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Fünf Jahre HochwasserkatastropheWas der Wupperverband zum Schutz vor Überflutung tut

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Die Wupper, 17. Juli 2021, morgens 2.40 Uhr, Hochwasser-Höchststand, von der Brücke Düsseldorfer Straße flussabwärts fotografiert. Eine braune, nach Öl und Chemie stinkende Flut.

Die Wupper am 15. Juli 2021, morgens um 2.40 Uhr, Hochwasser-Höchststand, von der Brücke Düsseldorfer Straße flussabwärts fotografiert: eine braune, nach Öl und Chemie stinkende Flut.

Vor fünf Jahren überfluteten die Wupper und ihre Nebenbäche während der Hochwasserkatastrophe große Teile Leichlingens und Opladens. Inzwischen hat sich viel für den Schutz vor neuen Fluten getan.

Das insgesamt bislang viel zu trockene Jahr 2026 im Einzugsgebiet der Wupper und der niedrige Pegel des Flusses und seiner Zuflüsse könnten den Betrachter am Wupperufer in Sicherheit wiegen. Doch die relative Trockenheit dieses Jahres, die sich an jene des vergangenen Jahres anschließt, steht heftigem Starkregen gegenüber. Ein solches Extremwetterereignis führte am 14. und 15. Juli 2021 dazu, dass auch Teile Opladens und Leichlingens vom Wasser der Wupper überflutet wurden.

Seitdem hat sich allerdings viel für einen besseren Schutz vor Hochwasser geändert. Darauf weist der Wupperverband zum fünften Jahrestag der Hochwasserkatastrophe hin, der alle einzelnen Projekte mit diesem Ziel im Zukunftsprogramm Hochwasserschutz gebündelt hat.

Mehr Informationen über Pegelstände

Bessere und schnellere Information zu Pegelständen über ein viel dichteres Messnetz als bisher ist ein Baustein dieses Programms. Je früher die Behörden über eine sich aufbauende Hochwassergefahr Bescheid wissen, desto eher können sie Schutzmaßnahmen ergreifen. Dazu baute der Verband von Oktober 2025 bis März 2026 den neuen Hochwassermesspegel Am Pastorat in Leichlingen auf. Kombiniert ist der Pegel mit einer Messstation für die Gewässergüte.

Der neue Wupperpegel am Pastorat in Leichlingen

Der neue Wupperpegel am Pastorat in Leichlingen

Der Hochwasserpegel wurde über das Forschungsprojekt Bergischer Hochwasserschutz 4.0 mit 150.000 Euro finanziert. Die Messstation kostete weitere 50.000 Euro. Der Pegel am Pastorat ist einer von insgesamt 63 Pegeln des Wupperverbandes. Hinzu kommen 48 Klimastationen und 100 Sensoren. Die Daten der Pegel sind über das Hochwasserportal des Wupperverbandes für jeden einsehbar.

Renaturierung von Bachläufen

Die Renaturierung von Fließgewässern ist ein weiterer wichtiger Bestandteil für mehr und besseren Schutz vor Hochwassern. Die Arbeiten am Murbach in Leichlingen-Wietsche sind dafür ein Beispiel. Zwischen Oktober 2024 und Ende November 2025 gestaltete der Verband etwas mehr als einen halben Kilometer Bachlauf naturnah um: Böschungen wurden abgeflacht, das Bachbett aufgeweitet, zwei Wehre entfernt. Bei Starkregen kann der Bach so mehr Wasser aufnehmen und es rauscht langsamer zu Tal.

Der renaturierte Murbach im Sinneswald

Der renaturierte Murbach im Sinneswald

Die Investitionen von 580.000 Euro bezahlte zu 80 Prozent das Land NRW, 20 Prozent übernahm der Wupperverband. Etwas oberhalb von Wietsche erneuerte zudem die Stadt Leverkusen im Sommer 2025 eine Brücke über den Bach und stellte so eine wichtige Wegebeziehung auf einer beliebten Wanderstrecke wieder her. Die Brücke war in der Hochwasserkatastrophe zerstört worden. Die Kosten für den Neubau in Höhe von 400.000 Euro übernahm komplett das Land.

Wasserrückhaltebecken, Retentionsflächen

Ein weiterer Weg, dem Wasser mehr Platz zu schaffen und so Hochwasserwellen nicht ganz so extrem aufkommen zu lassen, sind Wasserrückhaltebecken und Retentionsflächen entlang von Flussläufen. Auch das ist entlang des Laufs des Murbachs Thema. Oberhalb der Renaturierung in Wietsche arbeitet der Wupperverband an der ehemaligen Talsperre Diepental im Grenzgebiet von Leverkusen und Leichlingen daran, aus dem oberen Becken der Talsperre ein grünes Hochwasserrückhaltebecken zu machen. Dafür müsste auch der Damm zwischen oberem und unterem Becken ökologisch umgestaltet werden. Aktuell erarbeitet der Wupperverband die Genehmigungsplanung, die er der Bezirksregierung vorlegen muss. Wenn alles gut geht, könnten die Bauarbeiten für das Projekt Ende 2027 beginnen, schätzt der Verband aktuell.

Müllerhof in Leichlingen an der Wupper

Müllerhof in Leichlingen an der Wupper

Große potenzielle Retentionsflächen sieht der Wupperverband südlich des Müllerhofs in Leichlingen und auf der Schusterinsel in Opladen. Das westliche Flussufer südlich des Müllerhofs soll auf einer Länge von 500 Metern „abgeflacht und der Wupperquerschnitt aufgeweitet werden, dem Fluss soll also mehr Raum gegeben werden“, und zwar auf seine ursprüngliche natürliche Breite. Allein das verringert die Fließgeschwindigkeit. Die Planer gehen davon aus, dass sich durch die Aufweitung der Wupper im Flusslauf auch eine Insel bildet. Durch die seitliche Ausdehnung entstehe zusätzlicher Retentionsraum. Das wiederum verringert die Hochwasserscheitel. Die Arbeiten sollen ab 2029 ausgeführt werden.

Der Wupperdeich in Opladen an der Schusterinsel hat ganz überwiegend seine Deichfunktion verloren. Er soll deshalb entwidmet, juristisch als Ufer geführt werden. Wenn Hochwasser aufläuft, kann es sich auf der Wiese der Schusterinsel ausdehnen, die so zu einem Retentionsraum wird.

Ein zeitgemäßes Management der Talsperren ist darüber hinaus ein wesentlicher Faktor für guten Schutz vor Hochwasser. Dazu zählt etwa, dass seit 2021 in den Becken der 14 Talsperren des Verbandes im Sommer mehr freier Stauraum für plötzliche, heftige Sommerniederschläge vorgehalten wird. Wenn starke Regenfälle angekündigt sind, wird im Vorfeld mehr Wasser aus den Talsperren abgegeben, um den Puffer in den Becken zu vergrößern. Allerdings: Je weiter eine Kommune von den Talsperren am Oberlauf von Wupper und Dhünn entfernt ist, desto größer wird der Einfluss von dazwischenliegenden Bachzuflüssen auf die Scheitelhöhen von Hochwassern flussabwärts. Und Leichlingen und Leverkusen sind die letzten beiden Kommunen, durch die die Wupper vor der Mündung in den Rhein fließt.