Der Rat soll schon am 14. Dezember den Bau der umstrittenen Feuerwache auf den Heunen beschließen. Eine umfangreiche Sammlung an Unterlagen, Plänen und Gutachten ist im Leverkusener Ratsinformationssystem zum Herunterladen bereitgestellt worden.
Die vielleicht wichtigste Neuerung im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen ist, dass die Stadt nach neuesten Kalkulationen Investitionen für den reinen Bau von 171 Millionen Euro stemmen müsste, wenn der Beschluss im Rat erwartungsgemäß durchgeht. Die Investition soll größtenteils mithilfe der Rettungsdienstgebühren der Krankenkassen rückfinanziert werden. Zu den 171 Millionen kommt noch der Preis für eine Interimswache in der Bahnstadt, die nach Fertigstellung nicht mehr gebraucht werden wird. Die neue Feuerwache soll 2033 fertig werden, die Interimswache soll 2028 stehen. Die alte Opladener Wache in der Kanalstraße, die für den Wachdienst nicht mehr tragbar sein soll, soll weiterhin der Feuerwehr zur Verfügung stehen.
Gegenüber der Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2024 haben sich die Pläne erheblich verändert: Die Wache soll jetzt aus zwei etwa 160 Meter langen und gut 30 Meter breiten mehrstöckigen Gebäuderiegeln aufgebaut werden, die obendrauf mit einer querliegenden Brücke verbunden werden sollen.

Auf dem Dach des Modells ist der Sportplatz eingezeichnet.
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Neben den Fahrzeughallen soll die neue Wache alle technischen Vorrichtungen zur Ausrüstung bekommen und für die Verwaltung sollen für Schulung notwendige Räume eingeplant werden, die es im Prinzip auch schon in der Feuerwache Edith-Weyde-Straße gibt. Die Schulungsräume sollen so eingerichtet werden, dass sie schnell für den Krisenstab umgebaut werden können, für den Fall, dass die Wache Edith-Weyde-Straße nicht mehr zu betreten ist. Tatsächlich besteht für die derzeitige Leverkusener Hauptwache in Wiesdorf ein Hochwasserrisiko bei einem seltenen Rheinhochwasser und sie liegt in der heißen Seveso-Zone des Chemparks. Eine zweite Leitstelle soll in Opladen nicht eingebaut werden, nur ein kleinerer „Funkraum“, sagt Feuerwehr-Vizechef Martin Gäde.
Die neue Wache bekommt keine eigene Leitstelle, aber: über 190 Tiefgaragenstellplätze, Ruheräume, Räume für den Musikzug, die Freiwillige-, die Kinder-, die Jugendfeuerwehr. Außen gibt es Übungsflächen, auf denen die Feuerwehr etwa Autos aufschneiden kann.
Die 80 Meter breite Alarmausfahrt ist eng mit Straßen NRW abgestimmt worden. Es wird Ampeln geben; Autos müssen stoppen, wenn die Feuerwehr ausfährt. Der Radweg vor der Wache soll ganz wegfallen. Radfahrer müssen über eine Fußgängerampel zweimal die Straßenseite wechseln – wenn sie nicht illegal auf der Straße weiterfahren wollen.

Feuerwehr-Vize Martin Gäde mit einem Modell der Wache, wie sie die Stadtverwaltung bauen will.
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Die laute Autobahn ist nah und es gibt Anwohner, die vom Feuerwehrlärm betroffen sein dürften: Schallschutzwände sollen die Geräusche abschirmen.
Die Dächer sollen teils begrünt werden, auf dem einen Dach soll ein Sportplatz angelegt werden. Das Regenwasser von den Dächern soll neben der Wache in einer Mulde versickern. Das Abwasser vom großen versiegelten Hof nicht: Unter anderem dafür muss ein neuer Druck-Kanal mit Pumpwerken gebaut werden, der in einem Rohr an der Brücke Solinger Straße die Autobahn 3 überqueren soll. Aufgrund der Länge der Druckleitung sei noch eine „Nachblasstation“, eine weitere Pumpe, erforderlich.
Der Fußabdruck, also neuversiegeltes Land, soll 23.300 Quadratmeter groß sein. Die Zahl ist nicht unbedeutend, weil die Grünen angekündigt haben, dass sie dem Bau im Landschaftsschutzgebiet nur zustimmen wollen, wenn das neuversiegelte Land an anderer Stelle durch Entsiegelung ausgeglichen wird.
Kritik an der neuen Wache
Für die Feuerwehr ist seit dem Debakel der nicht eingezogenen Rettungsdienstgebühren nicht mehr Andrea Deppe zuständig, sondern der Dezernentenkollege Marc Adomat. „Es ist nicht so, dass die Feuerwehr gefragt wurde: ‚Schreibt mal auf, was ihr gerne hättet‘“, sagt Adomat angesichts der Größe der geplanten Wache. Einige Strukturen, die an der derzeitigen Hauptwache an der Edith-Weyde-Straße schon vorhanden sind, sollen in der neuen Feuerwache Nord noch einmal gebaut werden.

Eine Simulation Auf den Heunen
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Es gibt eine Menge Kritik an der Wache aus Kreisen der Politik und außerparlamentarisch. Gewichtige Kritikpunkte sind die als überzogen gewertete Ausstattung und Doppelstrukturen mit der Hauptwache, auch angesichts der Haushaltslage; es gibt unbeantwortete Fragen nach der öfter verstopften Raoul-Wallenberg-Straße, über die einer der Hauptrettungswege verläuft.
Das Grundstück liegt zudem genau in einer Kaltluftbahn, die nachts Rheindorf versorgt. Durch die Bauart in zwei Riegeln parallel zur Luftströmung scheint man auf dieses Problem reagiert zu haben. Für den Neubau muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Außerdem will die Stadt für die Wache Felder im Landschaftsschutzgebiet opfern. Dafür wird sie den Bauern Schlieper enteignen müssen, der seine am Hof nahegelegenen Felder behalten will. Bei vielen kommt das nicht gut an.
Ein Mitarbeiter der Stadt sagte dazu, der Bau sei im überragenden öffentlichen Interesse und man werde anfangen zu bauen, auch wenn eventuelle Gerichtsverfahren wegen der Enteignung möglicherweise noch nicht abgeschlossen seien. Das Gleiche gelte, falls einer der Naturschutzverbände klagen sollte.
Alternativen zu der Planung wurden nicht mehr geprüft, seit die Pläne erstmals 2022 öffentlich wurden, bestätigte Marc Adomat. Vorschläge, lieber eine günstigere, dezentral organisierte Wache zu bauen, in der das Interim in der Bahnstadt ein Teil sein könnte, waren für die Verwaltung kein Thema.
Für Verwaltung und Feuerwehr ist der Bau alternativlos und die Pläne sind inzwischen weit fortgeschritten. Der Brandschutzbedarf erfordert eine Wache im Norden der Stadt. Mit dem Bau der Wache auf den Heunen könne man sich einen weiteren Standort in Steinbüchel sparen.

