Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner über die Ergebnisse der neuen Umfrage Köln-Radar zwei Wochen vor der Kommunalwahl in Köln.
Köln-Radar„Es gibt in Köln extreme Unzufriedenheit mit Stadtspitze und Verwaltung“

Die Kölner OB Henriette Reker
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Herr Professor Güllner, welche Besonderheiten stellen Sie als Meinungsforscher mit Blick auf Köln kurz vor der Kommunalwahl fest?
Es gibt in Köln eine extreme Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit der Stadtspitze und der Verwaltung. Das hat insbesondere der „Köln-Check“ im Juni ganz klar ergeben.
Wenn ich zum Vergleich eine Millionenstadt wie Hamburg denke, dann ergibt sich ein völlig anderes Bild. Dort sind die Menschen insgesamt sehr einverstanden mit der Situation in ihrer Stadt.
Sie haben für den „Köln-Radar“ zwei Wochen vor der Neuwahl des Stadtrats und des oder der OB nicht mehr nach der Absicht gefragt, sich überhaupt daran zu beteiligen. Warum nicht?
Weil man darauf in Deutschland keine ehrlichen Antworten bekommt. Die Menschen bekunden, dass sie hingehen wollen, tun es aber in großer Zahl dann doch nicht. Dafür haben wir eigene Modellrechnungen entwickelt, nach denen auch jetzt wieder mit einem hohen Anteil an Nichtwählern zu rechnen ist. Meine Hypothese: In Köln hat auch das mit dem verbreiteten Verdruss zu tun.
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In Ihrer aktuellen Erhebung hat sich die SPD im Parteien-Ranking auf den zweiten Platz geschoben. Insbesondere aus dem Unionslager hieß es nach früheren Umfragen gelegentlich: „Kein Wunder, bei Forsa kommen die Sozialdemokraten immer gut weg.“ Muss man bei Ihnen mit einem SPD-Bias rechnen?
Das ist wirklich ein Witz. Die SPD beschimpft uns regelmäßig, dass wir ihre Werte zu niedrig ansetzten. Die sieben Institute, die im August die „Sonntagsfrage“ für eine Bundestagswahl gestellt haben, haben für die SPD ein Ergebnis zwischen 13 und 16 Prozent ermittelt. Den niedrigsten Wert hatten Infratest dimap und – Forsa. Wie man da auf die Idee kommen kann, wir würden urplötzlich in Köln das SPD-Ergebnis überschätzen, ist mir schleierhaft.
Die 3 führenden OB-Kandidaten liegen um nur jeweils 2 Punkte voneinander entfernt bei Werten zwischen 11 und 15 Prozent. Kann man daraus bei einer Fehlertoleranz von bis zu 2,5 Prozentpunkte überhaupt etwas Belastbares ableiten?
Sicher nicht im Sinne eines Zielfotos. Wir haben insbesondere die große Unbekannte: Wer geht am 14. September zur Wahl? Insofern ist das Rennen völlig offen – und auch die Frage, wer von den drei Kandidaten auf welchem Platz landet. Aber auffällig sind die Veränderungen im Vergleich zum „Köln-Check“ im Juni dann doch: Bewegung gibt es nur bei Torsten Burmester (SPD) und Berivan Aymaz (Grüne). Insofern ist die Ausgangslage für Markus Greitemann (CDU) nicht einfacher geworden.
Die Fragen stellte Joachim Frank.