„Caring Community Köln“An Kölner Universitätsklinik startet neues Palliativnetzwerk

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Auf dem Gelände der Uniklinik startet das Projekt.

Köln – 1983 entstand an der Universitätsklinik Köln die erste Palliativstation in Deutschland. In einem Jahrzehnt, in dem die Hospizbewegung, die sich dafür einsetzt, die Situation Sterbender und ihrer Angehörigen zu verbessern und Sterben und Tod ins Leben zu integrieren, hierzulande dynamisch wuchs. 2009 gründete sich das Palliativ- und Hospiznetzwerk Köln, das sich zur Aufgabe macht, schwerstkranken Menschen am Lebensende eine würdevolle Versorgung im eigenen sozialen Umfeld und auch in stationären Einrichtungen zu ermöglichen. Und 2013 unterzeichnete die Stadt die Charta zur Betreuung schwerstkranker und strebender Menschen in Deutschland.

Köln ist in dieser Hinsicht also bereits gut aufgestellt – doch es will besser werden. Dazu dient das Projekt „Caring Community Köln“. Sein Ziel ist, soziale Netzwerke und weitere Angebote zu entwickeln, die gewährleisten, dass Menschen in ihrer letzten Lebensphase – und auch in anderen Lebenssituationen, in denen Hilfe Not tut – entsprechend ihren Bedürfnissen begleitet werden.

Themen Sterben, Tod und Trauer bewusster machen

Außerdem sollen die Themen Sterben, Tod und Trauer in der Stadtgesellschaft bewusster gemacht werden. Am Mittwoch fand auf Einladung von Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Historischen Rathaus die Auftaktveranstaltung des Projekts mit Podiumsgespräch und Diskussionsforen statt. 140 interessierte Bürger sowie Fachkräfte aus verschiedenen Berufen und Experten nahmen teil.

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Harald Rau (von links), Raymond Voltz, Birgit Weihrauch, Jürgen Engels und Johannes Nießen bei der Auftaktveranstaltung

„Heute setzen wir gemeinsam den nächsten Meilenstein“, sagte Reker zur Begrüßung. Es gehe darum, „so vielen Kölnern wie möglich den Übergang auf die andere Seite in Würde zu ermöglichen“. Sie wolle „in einer Stadt leben, in der wir Verantwortung füreinander übernehmen“, und dazu gehöre wesentlich, „Sterbenden und Schwerstkranken eine Heimat zu bieten“. Darauf zu achten und dafür zu sorgen sei in einer Metropole mit ihrer mitunter größeren Anonymität unter den Bewohnern besonders wichtig, sagt Sozialdezernent Harald Rau. „Diese Sorgekultur fördert den direkten Kontakt und die Hilfe zwischen Bürgerinnen und Bürgern dort, wo sie leben, lieben, arbeiten und dann auch sterben.“

Nach den Worten von Birgit Weihrauch, Vorsitzende des Vereins „Endlich. Palliativ & Hospiz“ im Dr.-Mildred-Scheel-Haus der Uniklinik Köln, baut die Caring Community (zu Deutsch: sorgende Gemeinschaft) „auf den Ideen und dem Geist der Hospizbewegung auf“. Nur „Strukturen“ zu schaffen reiche nicht aus; es komme darauf an, sie viele Bürger wie möglich zu beteiligen und zum Engagement zu bewegen: „Wir brauchen die Gesellschaft.“

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Von einem „Sorgestadtplan“ spricht Prof. Raymond Voltz, Direktor des Zentrums für Palliativmedizin an der Kölner Uniklinik und Vorsitzender des Hospiz- und Palliativnetzwerks Köln. Um diesen Plan zu erarbeiten, gelte es nun, Ideen zu sammeln und zusammenzufassen, Hilfsangebote zu vernetzen sowie relevante Akteure in Foren und an einem regelmäßig tagenden Runden Tisch zusammenzubringen, etwa die Seniorenvertretung, die Volkshochschule, die IHK und die Handwerkskammer, Krankenkassen und Gemeinden. Themen könnten neben der Verbesserung von Angeboten beispielsweise Projekte an Schulen und der Umgang mit Trauer an Arbeitsplatz sein. 

Für Sozialdezernent Rau steht fest, dass Köln „prädisponiert“ sei, sich zur Caring Community weiterzuentwickeln, zu einer Gemeinschaft mit einem dicht gesponnenen Hilfenetz, das professionelle Dienstleistungen, kommunale Fürsorge und ehrenamtliches Engagement mit persönlichen sozialen Netzwerken verbindet. Auch für den „Blick auf das eigene Leben“ könne es nur von Vorteil sein, Sterben und Tod „in die Mitte der Gesellschaft zu holen“.  

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