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Interview mit Yvonne Gebauer NRW-Ministerin will Wechselunterricht an allen Schulen

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NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP)

  • NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer will ab Mitte März zum Wechselunterricht an allen Schulen zurückkehren, unabhängig davon, ob der Inzidenzwert noch über 50 liegt.
  • Im ausführlichen Interview spricht sie zur Lage an den Schulen in der Corona-Krise, Impfungen für Lehrkräfte an allen Schulen, Schnelltests für Schülerinnen und Schüler sowie Probleme bei der Digitalisierung von Schulen.

Köln – Frau Gebauer, wenn wir davon ausgehen, dass in den kommenden Wochen die Inzidenz nicht unter den Wert von 50 absinkt – was ist Ihr Ziel? Wie kommt man vielleicht dennoch zu weiteren Schulöffnungen?

Yvonne Gebauer: Selbstverständlich müssen wir möglichst schnell zu weiteren Schulöffnungen kommen. An kleinen Schulen wie den Grundschulen funktioniert das jetzige Wechselmodell gut. Die Situation an den einzelnen Schulen ist allerdings sehr unterschiedlich. Während an einzelnen Schulen sehr viele Schüler, im Extremfall bis zu 88 Prozent, in die Notbetreuung kommen, sind es bei anderen viel weniger. Das schafft unterschiedliche Voraussetzungen. Deswegen möchten die Schulen auch gerne einen individuellen Spielraum. Klar ist, ein Wechselmodell kann nur eine Übergangslösung sein. So können wir nicht auf Dauer Unterricht organisieren.

Wie sieht der Plan für die weiterführenden Schulen aus?

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 Auch diese Schülerinnen und Schüler müssen wir so schnell wie möglich zumindest anteilig wieder in den Präsenzunterricht zurückholen. Dieses Ziel werden wir derzeit ebenfalls nur im Rahmen eines Wechselmodells erreichen, was aufgrund der Komplexität an den weiterführenden Schulen meines Erachtens nach vor allem im wöchentlichen Wechsel funktionieren kann. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir nicht regulär mit dem Präsenzunterricht beginnen. Das lässt die Infektionslage derzeit nicht zu. 

Sie wollen also von Mitte März an ein Wechselmodell in Kraft setzen, auch wenn die Inzidenz über 50 bleibt?

Das ist in meinen Augen der sinnvollste Weg – sonst verlieren wir die Kinder. Bei höherer Inzidenz brauchen wir mehr Anteile von Wechselunterricht, bei niedrigeren mehr Präsenzanteile. Mittlerweile bekomme ich Hilferufe mit dem Tenor: Unsere Kinder machen nicht mehr mit. Sie sträuben sich, sie verschlafen morgens absichtlich, sie verschweigen, was sie an Aufgaben zu bewältigen haben . Unter der Pandemie verschärft sich die Situation zusehends in allen Familien. Wenn wir es nun durch regelmäßige Testungen zulassen, dass wieder mehr Kinder mit mehr Präsenzunterricht in die Schulen können, kehrt ein wenig Normalität in die Gesellschaft insgesamt zurück und die Familien werden entlastet. 

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Wie ist der Stand beim Einsatz von Schnelltests?

Wir testen seit Beginn dieses Schuljahres, anlasslos und kostenfrei die Lehrkräfte mittlerweile zwei Mal die Woche. Gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium arbeiten wir daran, wie sich Tests auch auf die Schülerinnen und Schüler ausweiten lassen. Das bringt ein Mehr an Sicherheit in den Schulen, neben den strengen Hygienemaßnahmen.

Ist es denn vorstellbar, in einer so hohen Frequenz zu testen, dass dies einen Beitrag zur Rückkehr in den Präsenzunterricht darstellen könnte?

Die Schnelltests sind eine Möglichkeit, die unabhängig vom Inzidenzwert die Chance bieten, wieder schneller und sicherer in den Präsenzunterricht zurückzukehren. Die Inzidenzzahl 50, die wir für die Schulen nennen, ist eine Richtschnur, sie darf aber nicht als ausschließliches Kriterium gelten.

Aus Ihrer Sicht muss es doch als überaus sinnvoll erscheinen, dass nicht-verimpfter Astrazeneca-Impfstoff Lehrerinnen und Lehrern zugutekommt.

