Alles unter einem DachLeverkusener Geriatrie in St.-Remigius-Krankenhaus eingezogen

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Die neue Geriatrie im St.-Remigius-Krankenhaus: Chefarzt Sascha Wihstutz bei zwei Patientinnen.

Die neue Geriatrie im St.-Remigius-Krankenhaus: Chefarzt Sascha Wihstutz bei zwei Patientinnen.

Die Geriatrie ist im Sommer aus dem Wiesdorfer St.-Josef-Krankenhaus nach Opladen gezogen. So sieht die Altersmedizin in Leverkusen nun aus. 

Alle Spezialfächer für die Altersmedizin finden geriatrische Patientinnen und Patienten jetzt im St.-Remigius-Krankenhaus unter einem Dach. Die Abteilung zog im August 2022 aus dem St.-Josef-Krankenhaus nach Opladen. In den seither sieben Monaten haben sich die Vorteile der neuen Abteilung gezeigt.

In der Geriatrie müssen die chronischen Erkrankungen in der Behandlung akuter Beschwerden intensiver berücksichtigt werden, schließlich bringen die älteren Patientinnen und Patienten meist eine komplexe Krankheitsgeschichte mit. Geschäftsführer Thomas Karls zeigte bei einer Begehung am Beispiel der Alterschirurgie auf: Wenn ein älterer Patient stürzt, operiert zwar die Chirurgie, die Nachbehandlung erfolgt aber in der Geriatrie.

Früher mussten Patientinnen und Patienten dafür aus dem St. Josef in Wiesdorf nach Opladen gefahren werden, eine Strapaze für Körper und Psyche. „Jeder Ortswechsel kann Verwirrtheit hervorrufen“, sagt Geriatrie-Chefarzt Sascha Wihstutz. Ein weiteres Plus im neuen Haus: die Chirurgie kann die Heilung der eigenen OP-Wunden mit überwachen. „Wenn Sie einen Notfall haben, wollen Sie vor Ort reagieren“, sagt Wihstutz. „Der Geriater behandelt auch alles, aber natürlich braucht er die Expertise von anderen.“

Die Geriatrie leitet das Team aus Therapeut Stefan Paul (v.l.n.r.), Pflegedirektorin Julia Schwab und Chefarzt Sascha Wihstutz.

Die Geriatrie leitet das Team aus Therapeut Stefan Paul (v.l.n.r.), Pflegedirektorin Julia Schwab und Chefarzt Sascha Wihstutz.

Mit dem Krankenhaus ist auch die Belegschaft umgezogen. Wihstutz ist seit 2019 Chefarzt in Leverkusen, er arbeitet weiterhin eng mit Pflegedirektorin Julia Schwab und dem Teamleiter der Therapie Stefan Paul in der neuen Geriatrie zusammen. 

Umbau zur Geriatrie: größere Bäder, Behandlungsräume nahe der Zimmer

Der zweite Stock im St. Remigius wurde seit Herbst 2021 auf einer Fläche von 2835 Quadratmetern umgebaut. Die Kosten belaufen sich auf 5,3 Millionen Euro, von denen Land und Bund drei Millionen übernahmen. In den Zimmern sind die Bäder nun größer, sodass Rollstühle oder Rollatoren und Pflegekräfte die Menschen auch dorthin begleiten können.

Damit Hilfsmittel wie Rollatoren in den Zimmern genügend Platz finden, sind sie im Normalfall nur mit einem oder zwei Betten belegt. In der Regel sind 62 Patientinnen und Patienten auf der Station, es könnten aber bis zu 90 Betten untergebracht werden. Pro Jahr werden hier 1200 Menschen behandelt.

Zuvor befand sich auf dieser Etage die Gynäkologie mit Geburtsstation, die 2021 geschlossen wurde, und die Viszeralchirurgie, die innerhalb des Hauses umgezogen ist.

Geriatrische Patienten finden Ruhe im Aufenthaltsraum mit Park-Blick

Die neue Geriatrie hebt sich mit einer eigenen Medikamentenausgabe von anderen in Deutschland ab. Das entlastet Pflegekräfte, die sonst im Alltags-Stress Pillen sortieren müssen. In Opladen nimmt ihnen das Medikamentenmanagement eine pharmazeutisch-technische Angestellte ab.

Schwab schätzt den neuen Aufenthaltsraum mit Blick auf den Park. Eine Patientin sitzt in einem großen roten Sessel und genießt den Blick ins Grüne, am anderen Ende der großen Fensterfront radelt ein Patient unter der Anleitung seines Therapeuten mit den Füßen auf einem Bewegungstrainer, der an die Pedale eines Fahrrads erinnert. „Eine ruhige Umgebung ist wichtig für geriatrische Patienten“, sagt Schwab.

Geriatrische Patienten essen besser und essen mehr in Gesellschaft.
Stefan Paul, Teamleiter Therapie Geriatrie

Die Menschen, um die sie sich kümmert, sind mindestens zwei, manchmal drei Wochen im Krankenhaus. Im neuen Aufenthaltsraum befindet sich eine große Küche, die auch zu Therapiezwecken genutzt wird, und ein Flachbildschirm. An Weihnachten wurden hier Plätzchen gebacken, an Karneval die Züge gemeinsam geschaut, erzählt Stefan Paul, „geriatrische Patienten essen besser und essen mehr in Gesellschaft.“

Ein Mann sitzt in einem Aufenthaltsraum an einem Tisch und schaut zum Fenster hinaus.

Der Aufenthaltsraum mit Therapie-Küche und Blick in den Park ist bei Patienten beliebt.

Der Therapiebereich von Pauls Team ist nun auf demselben Stock wie die Patientenzimmer. Mehrere Räume für Ergo-, Physiotherapie und Logopädie befinden sich auf einem Flur direkt gegenüber von Arbeitszimmern für die Angestellten.

Und im Eingangsflur ist noch ein Überbleibsel zu finden, das an die Zeit der Abteilung im „Juppes“ erinnert: Die Holzfigur des Heiligen St. Josef ist mit der Geriatrie ins St. Remigius gezogen.

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