die Ausbaupläne existieren allerdings bereits seit mehr als einem Jahrzehnt. Beim Land Nordrhein-Westfalen hatte die Stadt Köln 2016 eine Förderung beantragt. Die Anträge sollen nach der Beschlussfassung  des Stadtrats Anfang Juli „zeitnah aktualisiert und angepasst“ werden, sagt das Mobilitätsdezernat. Sollte das Land die Förderung bewilligen, müsste die Stadt die Kosten – auch angesichts der schwierigen Haushaltslage – nicht allein tragen.

Auf der Aachener Straße soll ein neuer Linksabbieger auf den Militärring entstehen, der die KVB-Gleise quert.

Auf der Aachener Straße soll ein neuer Linksabbieger auf den Militärring entstehen, der die KVB-Gleise quert.

Ob die von der Stadt vorgesehenen 14 Millionen Euro ausreichen werden, um das Projekt umzusetzen, ist fraglich. Das Rechnungsprüfungsamt als Kontrollinstanz weist darauf hin, dass die Planung auf dem Prognosefall für das Jahr 2025 basiert, der wiederum auf Verkehrserhebungen aus dem Jahr 2010 beruht. „Das Prognosejahr ist nunmehr überholt. Ob die für 2025 ermittelten Daten im Nachgang belastbar waren, wurde nicht aufgeklärt“, urteilen die Rechnungsprüfer. Nicht eingerechnet seien zudem weitere Baugrundgutachten sowie Entschädigungszahlungen, die laut eines Lärmgutachtens fällig werden.

Die Stadt plant, den Ausbau in drei Schritten umzusetzen. In der ersten Bauphase wird auf der Aachener Straße ein neuer Linksabbieger gebaut, der die KVB-Gleise der Linie 1 quert, damit Autofahrer von Junkersdorf in Richtung Innenstadt fahrend auf den Militärring abbiegen können. Dafür dürfen künftig nur noch Linienbusse der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) vom Alten Militärring links abbiegen. Auf Wunsch der Grünen soll die Stadt noch einmal prüfen, ob der Linksabbieger tatsächlich notwendig ist.

Am Knotenpunkt Wendelinstraße, Vitalisstraße und Stolberger Straße ist ein Kreisverkehr geplant.

Am Knotenpunkt Wendelinstraße, Vitalisstraße und Stolberger Straße ist ein Kreisverkehr geplant.

In der zweiten Bauphase entsteht die neue Ausfahrt vom Militärring zur Wendelinstraße. Dort wird ein großes Bauwerk errichtet, um über eine Schleife auf die Stolberger Straße gelangen zu können. Auch die Auffahrt auf den Militärring soll von dort aus möglich sein. In der dritten Bauphase wird hinter der neuen Ausfahrt ein Kreisverkehr gebaut, um den Verkehr in Richtung Wendelinstraße, Vitalisstraße und Stolberger Straße zu verteilen. Bis Mitte 2029 soll alles fertig sein.

BUND kritisiert Ausbau des Militärrings

Helmut Röscheisen, Vorstandsmitglied der Naturschutzorganisation BUND Köln, sieht den Ausbau am Militärring kritisch, weil Grünflächen wegfallen werden. „Wer Straßen baut, der wird Verkehr ernten. Jede weitere Versiegelung ist schlecht für das Klima“, sagt er. Aus seiner Sicht sollten die neuen Wohnprojekte im Kölner Westen autofrei oder zumindest autoarm geplant werden, dann seien auch keine neuen Straßen notwendig.

Die Stadt Köln plant für die wegfallenden Bäume und Büsche einen Ausgleich. Im Bereich der Baustelle sollen neue Grünflächen entstehen, zudem soll andernorts in Junkersdorf eine Streuobstwiese angelegt werden, um den Verlust auszugleichen. Das kostet insgesamt 280.000 Euro.