Ich habe mich früh dafür ausgesprochen, dass, wenn es eine Veränderung der Impfreihenfolge gibt, man dann Lehrerinnen und Lehrer berücksichtigt. Das trifft nun für die Lehrkräfte und das übrige Personal an den Grundschulen und Förderschulen zu. Diese Entscheidung ist gut und richtig, gleichwohl ist mein Anspruch als Schul- und Bildungsministerin, dass allen Lehrkräften frühzeitig ein Impfstoff zur Verfügung steht. In meiner Funktion als Dienstherrin von knapp 200.000 Lehrerinnen und Lehrer hätte ich mir gewünscht, dass nicht allein die Lehrkräfte an den Grund- und Förderschulen berücksichtigt werden – würden alle anderen ebenfalls frühzeitig geimpft, könnten wir sehr viel rascher in einen gesicherten Präsenzbetrieb zurückkehren. Ich halte es ebenfalls für sinnvoll, Impfstoff, der wie der von Astrazeneca nicht in Anspruch genommen wurde, den Lehrkräfte anbietet.

Ist der Föderalismus auch in dieser Hinsicht ein gutes Prinzip, oder wäre eine bundeseinheitliche Vorgehensweise nicht sinnvoller?

Wir haben in der Kultusministerkonferenz in den vergangenen Wochen und Monaten sehr eng zusammengearbeitet und uns darauf konzentriert, einen gemeinsamen Weg zu gehen, was sich in den jeweiligen Beschlüssen wiedergefunden hat, die wir den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten im Vorfeld ihrer Beratungen mit der Kanzlerin vorgelegt haben. Aber ich halte es auch für richtig, dass im Rahmen des Föderalismus die Länder im Hinblick auf die konkreten Verhältnisse vor Ort ihre eigenen Entscheidungen treffen. Das sagt aber nichts über eine grundlegende Reform des Bildungsföderalismus. Die Krise ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür, aber wir brauchen mehr gemeinsame Bildungsstandards und mehr Vergleichbarkeit zwischen den Ländern, wie es die FDP seit langem fordert. 

Auf Nordrhein-Westfalen bezogen haben Sie in der vergangenen Woche entschieden, keine Blauen Briefe zu verschicken, dennoch bedeutet dies nicht die automatische Versetzung – das lässt Raum für Interpretationen, um nicht zu sagen für Missverständnisse.

Generell gilt, dass es in diesem Jahr Nicht-Versetzungen gibt. Durch die unterbleibende Versendung der Blauen Briefe erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich eine zusätzliche Minderleistung mehr als bislang erlauben zu können, die nicht auf die Versetzung angerechnet wird. Das ist in jeder Schulform etwas anders, aber generell: Hat man beispielsweise nicht ausreichende Noten, würde bei einer zusätzlichen versetzungsgefährdenden Minderleistung, die nicht bereits auf dem Halbjahreszeugnis steht, eine Mahnung erfolgen, die nun aber ausbleibt – das hat zur Konsequenz, dass man auch mit einer zusätzlichen Minderleistung auf dem Zeugnis versetzt werden kann. Dies gilt allerdings nicht bei der Vergabe von Abschlüssen und Berechtigungen. Das ist eine große Erleichterung für die Schülerinnen und Schüler angesichts der besonderen Situation durch Corona. Aber generell gilt, dass darüber hinaus Minderleistungen trotzdem zur Nicht-Versetzung führen. 

Warum schließen Sie das Sitzenbleiben in der Krise nicht aus, etwa im Hinblick auf den Unterrichtsausfall?

Das wäre ein falsches Signal. Ich kann auch nicht sagen, dass wir generell und flächendeckend tatsächlich auf so viel Unterricht verzichtet haben. Wir haben gleich zu Beginn des Schuljahres eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht, die den Distanz- dem Präsenzunterricht gleichsetzt; zudem waren die Schulen bis zu den Weihnachtsferien im vollständigen Präsenzbetrieb – die Zwischenzeit haben wir genutzt, um die Schulen für den gelingenden Distanzunterricht auszustatten und die Lehrkräfte fortzubilden. 

Trotzdem sagen viele Eltern, dass Distanzunterricht kein Äquivalent zur Präsenz darstellt. Sie hingegen stehen auf diesem Standpunkt?

