Denkmal für die Schokoladenfabrik„Rädersaal“ soll wieder glänzen

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Das Ensemble aus Maschinenteilen am Ingo-Kümmel-Platz

Köln-Südstadt – Kunst ist das nicht. Aber auch kein Denkmal. Jedenfalls nicht offiziell. Der „Rädersaal“ am Ingo-Kümmel-Platz passt in kein Verwaltungsraster. Und verfällt zusehends. Aber das soll sich ändern. Die Installation aus Maschinenteilen mit den markanten Schwungrädern auf dem ehemaligen Gelände der Stollwerck-Schokoladenfabrik wird saniert.

Schock-Werner freut sich auf Sanierung

Darum kümmert sich der Regionalverband Köln des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V. (RVDL). Vorneweg dessen Ehrenvorsitzende Dr. Barbara Schock-Werner, ehemals Kölner Dombaumeisterin. „70000 Euro kostet die Sanierung. Zwei Drittel davon trägt die Imhoff-Stiftung, den Rest übernimmt die Stadt“, erklärte Schock-Werner. Manfred Kaune, Leiter des Grünflächenamtes, räumte ein, dass in seiner Behörde länger nicht bekannt war, dass die Pflege des „Rädersaals“ in seinem Zuständigkeitsbereich angesiedelt war. Irgendwann habe man wohl versäumt, das zu dokumentieren. „Aber jetzt haben wir ein Budget für die Sanierung“, sagte der Amtsleiter.

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Manfred Kaune (l.), Barbara Schock-Werner (2.v.l.), Bezirksbürgermeister Andreas Hupke (2.v.r.) und Mitglieder des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege im „Rädersaal“.

Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten beendet werden.Vorher gibt es allerdings viel zu tun. Der Betonsockel ist marode und muss an vielen Stellen erneuert werden. Das gilt auch für die Bodenfliesen. Das Geländer ist an einigen Stellen bereits abgebrochen und wird ersetzt. Zum Schluss kommt der Maler. „Das sah in Blau und Rot mal ganz schick aus. So soll das wieder werden“, freute sich Schock-Werner.

Denkmal für die Schokoladenfabrik 

Sie verwies darauf, dass der „Rädersaal“ doppelten Erinnerungswert für die Stadt habe. Zum einen sei er Denkmal für die Schokoladenfabrik, die das Viertel Jahrzehnte geprägt habe. Zum anderen sei er Symbol für die Bürgerbewegung, die 1980 mit einer 49 Tage dauernden Besetzung eines Fabrikbaus den Erhalt eines Teils der Stollwerck-Gebäude erreichte.

Einer der Besetzer damals: Andreas Hupke, heute Bezirksbürgermeister der Innenstadt. „Die Besetzung war der Urknall meiner Liebe zur Südstadt“, erinnerte er sich an die bewegten Zeiten. Hupke schlug vor, das gesamte Stollwerck-Viertel unter Denkmalschutz zu stellen. „Die Mietpreisbindung der öffentlich geförderten Wohnungen läuft aus. Wir sollten die weitere Entwicklung nicht dem Spiel der freien Kräfte überlassen.“

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Der Vorstand des Rheinischen Vereins will prüfen, ob er einen Antrag auf Unterschutzstellung stellt. Dr. Alexander Kierdorf, Architekturhistoriker und Industriearchäologe, räumte vor Ort gleich mal mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf. „Das Bürgerzentrum Stollwerck ist lange Zeit nicht Teil der Schokoladenfabrik gewesen. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war dort das Preußische Heeresproviantamt für das Rheinland untergebracht. Danach war dort bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Post untergebracht.“ Kierdorf erklärte, was es mit den Schwungrädern im „Rädersaal“ auf sich hat. „Sie wurden über Dampf angetrieben und waren dafür verantwortlich, dass Luft und Ammoniak komprimiert wurden. Die dabei entstehende Kälte wurde genutzt, um Schokolade zu kühlen.“

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