Konzert im E-WerkBeer Bitches drücken Kölnliebe ganz ohne Selbstbesoffenheit aus

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Die Beer Bitches Irina Ehlenbeck (v.l.), Carolin Kebekus und Nadine Weyer stehen im E-Werk in Mülheim auf der Bühne.

Die Beer Bitches starteten ihre Welttournee „Deck Opjedrage“ im Kölner E-Werk.

Wie drückt man seine Zuneigung zu Köln ganz ohne Selbstbesoffenheit aus? Die Beer Bitches zeigen es im E-Werk in Mülheim.

Wenn Vorfreude wirklich die schönste Freude ist, dann sind viele am Mittwochabend im E-Werk überreich beschenkt worden. Wer seine Tickets Weihnachten 2019 geschenkt bekommen habe, möchte Carolin Kebekus vom Publikum wissen. Und da melden sich tatsächlich so einige. 

Die Beer Bitches wollten eigentlich schon 2020 im Gloria auftreten, doch dann kam ihnen die Pandemie dazwischen. Nun können Irina Ehlenbeck, Carolin Kebekus und Nadine Weyer aber endlich ihre Welttournee „Deck Opjedrage“ starten, die sie nach dem Start in Köln auch noch in die Metropolen Overath und Bonn führen wird. 

Welttournee in Köln, Overath und Bonn

Dick aufgetragen ist ein wunderbar passender Name für diese Mini-Konzertreihe, denn wenn Kölnerinnen und Kölner eines können, dann genau das. Schließlich muss man hier nicht lange suchen, bis man jemanden findet, der voller Überzeugung und ohne jede Ironie verkündet, Köln sei die schönste Stadt Deutschlands, wenn nicht gar der Welt. 

Alles zum Thema Carolin Kebekus

Köln sei die meist besungene Stadt weltweit, sagt Carolin Kebekus: „Da sagt sogar New York: Du hast gewonnen.“ Was soll man da also noch beitragen? Die drei Beer Bitches und ihre fünfköpfige Band Loose Ladyboys liefern die Antwort: Lieder über Köln, die tiefe Zuneigung für ihre Bewohner und Eigenarten ausdrücken - aber ohne die oft so anstrengende Selbstbesoffenheit, die sich in vielen Liedern findet, zumal wenn sie auf Kölsch gesungen sind.

Die Beer Bitches singen auch auf Kölsch, aber die Fallhöhe stimmt immer. Die meisten ihrer Songs sind Coverversionen internationaler Hits. Und da wird dann auf die Melodie von Miley Cyrus’ „Wrecking Ball“  schlicht „E Röggelche mit Mett“ besungen. Und aus Adeles melancholischem „Hello“ wird ein verzweifeltes „Helau“. Was soll man auch anderes machen, wenn der Angebetete plötzlich an Karneval das verbotene Wort durch die Kneipe brüllt? Stimmlich bestehen die drei Sängerinnen auch bei schwierigen Gesangsparts, Adele-Songs muss man schließlich erstmal meistern.

Wenn sie auf die Melodie von „More Than Words“ ausgerechnet jemanden besingen, der einfach immer zu viel „schwaad“, ist auch die Verbindung zum Original-Text hergestellt. Und anstatt wie „Jolene“ im gleichnamigen Dolly-Parton-Song die Nebenbuhlerin anzuflehen, ihr doch nicht den Mann auszuspannen, suchen die Beer Bitches jemanden, der ihnen die Männer abnimmt.

Gerade die eigenen Kompositionen überzeugen

Grundsätzlich wünscht man sich aber für die Zukunft noch mehr eigene Kompositionen wie „De Familich“, ein Lied, das wunderbar den ganz normalen Irrsinn eines Familienfestes besingt: „All Lück fresse Frikadellche / Keiner Lisbeths Schichtsalat / Pia schwaad vun Stilleinlage / Opa üvver Stalingrad.“ Und „Schwing ming Fott“ - ebenfalls keine Cover-Version - über das Phänomen, dass es sich doch nach drei Kölsch gleich viel besser und ohne ständige Selbstzweifel tanzen lässt, ist vermutlich der bekannteste Song der Band.

Ihre eigene Köln-Hymne haben die drei auch im Gepäck, doch die kommt zum Glück ohne Dom, Ring und Sunnesching aus. In „Heimweh“ geht es weniger um die Sehnsucht nach Köln, sondern vielmehr um vergangene Zeiten, Gefühle und das Wissen, dass wir oft erst schätzen, was wir haben, wenn es vorbei ist.

Neben allem Humor gibt es aber auch Themen, die den Beer Bitches sehr ernst sind. Für Menschen, die glauben, für Frieden auf die Straße zu gehen, und dabei Seite an Seite mit Rechten marschieren, haben sie nur eine Botschaft: „Loss mich in Rauh“. Für Kebekus steht fest: „Mit Nazis geht man nicht auf die Straße.“ 

Und auch Köln bekommt bei aller Zuneigung durchaus sein Fett weg: „Wir tragen in Köln vor uns her, wie weltoffen wir sind“, sagt die Komikerin. Dabei seien wir bei vielem immer noch eher im Mittelalter steckengeblieben: „Zwei Institutionen haben mich in der Jugend enttäuscht: die katholische Kirche und der traditionelle Karneval. Da können Frauen nichts werden.“

Da hilft auch kein Weltfrauentag, denn Kebekus kurzerhand in einen Weltalmosentag umbenennt. Ein paar Pralinen günstiger zu verkaufen oder Rosen zu verteilen, reiche eben einfach nicht. Gleiche Bezahlung, das wäre doch mal was.

Doch bei allen auch kritischen Äußerungen war dieses Konzert vor allem ein Abend, der beim Publikum für sehr viel gute Laune sorgte. Und wer das schafft, hat in diesen düsteren Zeiten schon sehr viel richtig gemacht.

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