Nein, Distanzunterricht kann den Präsenzunterricht nicht ersetzen. Man darf auch nicht behaupten, dass das Schuljahr 2020/21 etwa mit dem Schuljahr 2015/16 zu vergleichen wäre. Die Pandemie hinterlässt Spuren bei allen Beteiligten – ich will aber sagen, dass wir seitens des Landes zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht haben, die sowohl die Lehrerinnen und Lehrer als auch die Schülerinnen und Schüler unterstützt haben, zum Beispiel durch das Ausstattungsprogramm für mobile Endgeräte. Beim Abitur haben wir die Frist für die Vorbereitung um neun Tage verlängert, außerdem gibt es für die diesjährigen Abschlussjahrgänge einen vergrößerten Aufgabenpool. Wir haben ein Ferienförderprogramm aufgelegt mit 36 Millionen Euro, um Schülerinnen und Schüler nicht nur in den Ferien, sondern auch an Nachmittagen und am Wochenende gezielt zu unterstützen. Aber es ist und bleibt kein normales Schuljahr. 

Dennoch halten Sie daran fest, dass die Abschlüsse mit denen aus normalen Jahren vergleichbar sein sollen und dass dem Abiturzeugnis 2021 kein unsichtbarer Corona-Stempel aufgedrückt sein soll. Wie realistisch ist diese Vorstellung?

Ich sage ganz deutlich, dass wir einen solchen Stempel alle gemeinsam verhindern müssen. Gerade die Schülerinnen und Schüler, die in diesem besonderen Jahr ihren Abschluss absolvieren, erbringen eine besondere Leistung und haben unser aller Wertschätzung verdient. Da gibt es eher ein Zeugnis mit Sternchen als mit einem Corona-Stempel. Würden wir diesen Anspruch aufheben, hätten die Absolventen dieses Schuljahres für immer einen Makel in ihrem Lebenslauf. Das will ich verhindern. 

Kölner Abiturienten zum Beispiel treibt aber genau diese Sorge um: Sie haben in einem Brief, der an Sie adressiert ist, geschrieben, dass sie sich von der Politik im Stich gelassen fühlen. Zudem erklären Sie, dass viele Schülerinnen und Schüler unter psychischen Problemen leiden.

Ich weiß um die Sorgen und Nöte der Schülerinnen und Schüler und die Landesregierung setzt alles daran, sie auf ihren unterschiedlichen Wegen zu einem Abschluss zu unterstützen. Im vergangenen Jahr gab es viele Abiturientinnen und Abiturienten, die die Forderung nach einem Durchschnittsabitur erhoben haben. Es gab aber auch die gleiche Anzahl von Schülerinnen und Schülern, die einen ordentlichen Abschluss wollten, auf den sie so lange hingearbeitet hatten. Zwei Seiten, die ich nachvollziehen konnte und doch darf ich sagen, dass diejenigen, die zuerst nach einem Durchschnittsabitur gerufen haben, im Nachhinein froh und dankbar waren, dass wir hartnäckig geblieben sind und auf dem üblichem Weg mit entsprechenden Unterstützungsmaßnahmen beharrt haben. Würde NRW als einziges Bundesland auf Abiturprüfungen verzichten, entstünden den Schülerinnen und Schülern große Nachteile. Durchschnittsabiturienten hätten Schwierigkeiten Studien- und Ausbildungsplätze zu bekommen. Das kann keiner wollen. 

Sie werden die Anforderungen an das Abitur also nicht abmildern?

Ich denke schon, dass wir mit den bereits beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen zu verstehen gegeben haben, dass es sich um einen besonderen Abiturjahrgang handelt. Die neun zusätzlichen Tage sollen ausschließlich der Vorbereitung auf den Abschluss vorbehalten sein – auch das dient der Unterstützung, so wie die Tatsache, dass  es mehr Auswahlmöglichkeiten gibt. 

Beim Thema Digitalisierung setzt die Landesregierung auf die Plattform Logineo – die verfügt aber erst seit Kurzem über die Möglichkeit der Videokonferenz. Nach technologischer Avantgarde klingt das nicht.

Qualität braucht Zeit. Rot-Grün hat mir ein Logineo-Projekt hinterlassen, das kurz vor dem Scheitern stand. Wir haben sehr viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt und es hat sich ausgezahlt.  Seit Beginn dieses Jahres gibt es nun auch das Video-Konferenztool und die Zahl der Schulen, die damit arbeiten, wächst beständig. Auch weil es sich um ein verlässliches und kostenloses Angebot seitens des Landes handelt.

