KommentarDüsseldorfer Rosenmontagszug verschoben – Fehlentscheidung für den Karneval

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Düsseldorfer Rosenmontagszug

Wegen der Corona-Pandemie wird der Düsseldorfer Rosenmontagszug verschoben.

Köln – Das Comitee Düsseldorfer Carneval (CDC) hat entschieden, den Rosenmontagszug vom 28. Februar auf den 8. Mai 2022 zu verschieben – einen Sonntag. Bis dahin sollen auch karnevalistische Veranstaltungen möglich sein. Der Grund: dramatisch steigende Inzidenzzahlen. „Wir sehen darin eine echte Chance, den Karneval am Leben zu erhalten und trotzdem zu feiern“, begründet Vizepräsident Stefan Kleinehr, in Köln bekannt ob seiner weitsichtigen Arbeit als Manager von Brings, den Beschluss.

Der neue Termin eröffnet aus Sicht des CDC die Chance, den „weltweit beachteten Düsseldorfer Rosenmontagszug“ in der gewohnten Weise mit Tausenden von Zuschauern am Straßenrand durchzuführen. Und die Vereine bekämen so mehr Flexibilität bei der Durchführung von Veranstaltungen, müssten etwa eine Sitzung nicht absagen oder mit finanziellem Verlust durchführen, sondern könnten diese unter einem anderen Namen im Frühjahr ohne Corona-Einschränkungen veranstalten.

Eine zweite Session ohne Karneval überleben

Aus Sicht des Managers eine richtige Entscheidung, bietet sie doch besonders den kleinen Vereinen die Chance, auch eine zweite Session ohne Karneval zu überleben, sollte es einen erneuten Lockdown geben. Auch das CDC wird sich gut stellen, wenn bei sonnigem Maiwetter die sponsorenbeklebten Festwagen, vom WDR ins Land übertragen, an den Narren vorbeirollen. Und die weltweite Aufmerksamkeit für die bissigen Persiflagewagen Jacques Tillys ist nicht wirklich Datumsabhängig. Oder wissen sie, wann die Bilder aus dem Sambadrome in Rio Jahr für Jahr laufen?

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Aus Sicht des Karnevalisten eine fatale Fehlentscheidung. Denn: am Aschermittwoch ist alles vorbei. Und das ist gut so. Seit fast 200 Jahren organisiert, aber eigentlich schon viel länger. Sommerkarneval ist genauso überflüssig wie Erdbeeren im Dezember oder Weihnachtsbäume im August. Und nichts anderes ist ein nachösterlicher Rosenmontagszug. Oder eine Herrensitzung, die dann vielleicht unter dem Namen Lustiger Maifrühschoppen läuft. Die scheinheilige Bitte des CDC, auf Veranstaltungen in der Karwoche mit Rücksicht auf die Kirche zu verzichten, unterstreicht die Absurdität.

Köln ist durchaus reich an Absurditäten

Nun ist Köln durchaus reich an Absurditäten, die hiesigen Jecken aber werden dem Beispiel der Landeshauptstädter nicht folgen. Einen Rosenmontagszug wird es nur an Rosenmontag geben – und wenn es nicht anders geht, sucht man kreative Lösungen im Zeichen der Tradition. Bestes Beispiel: der Hänneschenzug im vergangenen Jahr. Brauchtumspflege im besten Sinne, versehen mit hoher Aufmerksamkeit einerseits, aber auch einer die Pandemie-Situation reflektierenden Nachdenklichkeit. So geht glaubwürdiger Karneval.

Und: es ist ja noch ein bisschen Zeit, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aktuell gilt 2G-Plus für Sitzungen, Karneval feiern ist also ganz legal möglich, draußen wie drinnen. Genau wie Konzert- oder Stadionbesuche. Die Politik möchte einen erneuten Lockdown vermeiden. Und am 11.11. haben die Kölner Karnevalisten bewiesen, dass sie solche Veranstaltungen sicher über die Bühne bringen können. Warum also nicht feiern? Wem das zu unsicher erscheint, der kann ja zu Hause bleiben. Unter den gegebenen Umständen würde man sich, geimpft und frisch getestet, im Gürzenich allemal sicherer fühlen als in einer unkontrolliert überfüllten KVB-Bahn auf dem Weg zum Heimspiel gegen Bayern München. Oder Düsseldorf? Nee – die spielen in einer anderen Liga. 

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