Lauschige OaseBei diesem Kölner Italiener aß die Kanzlerin

Lesezeit 3 Minuten
lauschig claudi terrasse

Der Garten von Claudios Ristorante

  1. Bewirtete Hinterhöfe, Restauranttische inmitten einer Blütenpracht und idyllische Gärtchen zum Speisen und Verweilen gibt es in Köln mehr als man denkt
  2. In unser PLUS-Sommerserie stellen wir solche Lokale vor
  3. Heute Claudios Ristorante in Junkersdorf

Köln – Claudio Pezzuto muss man nicht nach Hobbys fragen. Oder nach Reiseerinnerungen. Der 67-Jährige lebt nun fast ein halbes Jahrhundert in Köln und war nie länger weg. Ab und an gönnt er sich drei, vier Tage zum Ausspannen, dann sehnt er sich wieder an den Ort, an dem er am liebsten ist: seine Küche. Das war immer schon so.

Als er 1974 gerade mal 20-jährig am Kölner Hauptbahnhof landete, angereist aus seinem Heimatort Lecce in Apulien, wusste der junge Italiener bereits, „dass es klappt“ mit seiner Gastronomie-Karriere. Heute gehört er zu den wenigen Köchen in dieser Stadt, die von sich behaupten können, die Bundeskanzlerin zu Gast gehabt zu haben.

lauschig claudio portrait

Claudio Pezzuto

„Na klar“, sagt Pezzuto mit einer Geste, als sei es eine Selbstverständlichkeit, die mächtigste Frau der Welt in den eigenen Räumen bewirten zu dürfen. Selbstverständlich war es natürlich nicht, aber naheliegend. Denn Angela Merkel kam in Begleitung ihres Vize, dem damaligen Außenminister Guido Westerwelle, dessen Lebenspartner wiederum nicht ganz unschuldig daran ist, dass Pezzuto seit 27 Jahren ein Restaurant in Junkersdorf betreibt. Michael Mronz ist nämlich damals als Geschäftspartner eingestiegen, „ein sehr professioneller Mann in jeder Beziehung“, wie der Italiener anerkennend feststellt.

Alles zum Thema Angela Merkel

Der Werdegang von Claudios Ristorante

Damals, 1994, sah das Lokal am Kirchweg allerdings noch ganz anders aus. Auf der heutigen Terrasse standen die Modelle eine Mercedes-Händlers, und im jetzigen Wintergarten befand sich das Büro. „Dann hat der Vater von Michael Mronz, der war nämlich Architekt, den Garten entworfen.“ Pezzuto deutet auf die wilde Kastanie in der Mitte seiner Terrasse. „Die war anfangs gerade mal 1,30 Meter hoch.“ Für jedes der damals kaum einen halben Meter hohen Heckenpflänzchen habe er eine Mark bezahlt. An die Gesamtrechnung von 47 D-Mark kann sich der Gastronom noch genau erinnern. „Und heute ist das hier eine der dichtesten und prächtigsten Hecken der Stadt.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Angefangen hat Pezzuto allerdings in einer ganz anderen Ecke Kölns: Im Eiscafé der Familie des ehemaligen Bob-Weltmeisters Nevio De Zordo an der Zülpicher Straße. Es war das Studentenviertel, das ihn zunächst gereizt habe, berichtet der Italiener. 14 Jahre dauerte seine Station dort, dann wechselte er ins „Le Chateau“ nach Braunsfeld, bevor er mit seinem späteren Kompagnon Mronz das eigene Lokal in Junkersdorf eröffnete.

Als Junge für andere Liebesbriefe in Schönschrift verfasst

Obwohl sich die Wahl des Standortes eher zufällig ergeben habe, war er nicht unerheblich für den Erfolg des Restaurants. Als RTL nach Köln kam, wurde Claudios Ristorante nämlich mehr oder weniger zur Kantine des Senders. Heute sind Claudios Gäste „zu 90 Prozent Stammkunden“. „Nicht mehr die jüngsten, aber egal!“

lauschig claudio Speisekarte

Jede Woche in Schönschrift neu die Speisenkarte

Sie alle wissen, dass der Padrone seine Speisekarte nicht nur wöchentlich ändert, sondern auch wöchentlich neu schreibt. Das machen andere Gastronomen freilich auch, aber wohl kaum so kunstfertig wie der Italiener, der sich dank seiner kalligrafischen Begabung bereits als Zehnjähriger das Taschengeld aufbesserte, indem er Liebesbriefe für andere zu Papier brachte – für 1500 Lire pro Stück.

Einige Gerichte dürfen nicht ausgetauscht werden

Auf der bis heute in Schönschrift gehaltenen Karte darf Pezzuto zwar immer wieder neue Speisen offerieren, aber zwei oder drei Gerichte müssen unbedingt bleiben. Der Feldsalat mit Rinderfiletspitzen und die Spaghetti mit Scampi (beides 18 Euro) seien den Gästen heilig, daran dürfe nicht gerüttelt werden, so der Gastronom. Zurzeit wird unter anderem Lammfilet mit Knoblauch-Rosmarinjus angeboten (29 Euro), Tagliata Toscana vom Rind (32 Euro), Jakobsmuscheln mit Orangensauce und Sommersalat (18 Euro) sowie Wilddoraden-Filets (29 Euro). Claudios Weinkarte ist ausschließlich italienisch, die offenen Weine (0,2l) beginnen bei acht Euro. 

Claudios Ristorante, Kirchweg 3, Köln-Junkersdorf. Telefon: 0221-483040 Öffnungszeiten: täglich von 12-15 Uhr und von 17.30 - 22.30 (Küche). Samstags erst ab 17 Uhr.   

Nachtmodus
KStA abonnieren