Worüber stolpern Lehrkräfte beim digitalen Unterricht? Der Leverkusener Lehrer Dirk Trapphagen berichtet im Podcast „Schul-Check“ – Zukunft der digitalen Schule“ aus dem Schulalltag:

Können Sie die Schulen zwingen, mit Logineo zu arbeiten? Viele sind zufrieden mit älteren Plattformen und sehen gar keinen Grund zu wechseln. Ihr Ziel ist aber doch die möglichst flächendeckende Nutzung von Logineo?

Wir werden die Schulen nicht zwingen – LOGINEO ist ein auf Freiwilligkeit beruhendes Angebot. Aber da es auch ein kostenloses und gleichzeitig qualitativ gutes Angebot ist, gehe ich fest davon aus, dass noch viel mehr Schulen als die jetzt 2.000-LOGINEO-Schulen sich entscheiden, umzusteigen, wenn es bei ihnen um die Vertragsverlängerung von kostenpflichtigen Angeboten geht. 

Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat den Schul-Check initiiert, in dessen Rahmen Lehrerinnen und Lehrer auch ihre Ausbildung in digitalem Unterricht bewerten konnten. Es gab die Note Ungenügend. Welche Aufmerksamkeit widmet das Land dem Thema Aus- und Fortbildung?

Das Thema Aus- und Fortbildung steht bei mir weit oben auf der Agenda, man muss dazu aber auch die Verhältnisse kennen: Wir haben rund 200.000 Lehrkräfte in NRW, von denen ein Drittel über 50 Jahre und älter ist. Personen, die nicht mit der Digitalisierung aufgewachsen sind. Wir haben erst seit dem Jahr 2016 in der Ausbildungsordnung Vorgaben implementiert, die ein verpflichtendes Modul zur Digitalisierung vorsehen. Wir müssen im Blick behalten, von wo wir kommen – 2017 waren gerade mal 13 Prozent aller Schulen an ein leistungsfähiges Netz angeschlossen, Ende 2020 lagen wir bei über 60 Prozent, und Ende 2022 sollen alle Schulen an ein solches Netz angeschlossen sein. Wir haben allen Schulen je 1000 Euro Fortbildungsbudget zur Verfügung gestellt, ebenso wie einen pädagogischen Tag zur Fortbildung im Bereich der Digitalisierung. Zusätzlich nehmen wir insgesamt 18 Millionen Euro für die digitale Fortbildungsoffensive in die Hand, und gerade jetzt in der Situation des Wechsels von Digital- und Präsenzunterricht gibt es laufend Fortbildungen.

Was läuft falsch bei der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern? Die langjährige Leiterin des Zentrums für LehrerInnenbildung an der Uni Köln, Myrle Dziak-Mahler, gibt im Podcast eine klare Richtung vor:

Sehen Sie die Gefahr, dass das Interesse an digitaler Fortbildung schlagartig abnimmt, sobald die Krise vorüber ist?

Ich sehe eher, dass alle erkannt haben, dass wir uns im Zeitalter des digitalen Lehrens und Lernens befinden und was dafür benötigt wird. Wenn man der Pandemie etwas Gutes abgewinnen möchte, dann ist es sicherlich der enorme Sprung, den wir bei der Digitalisierung gemacht haben – was die Ausstattung anbelangt, aber auch Unterrichtspraxis und Fortbildung. Das werden wir nicht mehr verlieren. 

Muss nicht als die Didaktik des Digitalunterrichts speziell gefördert werden?

Genau, das tun wir. In diesem Rahmen haben wir seitens des Ministeriums zahlreiche Online-Seminare angeboten und bieten diese auch weiter an. Ein Ergebnis daraus ist unsere Handreichung für den digitalen Unterricht und dessen Verknüpfung mit dem Präsenzunterricht. Digitales Lehren und Lernen ist sehr viel mehr als die Ausstattung. Ein digitales Endgerät gibt noch keinen guten Unterricht. 

Im Rahmen der Digitalisierung haben Sie nun eine Drei-Jahres-Lizenz für ein digitales Brockhaus-Lexikon gekauft – das hat zu Irritationen geführt.

Auf die Lizenzen entfallen 1,6 Millionen Euro, für eine weitere Million schaffen wir andere digitale Lernmittel an. Wenn man das durchrechnet, sind es 19 Cent pro Schülerin und Schüler im Jahr, die wir für den Brockhaus ausgeben. Das halte ich für eine sinnvolle und lohnende Investition. Die Diskussion bezog sich meines Erachtens eher auf den alten Brockhaus, so wie wir ihn kennen, der als antiquiert empfunden wird. Ich rate jedem, das Online-Angebot anzuschauen, dass mit den klassischen, in Leder eingebundenen Brockhaus-Bänden nur noch wenig zu tun hat. 

