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„Äußerst ungewöhnlich“Steinmeier muss in Katar eine halbe Stunde in der offenen Flugzeugtür ausharren

Lesezeit 4 Minuten
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verlässt den Regierungsflieger (Archivbild). In Doha musste er knapp eine halbe Stunde in der offenen Fliegertür verharren.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verlässt den Regierungsflieger (Archivbild). In Doha musste er knapp eine halbe Stunde in der offenen Fliegertür verharren.

Mit verschränkten Armen stand Frank-Walter Steinmeier in der Flugzeugtür – 30 Minuten lang. Es war wohl schlicht niemand da, der ihn in Empfang nahm.

Den Beginn dieses Staatsbesuches hatte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Mittwoch (29. November) sicher etwas anders vorgestellt. Während der Flug zunächst planmäßig und ohne Zwischenfälle verlief, begann der Aufenthalt in Katar kurios.

Denn die Gastgeber aus Katar ließen den Bundespräsidenten nach der Landung eine gefühlte Ewigkeit schmoren, bis Frank-Walter Steinmeier schließlich empfangen werden konnte.

Frank-Walter Steinmeier in Katar: Bundespräsident muss im Flugzeug warten

Steinmeier wartete am Mittwoch im Airbus A350 der Flugbereitschaft der Bundeswehr eine knappe halbe Stunde, bevor er die Maschine verließ. Der rote Teppich war schon ausgerollt und eine Ehrengarde angetreten. Auch der deutsche Botschafter Lothar Freischlader stand zur Begrüßung bereit. Schließlich kam auch ein Vertreter des Gastlandes – der Staatsminister für ausländische Angelegenheiten, Sultan al-Muraichi - dazu.

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Bis dahin stand Steinmeier zeitweise mit verschränkten Armen an der Eingangstür des Flugzeuges – in der prallen Sonne. Der Grund für diese ungewöhnliche Wartepause blieb zunächst unklar. Die Maschine war etwas früher als im offiziellen Programm vorgesehen gelandet. Zum Treffen mit dem Emir Tamim bin Hamad Al Thani fuhr der Bundespräsident dann pünktlich ab.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit verschränkten Armen in Flugzeugtür

Der Vorgang ließ selbst erfahrene Auslandskorrespondenten ratlos zurück. „Äußerst ungewöhnlich am Flughafen in Doha. Bundespräsident Steinmeier muss warten“, schrieb der Korrespondent des ARD-Hauptstadtstudois, Martin Schmidt, auf X (vormals Twitter).

„Maschine war sehr pünktlich. Viel Stirnrunzeln auf dem Rollfeld“, so Schmidt zu einem Clip, der die kuriose Szene zeigt. „Sind jetzt bei 20 Minuten. Wird ungewöhnlicher“, legte er kurze Zeit später in einem weiteren Post nach. 

Als Sultan al-Muraichi schließlich da war, konnte Frank-Walter Steinmeier dann nach rund einer halben Stunde offiziell empfangen werden. Geäußert hat sich Steinmeier bislang zu der Verzögerung am Flughafen bislang nicht. 

Frank-Walter Steinmeier lässt Verzögerung am Flughafen in Katar unkommentiert

Bei ersten Gesprächen bat der Bundespräsident die Führung Katars dann um weitere Bemühungen zur Freilassung der deutschen Geiseln aus der Hand der Terrororganisation Hamas gebeten.

„Ich bin sicher nach diesem Gespräch, dass Katar alles unternehmen wird, um auch zur Freilassung der deutschen Geiseln beizutragen“, sagte Steinmeier in Katar nach einem Treffen mit Emir Tamim bin Hamad Al Thani. „Aber wir müssen verstehen, in einer solch schwierigen Verhandlungssituation kann es dazu auch keine Garantien geben.“

Steinmeier setzt sich in Katar für Freilassung von Geiseln in Gaza aus

Steinmeier betonte, er habe in seinen Gesprächen gebeten, die Bemühungen zur Befreiung von Geiseln insgesamt fortzusetzen, insbesondere auch mit Blick auf die deutschen Staatsangehörigen unter den Verschleppten. „Ich hoffe, dass wir dazu in den nächsten Tagen Nachrichten, gute Nachrichten erwarten können“, sagte er.

Katar unterhält enge Kontakte zur islamistischen Hamas und nimmt eine wichtige Vermittlerrolle ein. Zusammen mit Ägypten und den USA hat das Golfemirat die aktuelle Feuerpause im Gaza-Krieg mit dem Austausch von Geiseln und Häftlingen ausgehandelt.

Steinmeier sagte weiter, an der Lage in Nahost werde sich kaum etwas ändern, wenn es nicht zur Freilassung aller Geiseln komme. „Das ist die erste und wichtigste Voraussetzung.“ Das Zweite sei, „dass von der Hamas keine mörderische Bedrohung für Israel mehr ausgeht“. Drittens gehöre dazu, dass man in einen politischen Prozess einmünden müsse. In diesem müsse mehr Sicherheit für Israel gewährleistet werden. Gleichzeitig bräuchten die Palästinenser mehr Perspektiven. Es werde „ein langwieriger Prozess“, sagte Steinmeier voraus.

Auslöser des jüngsten Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen aus dem Gazastreifen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze begangen haben. Dabei wurden mehr als 1200 Menschen getötet. Etwa 240 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt, auch mehrere Deutsche.

Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Blockade des Gazastreifens. Ende Oktober begannen seine Streitkräfte eine Bodenoffensive. Dabei wurden nach Angaben der Hamas fast 15.000 Menschen getötet und mehr als 36.000 verletzt. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. (pst mit dpa)

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