Titel 2019 verlorenUniversität Köln will Status als Exzellenzuniversität zurückgewinnen

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Rektor der Universität zu Köln, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee

Joybrato Mukherjee, Rektor der Universität zu Köln, beim Jahresempfang

Laut Rektor Mukherjee handele es sich um ein „hochkompetitives Verfahren“. Wichtig sei, dass die gesamte Hochschule den Antrag mittrage.

Er bringt einer Hochschule zusätzliches Geld, und er stärkt ihr Renommee: der Status als Exzellenzuniversität. 2019 verlor die Universität zu Köln diesen Titel, der alle sieben Jahre vergeben wird. Und sie setzt sie alles daran, ihn zurückzuerobern. Der Antrag ist im November 2025 einzureichen, darüber entschieden wird im ersten Halbjahr 2026. „Wir werden uns also möglicherweise in den kommenden zwei Jahren im Rhythmus der Exzellenzstrategie bewegen“, sagte Rektor Joybrato Mukherjee am Dienstag bei seinem Jahresempfang.

Entscheidend für den Erfolg in dem „hochkompetitiven Verfahren“ sei, dass die gesamte Hochschule, die mehr als 8200 Beschäftigte und über 42 000 Studierende zählt, den Antrag mittrage. Voraussetzung für die Bewerbung einer Uni ist, dass sie mindestens zwei sogenannte Exzellenzcluster erworben hat, mit denen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder finanziell gefördert werden. Aktuell gibt es in Köln vier solcher Cluster; zwei Projekte sollen hinzukommen.

Mukherjee: „In Köln heißt Exzellenz Verantwortung“

Auch ohne den Titel zeichne sich die hiesige Universität durch „Exzellenz“ aus, betonte Mukherjee. „In Köln heißt Exzellenz Verantwortung.“ Dies reiche von der Förderung der Gleichstellung über den Transfer von Wissen in die Gesellschaft bis zum Bemühen um Nachhaltigkeit. Mit Schlaglichtern zeigte der Rektor jüngste Leistungen auf. So hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Förderung der Sonderforschungsbereiche zur Zelltod- und zur arktischen Klimaforschung verlängert.

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Als Beispiele für die private Förderung nannte Mukherjee die Hans-Kelsen-Gastprofessur zur Geschichte und Theorie des internationalen Rechts und das Colleg Konrad Adenauer, beide mit Mitteln der Alfred Landecker Stiftung eingerichtet. Überdies erwähnte er den Neubau der Ökologischen Forschungsstation Rees-Bienen, einer Außenstelle der Universität, und den Auftakt des „Wallraf-Jahrs“ zum Gedenken an den Sammler und Gelehrten Ferdinand Franz Wallraf. Die Universität sei „erfolgreich unterwegs, trotz mitunter widriger Rahmenbedingungen“ wie Fachkräftemangel und „Sanierungsstau“.

OB Reker sieht Wissenschaft als wichtige Quelle für Politik

Zu „Exzellenz“ rechnete der Rektor auch die Pflege internationaler Verbindungen. Die wissenschaftliche Kooperation über Grenzen hinweg sei „eher wichtiger“ geworden in Zeiten „zunehmender geopolitischer Turbulenzen“. Klar sei, dass die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern fortgesetzt werde, auch wenn dabei sehr vier stärker Fragen der Daten- und Forschungssicherheit zu klären seien. Die Kooperation mit ukrainischen Partnern solle intensiviert werden, um ihnen „auch über den Weg der Wissenschaft den Weg nach Europa zu bahnen“. Die Beziehungen zu israelischen Partnern würden gepflegt und ausgebaut, „ohne Kritik an der aktuellen israelischen Regierung zu unterbinden“.

„Für eine fortschrittliche Politik sind die Wissenschaften meines Erachtens eine der wichtigsten Quellen“, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Wir brauchen mehr Sachverstand, vielleicht mehr denn je.“ Die Demokratie sei akut in Gefahr, unter Druck gesetzt von rechtspopulistischen Kräften. Der Staat müsse „Bildung als wichtigste Ressource“ begreifen, „weil er nur existieren kann, wenn er von aufgeklärten Demokraten und Demokratinnen getragen wird“.

Das Prinzip der wohlwollenden Interpretation

Vorbedingung für eine Demokratie sei, „dass wir Wähler und Wählerinnen ausreichend informiert sind und Argumente abgewogen haben, bevor wir uns eine Meinung bilden“. In ihrem Festvortrag ging Sybille Anderl, Co-Leiterin des „Wissen“-Ressorts der „Zeit“, auf die Rolle der Wissenschaft in gesellschaftlichen Debatten ein. Mit Blick besonders auf die Corona-Pandemie mahnte sie an, der Öffentlichkeit müsse besser vermittelt werden, mit welchen Methoden Wissenschaftler zu ihren Ergebnissen gelangen und warum diese trotz des Einflusses subjektiver Faktoren „belastbar“ und „objektiv“ sein können.

Was aber, wenn zunehmend die Fähigkeit verloren geht, „rational, mit der nötigen Offenheit miteinander Diskussionen zu führen“? Hier empfahl Anderl das „Principle of Charity“, das Prinzip der wohlwollenden Interpretation; es fordert, dass man einer Idee, die der eigenen Position widerspricht oder unverständlich erscheint, eine Chnace gibt.

Ehemaliger Rektor Freimuth wurde Ehrensenatorwürde verliehen

Für seine Verdienste um die Kölner Universität wurde Axel Freimuth, der 18 Jahre lang ihr Rektor war, die Ehrensenatorwürde verliehen. Außerdem wurden die Universitätspreise 2023 vergeben. Preisträger in der Kategorie Forschung ist Prof. Andreas Speer, Direktor des Thomas-Instituts. In der Kategorie Lehren und Lernen wurde Prof. Markus Ogorek ausgezeichnet, der das Institut für Öffentliches Recht und Verwaltungslehre leitet.

Das Team von Docfile, einem Online-Tool zur Verwaltung von Promotionsvorhaben, hat den Preis in der Kategorie Verwaltung und Wissenschaftsmanagement bekommen. Zwei Preise wurden in der Kategorie Nachhaltigkeit vergeben: an Judith Schmidtlein, studentische Mitarbeiterin im Nachhaltigkeitsbüro, für die Green Office-Initiative, sowie an das Team des Instituts für Allgemeinmedizin für die Forschung zum Thema „Planetary Health“. Das Schmittmann-Wahlen-Stipendium für Nachwuchswissenschaftler ging an Hannah Gohlke.

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