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Nashorn, Elefant, KranichDas sind die Rentner in den umliegenden Zoos

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Elefant Tefi.

Ein Klunkerkranich, eine Seychellen-Riesenschildkröte, ein Breitmaulnashorn und eine asiatische Elefantenkuh: Das sind die ältesten Tiere in den Tierparks von Köln, Duisburg, Dortmund und Münster. Wie leben sie? Wie geht es ihnen? Ein Überblick.

Emil, 49 Jahre, der Klunkerkranich im Kölner Zoo

Emil ist wählerisch. Mit drei Partnerinnen ist er schon verkuppelt worden, Kinder hat er trotzdem keine. „Das letzte Weibchen konnte nicht mit Emil. In einem anderen Gehege hat sie dann das Männchen vor sich hergetrieben“, sagt Bernd Marcordes, Vogelkurator des Kölner Zoos. „Die Tiere sind schon echte Charaktere: Wir haben das Weibchen dann an einen privaten Halter verkauft. Und zack: dort gab es dann die große Liebe.“

Emil blieb allein zurück. Mittlerweile ist er 49. Wegen der medizinischen Versorgung und der Abwesenheit von Fressfeinden können Klunkerkraniche in Zoos bis zu 70 Jahre alt werden, sagt Marcordes. Deutlich älter als in freier Wildbahn. Gefangen wurde Emil in Südwestafrika. Sein momentaner Alltag in Köln: Er stochert er viel im Boden herum und scheucht Hühner durch seinen Käfig. Vielleicht klappt es ja doch noch mit der Liebe. „Ich bin dran“, versichert Marcordes.

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Drei, 75 Jahre, Seychellen-Riesenschildkröte im Duisburger Zoo

Das Leben von Drei könnte anstrengender sein. Seine Hauptbeschäftigungen: herumliegen und fressen. Das bedeutet: extrem geringer Energieaufwand, extrem hohe Lebenserwartung. Wann Drei genau geboren ist, weiß keiner. „Wahrscheinlich im Jahr 1943“, sagt Biologe Volker Grün. Wenn das stimmen sollte, hat die Seychellen-Riesenschildkröte noch einige Jahre vor sich – diese Exemplare können weit über 100 Jahre alt werden.

Als das Männchen nach Duisburg kam, entdeckten die Pfleger drei winzige Einkerbungen im hinteren Bereich des Panzers. So kam er zu seinem Namen. Die Schildkröten-Art ist extrem bedroht. „Schiffsfahrer haben sie früher gerne mitgenommen. Sie nehmen wenig Platz weg, haben viel Fleisch und sind leicht zu fangen“, sagt Grün. Auch heute werde die Art noch gegessen: „In Fernost gelten die Tiere als Delikatesse.“

Natala, 49 Jahre, Breimaulnashorn im Dortmunder Zoo

Vielleicht braucht es erst ein Mindestalter, um gewissen Aufgaben gewachsen zu sein. Natala scheint mit ihren 49 Jahren gut geeignet für den Job des Konfliktschlichters. Grundvoraussetzung: Anerkennung. Bei Streitereien zwischen den jüngeren Weibchen und allzu heftigen Paarungsversuchen des jungen Bullen Amari greift Natala ein. Sie fängt dann an zu schnaufen – das beruhigt die anderen Tiere.

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49 Jahre – damit gehört die Nashorn-Kuh zu den ältesten Tieren dieser Art. Das  Durchschnittsalter für Weibchen liegt bei 40 Jahren. Körperlich geht es Natala altersentsprechend gut. Sie hat aber Zahnprobleme und sucht mehr als die anderen Tiere nach Ruhe. Auch das wohl ein Symptom des Alterns.

Tefi, 52 Jahre, Asiatische Elefantenkuh im Allwetterzoo Münster

In der Regel ist man in der Jugend ja eher offen für Neues. Man will sich ausprobieren. Dieser Drang nimmt bei den meisten Menschen im Alter ab. Bei Tefi ist das anders. Tefi ist eine asiatische Elefantenkuh. Mit 52 Jahren ist sie das älteste Tier im Allwetterzoo Münster. „Wenn wir früher etwas im Käfig verändert haben, stand sie erstmal skeptisch in der Tür und wollte nicht so recht rein. Heute ist sie da offener geworden“, sagt Dirk Wewers, Biologe im Münsteraner Zoo.

Mit Rada bildet Tefi ein Team. Dem Team gegenüber stehen drei andere Elefantenkühe, die Tefi – im Gegensatz zu ihrer Freundin Rada – nicht als ranghohes Tier akzeptieren. Aus dem Grund werden die Elefanten nachts getrennt, sagt Wewers. Tefi wurde in den 70er Jahren in Indien gefangen. Von ihrem Dasein als Zirkustier hat sie laut Wewers keine nachhaltigen Entwicklungsstörungen davongetragen. Kinder hat sie keine.

„Die Tiere müssen spätestens mit 20 ein Kind bekommen haben. Sonst ist der Geburtskanal zu eng.“ 52 Jahre ist ein hohes Alter für einen Elefanten. „Man kann sagen, wenn ein Elefant 60 Jahre alt wird, hat er ungefähr den Status eines 90-jährigen Menschen“, sagt Wewers.

Tierschützer kritisieren Zoo-Haltung

Der Tierschutzverband NRW lehnt Zoos nicht grundsätzlich ab. „Es kommt immer auf die Tierart und den Zoo selbst an“, sagt Vizepräsident Ralf Unna. Da sind andere, zum Beispiel die Tierrechtsorganisation Peta, radikaler. Sie wollen Tierparks ganz verbieten.

Dennoch gehören für Unna bestimmte Tiere nicht in einen Zoo: zum Beispiel Eisbären. Bei Elefanten käme es auf die Behandlung durch den Tierpfleger an. „Wenn die Pfleger selbst in die Käfige gehen, müssen sie den Tieren gegenüber dominant auftreten. Das ist leider oft mit Gewalt verbunden.“ Für Elefanten und auch für Nashörner könne es zudem niemals einen angemessen großen Käfig geben. „Das ist bei Großschildkröten und Klunkerkraniche natürlich anders“, so Unna.  Dass Tiere alt werden, heiße noch lange nicht, dass sie auch artgerecht gehalten werden.

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