Die Kritik bezieht sich aber doch vor allem darauf, dass die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler eher bei Wikipedia liegt, und dass es sinnvoller sein könnte, im Zusammenhang damit Recherche zu lernen und Glaubwürdigkeit von Quellen zu überprüfen. Der Brockhaus ist demgegenüber ein Luxusartikel.

Man kann ja das eine nutzen, ohne das andere zu lassen. Aber ich würde schon einen Unterschied machen zwischen Brockhaus und Wikipedia. Das ist ja gerade einer der Vorteile: Die Lehrkräfte können mit Brockhaus den Schülern erklären, wo der Unterschied liegt zwischen einem freien von Nutzern geschriebenen Nachschlagewerk wie Wikipedia und einer Enzyklopädie. Das gehört zu den Medienkompetenzen, die wir vermitteln wollen.

Wo sehen Sie die Schulen in einem Jahr, und was wird dann anders sein, als in der Krise und auch noch vor der Krise?

Ich glaube schon, dass die Krise etwas Positives für die Schulen mit sich gebracht hat, einfach weil man gerade jetzt feststellt, wie wichtig der Präsenzunterricht ist, wie wohl sich Schülerinnen und Schüler im Klassenraum fühlen, wie wichtig das Zusammensein ist. Eine Selbstverständlichkeit, die verloren gegangen ist im Lockdown, und deren Wert man deswegen umso klarer erkennt. Wie sich der Schulalltag in einem Jahr gestaltet, vermag ich nicht zu beurteilen, aber ich hoffe inständig, dass wir allen Schülerinnen und Schülern wieder vollständigen Präsenzunterricht anbieten können und die Sorgen für alle weniger sein werden.

Werden digitaler Unterricht und Homeschooling fester Bestandteil der Lernlandschaft sein?

Digitaler Unterricht bleibt bestehen, Homeschooling kann Schule nur ergänzen. Ich setze weiter auf Präsenzunterricht, weil dieser die beste Form sowohl des Lernens wie des Lehrens ist. Was wir aber positiv verzeichnen können, ist, dass wir die gesammelten Erfahrungen des Distanzunterrichts zum Beispiel bei Kindern einsetzen können, die über längere Zeit krank sind. Ich bin aber auch deswegen so entschieden für Präsenzunterricht, weil wir gerade sehen, was Homeschooling als Doppel-, wenn nicht gar Mehrfachbelastung für die Familien bedeutet. Überdies haben wir gesehen, dass Schule nicht allein ein Ort der bloßen Wissensvermittlung ist, sondern der Begegnung, des sozialen Miteinanders.

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Schulen waren auch schon vor der Krise bereits in der Krise – viele Gebäude sind marode, es gibt den Lehrermangel, Schüler werden in Containern unterrichtet. Rennt man bei Ihnen offene Türen ein, wenn man einen Masterplan Schule fordert, der nach Corona in Angriff genommen werden muss?

Man erkennt gerade sehr deutlich, welche Schulträger ihre Hausaufgaben in Gänze gemacht haben und welche nicht. Wir haben viele Kommunen, die ihre Schulen in Schuss halten, die Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler mit digitalen Endgeräten ausgestattet haben, aber es gibt eben auch Schulträger, denen das in der Vergangenheit nicht so gut gelungen ist. Unsere Aufgabe der kommenden Monate wird die Beantwortung der Frage sein: Liegt das allein am Schulträger und an dessen Prioritäten, oder muss man genauer hinschauen, inwieweit das Land noch besser unterstützen kann oder muss? Aber es hängt viel davon ab, an welcher Stelle Schulträger Schule und Bildung auf ihre Prioritätenliste setzen: Reagiert man erst, wenn das Turnhallendach schon eingestürzt ist oder sorge ich fortlaufend für eine lernwürdige Umgebung. Und ja, die Corona-Krise hat vieles wie unter einem Brennglas ans Licht gebracht, und auch deshalb sind wir in einem permanenten Austausch mit den kommunalen Spitzen, mit den Schulträgern des Landes, um gemeinsam beste Bildung zu gewährleisten.