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Existenzen sind zerstört: Hochwasser hinterlässt massive Schäden in Reifferscheider Tal

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Als ihre Hauswand in den Fluten einstürzte, war Birgit Engmann-Thomas glücklicherweise bei ihrer Nachbarin.

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Stephan Everling

Hellenthal-Reifferscheid -

Orte, die schwer unter dem Hochwasser gelitten haben, sind Reifferscheid, der beliebte Burgort in der Gemeinde Hellenthal, und die umliegenden Dörfer im Reifferscheider Tal. Viele zerstörte Existenzen, kaputte Straßen, Betriebe, die nicht mehr produzieren können und auch ein Todesopfer hat die Flut dort gefordert. Mit viel Hilfe von Freiwilligen aus den umliegenden Ortschaften konnten die gröbsten Schäden in den vergangenen Tagen schon einmal beseitigt und die überschwemmten Keller freigeräumt werden. Doch die Erinnerung an die schreckliche Nacht zum Donnerstag vergangener Woche bleibt.

„Ich habe tausend Schutzengel gehabt“, sagt Birgit Engmann-Thomas. In der Nacht, mitten im Starkregen, sei sie noch einmal kurz zu der Nachbarin gegenüber gegangen. „Als ich nach fünf Minuten wieder zurück wollte, kam ich schon nicht mehr über die Straße“, sagt sie. Alles sei überschwemmt worden. So sei sie gezwungen gewesen, die Nacht im Nachbarhaus zu verbringen. Als sie wieder nach Hause wollte, habe sie ein langes Brett über den Graben gelegt, nur um feststellen zu müssen, dass durch die Fluten eine Hauswand eingestürzt sei.

Alles wurde weggespült

Alles sei weg. „Ich habe nur noch die Kleidung, die ich am Leibe trage und meine Handtasche“, sagt sie. Die anderen Sachen seien weggespült worden. Fünf Tage habe sie nur geweint. „Ich bräuchte dringend Medikamente. Ich bin schwer herzkrank, aber ich weiß nicht, wie ich an meine Medikamente kommen soll“, klagt sie. „Das war eine Steinmauer von 1,30 Meter Dicke“, sagt Hausbesitzer Thomas Walther. Er ist immer noch fassungslos.

Das kleine Rinnsal namens Manscheider Bach wurde zum tosenden Strom und hat die Uferböschung samt der Grundmauer des rund 100 Jahre alten Hauses einfach weggerissen. Den Gastank, mit einer Auftriebssicherung versehen, hat es aus dem Boden gerissen. Er liege, noch fast voll, etwa hundert Meter weiter in dem kleinen Reifferscheider Gewerbegebiet.

Der Schock sitzt tief

Auch Kati Koenn, die wenige Häuser bachaufwärts wohnt, ist der Schock noch anzumerken. Die eine Hausecke ist freigespült, die Terrasse verschwunden. „Als das Wasser drohte, den Gastank loszureißen, sind wir von der Feuerwehr evakuiert worden“, erzählt sie. So habe sie die Nacht bei Bekannten verbracht und sei von den schlimmsten Bildern verschont geblieben. Anders Anke Murk vom Busunternehmen Murk. Als das Wasser immer höher gestiegen sei, habe sie ein Auto gesehen, das angetrieben worden sei: „Ich konnte nicht sehen, ob jemand drin saß.

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Stephan Everling

Wegen der Strömung konnte ich auch nicht nachsehen.“ Die Vorstellung, dort könnte jemand ertrinken, war schrecklich für de Reifferscheiderin. Mit Hilfe von Nachbarn sei es gelungen, festzustellen, dass der Wagen leer sei. Trotzdem sagt sie: „Ich habe jetzt immer einen Nothammer im Auto. Denn es kann schnell sein, dass man eingeschlossen wird und sich nicht retten kann.“ Sie verstehe nicht, warum dieses wichtige Rettungsmittel, das seit langem im Bus Pflicht sei, nicht auch für alle Autos vorgeschrieben sei. Das Holz aus dem Holzhandel ein Stück weiter oberhalb habe auf ihrem Grundstück gelegen. Da ist die Werkhalle von der Strömung aufgerissen worden. Immerhin: Alle Busse des Unternehmens sprangen zur Überraschung aller tatsächlich an, obwohl auch sie im Wasser gestanden hatten.

Noch immer läuft Wasser ab

Jutta Bungard von den Bungard Tischlerwerkstätten zeigt in ihre Halle. Das Tor fehlt. Es ist weggeschwemmt worden und auch sonst ist das große Bauwerk am Rande des Wolferter Bachs leer. „Da stand die CNC-Fräse, dort die Plattensäge, die Furnierpresse“, zählt sie auf. Alles vom Wasser zerstört. Dazu seien sämtliches Werkzeug und alle Hobelbänke weggespült worden. Noch immer läuft Wasser aus dem Spänebunker – der müsse abgerissen werden. „Es war ja schon vorher ein großes Problem, Material zu beschaffen“, sagt sie. Genauso sei es bei den Maschinen. Sie müssten mit sechs Monaten Lieferzeit rechnen. „Mein Mann sitzt oben und versucht, Material zu bekommen“, so Bungard.

Aber das Internet fehle und das mobile Internet sei schwach – Bestellen bleibt bleibt ein schwieriges Unterfangen. Die Überschwemmung im Privathaus sei da schon nebensächlich. „Wir dachten, die Welt geht unter“, erzählt auch Peter Nickels. Mit seiner Familie habe er sich ins Obergeschoss geflüchtet, als das Wasser gekommen sei. „Ein Container ist weg, Autos, der Gartenschuppen“, zählt er auf – und: „Meine Windmühle, die steht noch, aber alles drumherum ist weg. Das versteht keiner.“