WeltwassertagCurrenta will 97 Millionen Kubikmeter Grundwasser fördern

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Eine Welle kräuselt sich auf dem Rhein.

Das meiste der 97 Millionen Kubikmeter Grundwasser, das Currenta maximal fördern will, endet im Rhein.

Der Leverkusener Konzern strebt einen Vertrag für die Wasserförderung mit einer Laufzeit von 30 Jahren an.

Vor genau einem Jahr sorgte eine Bekanntmachung der Kölner Bezirksregierung für Wirbel nicht nur in Fachkreisen: Der Chempark-Betreiber Currenta hat eine Erlaubnis mit der Laufzeit von 30 Jahren zur Förderung von knapp 97 Millionen Kubikmeter Grundwasser jährlich in Köln-Flittard, Wiesdorf und Hitdorf beantragt.

Gemeinsam mit dem Dormagener Werk strebt Currenta an, eine 30-jährige Erlaubnis für die Förderung von bis zu 350 Millionen Kubikmeter Grundwasser zu erhalten. Zum Vergleich: Die EVL will künftig maximal 9,3 Millionen Kubikmeter jährlich fördern.

Der Stand der Dinge nach einem Jahr: Es ist noch nichts entschieden. Die Einspruchsfrist, innerhalb derer Betroffene einen schriftlichen Einwand gegen die Currenta-Erlaubnis einbringen konnten, endete am 24. Juni 2022. 31 Einwendungen gingen ein, unter anderem von der Grünen Bundestagsabgeordneten Nyke Slawik, die für die Erlaubnis im Licht der sich an vielen Orten abzeichnenden Wasserknappheit eine neue Bewertung der Fördermenge fordert. Um sich die Menge 97 Millionen Kubikmeter vorstellen zu können, muss man große Maßstäbe anlegen: Das ist die Menge, die der Rhein bei normalem Wasserstand in elf Stunden transportiert.

Mit abgepumpt wird auch der „Werkstrichter“, damit wird ein künstlicher sogenannter Grundwassertrichter bezeichnet, der unterm Chempark erzeugt wird. Das Wasser dort ist nicht sauber und indem man es in Brunnen rund ums Werk abpumpt, verhindert man damit das Abströmen dieses schmutzigen Wassers in den Grundwasserkörper.

Rund um den Chempark wird Grundwasser abgepumpt - ein Brunnen an der B8.

Rund um den Chempark wird Grundwasser abgepumpt.Dieser Brunnen an der B8 gehört zur Wasserwerksgruppe Ost, Wasserwerk 4. Dort wird Betriebswasser abgepumpt. Die unauffällige Reihe Brunnen befinden sich zwischen dem Werkszaun und dem Radweg nördlich von Tor 11.

Currenta hat angegeben, dass es das abgepumpte Grundwasser zumeist zum Kühlen braucht, es fließt also in den Rhein, nachdem es in den Anlagen im Chempark aufgewärmt wurde. Wasser wurde zuletzt mit Temperaturen zwischen 18,5 (Winter) und mehr als 26 Grad in den Rhein geleitet: Das ist nicht nur ökologisch belastend für den Rhein, die Energie geht auch verloren. Wasserexperten des BUND hatten angegeben, dass der Chempark die große Menge auch benötige, um mit Chemikalien belastete Abwässer so weit zu verdünnen, damit die Grenzwerte eingehalten werden können.

Nach Prüfung der Stellungnahmen und Widersprüche durch die Bezirksregierung leitete die Behörde die Schriftstücke an Currenta weiter. Der Chempark-Betreiber muss die vermutlich mehrheitlich kritischen Stellungnahmen bewerten und hat die Möglichkeit, Argumente zu nennen, die die Kritiker entkräften.

Currenta wird die Zeit eingeräumt

Dass das jetzt alles sehr lange dauert, erklärt eine Sprecherin der Bezirksregierung so: Die von Currenta neu beantragten Grundwassermengen würden in einem hydrogeologisch vielschichtigen Gebiet gewonnen, entsprechend komplex seien die von Currenta zu erstellenden Nachweise und Unterlagen für die Antragstellung gewesen.

Damit Currentas Gegenäußerungen gegen die Einsprüche fundiert und ausführlich geschrieben werden könnten, werde die Zeit „derzeit eingeräumt“, schreibt die Sprecherin.

Die alte Bewilligung, mit der Currenta bisher das Grundwasser förderte, lief am 31. Mai 2020 aus. Wasser darf seither dennoch gefördert werden.

Sollte Currenta die angestrebte 30-jährige Erlaubnis bekommen, würde die ab dem Zeitpunkt gelten, zu dem der Regierungspräsident seinen Stempel aufs Papier drückt, zuzüglich der Rechtsmittelfrist. Eine Rückdatierung einer Erlaubnis, zum Beispiel, weil die Diskussion oder Genehmigung sehr lange dauert, sei nicht möglich. Die Zeit spielt also für Currenta, aber die Sprecherin bemerkt, dass nicht nur die Wassermengen, sondern auch die Dauer der neuen Bewilligung erst noch festgelegt würden.


Bayer mit neuer Wasserstrategie

Bayer präsentiert auf der UN-Wasserkonferenz 2023 in New York seine neue Wasserstrategie und gibt das in einer Mitteilung bekannt. Die Konferenz läuft vom 22. bis 24. März. „Die Welt steht vor einer schweren Wasserkrise mit unmittelbaren Auswirkungen auf Ökosysteme, Ernährungssicherheit und die menschliche Gesundheit“, erklärt der Vorstandsvorsitzende von Bayer, Werner Baumann.

„Als führendes Unternehmen im Bereich Gesundheit und Ernährung sind wir besonders motiviert, die Wasserkrise anzugehen und hier einen wertvollen Beitrag zu leisten. Es ist unser erklärtes Ziel, eine führende Rolle zu übernehmen und auch andere Unternehmen zu Maßnahmen zum Schutz der weltweiten Wasserressourcen zu ermutigen.“ Um eine größtmögliche Wirkung zu erzielen, sollen die Maßnahmen die gesamte Wertschöpfungskette umfassen – von den internen Betriebsabläufen bei Bayer bis zu den Landwirten, die das Unternehmen beliefert, schreibt das Unternehmen. Bei Lieferanten und Geschäftspartnern will man einen Wasser-Verhaltenskodex aufstellen und an eigenen Standorten soll die Abwasserproblematik durch besonders strenge Grenzwerte optimiert werden.

„Das Thema Wasser wurde trotz seiner übergreifenden Bedeutung in der Klimadebatte bisher vernachlässigt“, sagt Cristina Alonso Alija, die bei Bayer verantwortlich für die Wasserstrategie ist. Das Thema Nachhaltigkeit in Bezug auf Wasser solle zu einem integralen Bestandteil von Bayers Geschäfts- und Investitionsentscheidungen werden. (rar)

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