„Super entspannt“Fahrradclub ADFC lobt verbesserte Sicherheit für Radfahrer auf Venloer Straße

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Die Venloer Straße hat eine geänderte Verkehrsführung und ist jetzt Einbahnstraße.

Ein Teil der Venloer Straße ist seit Oktober Einbahnstraße.

Der ADFC reagiert auf neue Kritik der Handwerkskammer und hinterfragt die behaupteten Umsatzeinbußen der Händler, die klagen wollen.

Nachdem Händler auf der Venloer Straße vergangene Woche angekündigt haben, gegen den Verkehrsversuch in Ehrenfeld klagen zu wollen, gehen die Diskussionen um die Einbahnstraße nun weiter. Die Kölner Handwerkskammer beschwert sich, dass die Verkehrsführung nicht mit dem Handwerk abgestimmt worden sei. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hält dagegen und spricht von einer deutlich verbesserten Lage für den Radverkehr.

Handwerkskammer spricht von „dekorativer Beteiligung“

Seit dem 23. Oktober ist die Venloer Straße zwischen Ehrenfeldgürtel und der Piusstraße in Fahrtrichtung Innenstadt eine Einbahnstraße. Laut der Kölner Handwerkskammer (HWK) sind die meisten ihrer Mitgliedsunternehmen damit unzufrieden. Vielen Handwerkern zufolge würden die Verkehrsführung und die „damit verbundenen unverhältnismäßigen Fahrtzeiten“ dazu führen, dass „sogar die Übernahme von Aufträgen rund um die Venloer Straße“ abgelehnt werde, so die HWK. Wenn Aufträge angenommen werden, kämen auf die Kunden stark angestiegene Anfahrtskosten zu.

In diesem Bereich der Venloer Straße gilt die Einbahnstraße.

In diesem Bereich der Venloer Straße gilt die Einbahnstraße.

„Eine zielführende Einbindung des Handwerks kann und muss im Vorfeld von Beschlussumsetzungen zur Verkehrsführung erfolgen. Eine dekorative Beteiligung – um umgesetzte Beschlüsse im Nachhinein zu legitimieren, so wie hier geschehen – lehnen wir ab“, sagt Stephanie Bargfrede, die als Geschäftsführerin unter anderem die Handwerkspolitik der HWK betreut.

Stattdessen hätten die Bedarfe des Handwerks schon frühzeitig in die Verkehrsplanung mit einbezogen werden müssen. Die Stadt widerspricht auf Anfrage dieser Darstellung: Man sei nach den Erfahrungen aus vorherigen Verkehrsversuchen bereits 2022 „aktiv in den Austausch mit der IHK und HWK gegangen, um die Interessen der Gewerbetreibenden und Handwerkerbetriebe stärker in zukünftige Verkehrsversuche zu integrieren.“

Stadt kündigt Verbesserungen für Kölner Handwerker an

Gemeinsam habe man ein Partizipationssystem entwickelt. Ein Baustein davon ist eine Unternehmensumfrage, die seit Dezember läuft. Für Mitte Januar sei ein Austausch mit der IHK und HWK über die Umfrageergebnisse geplant. Die Stadt hat zusätzlich bereits konkretere Verbesserungsmaßnahmen für Handwerksbetriebe geplant:

„Im Rahmen eines Modellversuches ist vorgesehen, sogenannte Wirtschaftsparkplätze einzurichten. Diese Wirtschaftsparkplätze unterschieden sich von gängigen Ladezonen durch eine eigene Beschilderung und Markierung“, heißt es.

ADFC sieht deutliche Entspannung für Kölner Radfahrer

Kritik an der Kritik der HWK kommt vom ADFC. „Wir sprechen über die Veränderungen an der Venloer Straße in diversen Facharbeitsrunden bereits seit Jahren, auch mit der HWK“, sagt der Kölner ADFC-Vorsitzende Christoph Schmidt. „Wir sind gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Einbahnstraße die sinnvollste Lösung ist.“ Die Venloer Straße zählt laut einer Erhebung der Allianz-Versicherung zu den zehn gefährlichsten Straßen Deutschlands, sie ist die unfallreichste Straße in NRW. Auch die Kölner Polizei weist die Straße als Unfallschwerpunkt aus.

Die Venloer Straße ist jetzt in Fahrtrichtung Innenstadt Einbahnstraße.

Für Fahrradfahrer hat sich die Situation auf der Venloer Straße laut ADFC verbessert.

„Die IHK und auch die HWK hätten zu jedem Zeitpunkt ihre Kritik äußern können. Nun im Nachhinein damit zu kommen, ist sehr ärgerlich“, sagt Schmidt. „Für Radfahrerinnen und Radfahrer ist die Situation auf der Venloer Straße seit der Einbahnstraße sehr viel besser und super entspannt.“ Man müsse jetzt vor allem über Veränderungen in der Piusstraße sprechen, wo die Anwohnenden durch den ausweichenden Autoverkehr stark belastet sind.

Alle Geschäfte seien im Übrigen weiterhin mit dem Auto erreichbar, man müsse nur einen kleinen Umweg fahren. Dass die Ehrenfelder Händler durch den Verkehrsversuch Umsatzeinbußen zu beklagen hätten, hinterfragt Schmidt. „Die wirtschaftliche Lage ist gerade überall angespannt. Und wer bis jetzt auf der Venloer Straße eingekauft hat, ist meist sowieso schon mit dem Rad oder zu Fuß gekommen.“

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