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Römisch-Germanisches MuseumKostenexplosion bei Sanierung des Kölner Aushängeschilds

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Das Römisch-Germanische-Museum auf dem Kölner Roncalliplatz 

Köln – Eine gewisse Routine dürfte sich mittlerweile bei der Stadt Köln bei der Vorbereitung von Presseterminen eingestellt haben, wenn es darum geht, die Probleme beim nächsten Kulturbau-Großprojekt zu präsentieren. Das wird an diesem Donnerstag (11. August) nicht anders sein, wenn Baudezernent Markus Greitemann und Kulturdezernent Stefan Charles Auskunft geben über den Sachstand bei der Sanierung des Römisch-Germanischen Museum (RGM) am Roncalliplatz.

Es braucht nicht allzu viel Fantasie, dass die beiden keine erfreulichen Nachrichten dabei haben werden: Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes wird teurer werden als die 41,7 Millionen Euro, die die Stadt 2015 als Kostenprognose abgegeben hatte.

Sie basiert nicht auf detaillierten Plänen. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ liegt die neue Summe bei rund 49 Millionen Euro mehr, das entspricht rund 91 Millionen Euro, ein Plus von rund 118 Prozent. Unter anderem wegen der höheren Auflagen des Denkmalschutzes, unter dem das Haus seit 2016 steht, steigt die Summe. Die Haustechnik ist ja auch völlig veraltet. 

Alles zum Thema Henriette Reker

Römisch-Germanisches Museum: Stadt Köln spricht von „nicht vorhersehbaren Risiken“

Schon in der Einladung zur Pressekonferenz spricht die Stadt von „nicht vorhersehbaren baulichen Risiken“, von „nicht kalkulierbaren kaufmännischen Risiken“, sie nennt Pandemie und Ukraine-Krieg.

Zwar sind Krieg und Corona sicher gute Gründe für die Probleme, doch es bleiben Fragen: Der Stadtrat hat den Sanierungsbedarf schon 2011 bestätigt, die erste Prognose von 41,7 Millionen Euro stammt von 2015, das Planungsbudget von 4,5 Millionen Euro ist von 2017, das Haus selbst schloss 2018, zog interimweise ins kleinere Belgische Haus. In diesen Jahren gab es keine Pandemie, keinen Krieg. „Die haben das Museum voll vor die Wand gefahren“, sagt ein Ratspolitiker. Mit die meint er die Stadtverwaltung. „Was haben die eigentlich seit 2017 gemacht?“

Ob das Museum später als im dritten Quartal 2026 nach knapp acht Jahren wieder in Betrieb geht, blieb am Mittwoch zunächst offen. Das Datum ist im aktuellen Monatsbericht zu dem Projekt genannt. „Da glaubt doch kein Mensch dran“, sagt ein Ratspolitiker. In der Vergangenheit war ja auch mal die Rede von 2021. Und: Die Stadt braucht wohl auch mehr Geld für eine tiefere Planung.

Kostenprognose ist sieben Jahre alt

Allein die sieben Jahre alte Kostenprognose ist ein Dokument, in welcher Gemächlichkeit diese Stadt ihre Bauprojekte umsetzt, sogar wenn es um ein Haus geht, das mehr als 20 Millionen Besucher angelockt hat, ein Haus, das am Dom steht, das regelmäßig die zweitmeisten Besucher hinter dem Museum Ludwig anlockt, zwischen rund 170.000 bis 195.000 jährlich.

Das RGM hütet laut eigener Aussage „das archäologische Erbe der Stadt und des Umlandes. Funde von der Urgeschichte bis ins frühe Mittelalter zeigen die Entwicklung und Bedeutung Kölns durch die Jahrhunderte.“

Kulturdezernentin wollte schnell sein

An hehren Worten zur Beruhigung der Politiker fehlte es in der Vergangenheit nicht, beispielsweise sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) im Juli 2017 im Stadtrat: „Jeder von uns möchte, dass das Museum so kurz wie möglich geschlossen bleibt. (…) Jeder möchte, dass das zeitlich so eng wie möglich und so berechenbar wie möglich erfolgt.“ Und die damalige Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach sagte im selben Jahr: „Wir werden versuchen, es zeitlich so sehr wie möglich zu straffen.“ Das hat nicht geklappt.

Von den neun üblichen Leistungsphasen sind aktuell laut Monatsbericht zwei abgeschlossen, erst nach der dritten folgt der Baubeschluss des Stadtrates.

„Historische Mitte“ als Teil des Problems

Zudem ist das RGM ja auch zumindest mittelbar mit der „Historischen Mitte“ verbunden. Der Name steht für ein großes Bauprojekt von Hoher Domkirche und Stadt, dabei werden das Kurienhaus und das Studienhaus des RGM am Roncalliplatz abgebrochen.

Dort sollen – Stand jetzt – bis zum Jahr 2029 ein neues Kölnisches Stadtmuseum und ein Bürogebäude für Kirche, RGM und Stadtmuseum entstehen. 183 Millionen Euro soll das kosten, 80 Prozent zahlt die Stadt, 20 Prozent die Kirche. 2023 entscheidet der Stadtrat, ob er den Bau genehmigt.

Es soll später einen Durchgang zum RGM geben, die Machbarkeit wird gerade untersucht. Und RGM, Stadtmuseum, MiQua und NS-Dokumentationszentrum sollen ein gemeinsames Konzept erhalten. Auch das sorgt für Verzögerung.

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