Eine Diskussion im Stadtrat hätte für den Oberbürgermeister und die Ehrenbürger-Anwärter peinlich werden können.
Kommentar zur Leverkusens EhrenbürgernDer Verzicht ist eine elegante Lösung für alle


Wofür Alonso wirklich brennt: Titel und seine Serie an ungeschlagenen Spielen.
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Werner Wenning, Fernando Carro, Simon Rolfes und Xabi Alonso verzichten auf die Ehrenbürgerrechte der Stadt Leverkusen. Dass sie dies tun, weil sie sich „durch die Euphorie in der Stadt Leverkusen und die herausragende Unterstützung durch die Fans hinreichend geehrt fühlen“, ist eine herzerwärmende Begründung.
Aber sicher nicht die ganze Wahrheit. Die Ratsvorlage zur Ernennung der vier neuen Ehrenbürger hatte Oberbürgermeister Uwe Richrath höchstpersönlich eingebracht, sein Name wäre eng damit verknüpft gewesen, wenn sie wie geplant in der Sitzung am 6. Mai diskutiert worden wäre.
Dass Richrath sie nun zurückziehen und von der Tagesordnung absetzen kann, bewahrt ihn und die Beteiligten vor einer möglicherweise unangenehmen Diskussion. Denn bei allem, was die vier Männer unbestreitbar für den Verein geleistet haben, waren auch viele Stimmen laut geworden, die vor allem Werner Wenning nicht als Ehrenbürger der Stadt sehen wollten. Dass im Stadtrat und in der Öffentlichkeit über dessen Beteiligung am massenhaften Arbeitsplatzabbau in der Bayer-AG und dem umstrittenen Monsanto-Deal diskutiert wird, ist weder im Interesse der Stadt, noch des Vereins oder des Hauptsponsors.
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Auch bei Fernando Carro und Simon Rolfes wurde die Frage laut, ob ihre Arbeit für den Verein zu diesem Zeitpunkt ausreichend für eine Ehrenbürgerschaft sei. Wäre die Vorlage abgelehnt worden, wäre das äußerst peinlich für alle Beteiligten gewesen. Wessen Idee nun der gemeinschaftliche Verzicht war und welche Absprachen dem vorausgegangen sind, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Eine elegante und gesichtswahrende Lösung ist es allemal.
Lediglich an dem charismatischen Xabi Alonso hätten sich die wenigsten als Ehrenbürger gestört. Dass dieser trotzdem auch zurückzieht, verwundert nicht. Sein ekstatischer Jubelausbruch nach dem Ausgleichstreffer in letzter Minute gegen Dortmund in einem für den Ausgang der Liga unbedeutenden Spiel hat gezeigt, wofür der Meistertrainer wesentlich mehr brennt, als für eine Ehrenbürgerschaft: Seine Rekordserie; die Aussicht, als erste deutsche Mannschaft eine Saison ohne Niederlage abschließen zu können und die beiden noch möglichen Titel in der Europa League und dem DFB-Pokal. Politisches Störfeuer kann er auf diesem Weg nicht gebrauchen.



