Vertreter von Kultur und Sozialem protestieren erstmals gemeinsam gegen geplante Kürzungen im Haushalt.
Kölner Haushalt„Erstmals gegenseitige Solidarität“ – Kultur und Soziales demonstrieren gemeinsam

Kundgebung gegen die geplanten Haushaltskürzungen der Stadt Köln bei Freier Kultur und Sozialem.
Copyright: Arton Krasniqi
„Zum ersten Mal stehen wir hier gemeinsam auf der Straße und zeigen die gegenseitige Solidarität“, sagte Manuel Moser vom Verein für Darstellende Kunst in Köln bei der Demonstration des Bündnisses „Zusammenhalt für Köln – Freie Kultur und Soziales“ auf dem Alter Markt. Nur ein paar Meter weiter tagte währenddessen der Rat – die letzte Sitzung bevor der Doppelhaushalt am 16. Oktober beschlossen werden soll. Und darin sind teils drastische Kürzungen in beiden Bereichen vorgesehen: Kultur und Soziales.
„Es gibt kein Entweder Oder. Wer mangelnden gesellschaftlichen Zusammenhalt beklagt, kann nicht an den Orten und an den Menschen sparen, die Tag für Tag genau daran arbeiten“, so Moser. Den Schaden, den diese im Vergleich zum Gesamthaushalt minimale Einsparungen in der Stadt anrichten würden, nannte er „absolut inakzeptabel“. Soziales und Kultur dürften nicht auseinander dividiert werden: „Dieses Spiel wird seit Jahren mit uns gespielt. Es wird gesagt: Wenn ihr Geld für ein Theater braucht, dann können wir kein Schwimmbad bauen.“
Stelle im Kölner Kulturamt unbesetzt
Andrea Bleikamp ist freischaffende Künstlerin, auf ihrem Plakat steht „Referat Tanz und Theater besetzen“ – es geht um das Kölner Kulturamt, wo die Stelle seit Oktober vakant ist und auch nicht nachbesetzt werden soll. „Und das ist natürlich eine Katastrophe, weil damit die Stimme für Tanz und Theater in Köln fehlt“.
Die freien Gruppen in Köln ohne feste Spielstätte wären ein Ganzjahres- Betrieb, „ohne dass wir das in irgendeiner Form finanziert bekommen“, beklagt die Regisseurin und Dramaturgin. „Wenn jetzt weitere Kürzungen auf uns zukommen, wird es in Köln künftig keine freien Gruppen mehr geben.“ Und das treffe dann auch die großen Häuser, deren Spielpläne die Freien mitgestalten: „Das ist ein Dominoeffekt“.

Autor Navid Kermani spricht bei der Kundgebung gegen die geplanten Haushaltskürzungen der Stadt Köln bei Freier Kultur und Sozialem.
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Marc Leßle vom Deutzer Zentralwerk der Schönen Künste erklärt: „das Schwierige ist, wenn man so etwas aufbaut wie wir, braucht man ein gewisses Initialkapital von der Stadt Köln. Denn sonst steigen andere Förderer auch aus, das ist eine Kettenreaktion.“ Wenn es jetzt also nicht wenigstens eine Grundfinanzierung der Stadt Köln gebe – dann würden Land und Stiftungen auch nichts mehr geben. „Und deswegen ist es umso wichtiger, dass die Stadt Köln die Strukturen nicht zerstört“. Da gehe es den sozialen Trägern wie den Kulturträgern: „Da sitzen wir alle in einem Boot.“
Die Kürzungen gefährden unsere Demokratie, weil wir das Bollwerk einer solchen Stadt sind, um Vielfalt und auch sozialen Ausgleich zu bieten, den die Stadt so nicht mehr bietet.
Auch Autorin Son Lewandowski ist zur Demo gekommen – sie ist die diesjährige Trägerin des Wellershoff-Stipendiums der Stadt. „Ich bin hier, weil ich total wütend darüber bin, wie viel in der Kölner Kulturszene aber auch bei sozialen Projekten weggekürzt werden soll. Und das gefährdet unsere Demokratie, weil wir das Bollwerk einer solchen Stadt sind, um Vielfalt und auch sozialen Ausgleich zu bieten, den die Stadt so nicht mehr bietet.“ Wenn die freie Szene wegbreche, würde das die Lebensqualität in der Stadt radikal senken. Lewandowski findet, dass die Stadt die Prioritäten anders setzen sollte: „Man sieht ja, dass immer noch Geld da ist - zum Beispiel für eine Olympia-Bewerbung.“
Navid Kermani spricht über Kürzungen
Als Redner konnte das Bündnis auch den Kölner Schriftsteller Navid Kermani gewinnen, der warnte vor weiterem „Sozialabbau“ und Kürzungen bei der Kultur. Angesichts der „wirklich katastrophalen Haushaltslage“ habe er Verständnis für die Sparbemühungen der Stadt. „Aber wenn man schon kürzen muss, dann doch klug – und nicht über die Köpfe hinweg.“
Kermani rief dazu auf, vor den geplanten Einschnitten „die Stadtgesellschaft mitzunehmen“. Die weitere Kürzung von Sozialleistungen führe zu weiterer Verelendung, Kürzungen im Kulturetat zu weiterer Verödung Köln. Die Stadt verliere damit an Lebensqualität, werde ärmer und unattraktiver. Das führe dazu, dass weniger Menschen in Köln leben und weniger Firmen sich hier ansiedeln wollten. Damit drohten ausgerechnet die Kürzungen auf lange Sicht die Stadt und ihre Bewohner teuer zu stehen zu kommen.
