Bähner, Drach, InsulinTatort Köln – Das waren die 17 spektakulärsten Strafprozesse im Jahr 2022

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Außenansicht des Landgerichts Köln an der Luxemburger Straße.

Im Kölner Justizgebäude wurden im Jahr 2022 viele spektakuläre Fälle verhandelt.

Ein Kölner Ex-Politiker, der um sich schießt. Ein Schwerverbrecher, der das Landgericht in den Ausnahmezustand versetzt. Eine Maklerin, die ihren Schwiegervater vergiftet haben soll. Und viele weitere Verbrechen. Dies waren die spektakulärsten Strafprozesse im Jahr 2022.

Januar 2022: Kölner Ex-Politiker Bähner muss wegen Schuss in Porz ins Gefängnis

Er hat bis zuletzt geleugnet und dafür die Quittung erhalten. Wegen gefährlicher Körperverletzung, rassistischer Beleidigungen und unerlaubten Waffenbesitzes verurteilte das Landgericht den früheren Kölner CDU-Bezirkspolitiker Hans-Josef Bähner zu dreieinhalb Jahren Gefängnis. Der heute 75-Jährige hatte sich an seinem Grundstück am Porzer Rheinufer von einer Gruppe junger Männer gestört gefühlt und auf einen der Männer geschossen. Durch Zufall überlebte das Opfer.

Reue? Fehlanzeige, nicht der Hauch einer Entschuldigung kam Bähner beim Prozess über die Lippen. Sein Verteidiger Mutlu Günal hatte sich auf eine Notwehrlage berufen und Freispruch beantragt. Doch der Vorsitzende Richter Ralph Ernst folgte dem nicht. Bähner soll selbst den Konflikt gesucht und seinem Opfer zugerufen haben: „Komm auf mein Grundstück, dann knall ich dich ab.“ Eine eingelegte Revision schmetterte der Bundesgerichtshof jüngst ab.

Hier lesen Sie mehr: Urteil gegen Hans-Josef Bähner – das unglaubliche Protokoll der Tatnacht.

Alles zum Thema Thomas Drach

Februar 2022: Die große Drach-Show beginnt im Kölner Landgericht

Einen hochbrisanten und gefährlichen Schwerverbrecher, so nannte ein Hamburger Kriminaldirektor den Reemtsma-Entführer Thomas Drach bereits vor 15 Jahren. Attribute, die offenbar noch heute zutreffen. Denn unter immensen Sicherheitsvorkehrungen startete der Prozess. Schwer bewaffnete SEK-Beamte sicherten das Gebäude, Straßen wurden abgesperrt, um Drach vom Gefängnis zum Landgericht zu bringen. Die Angst vor einem Befreiungsversuch schien allgegenwärtig.

Staatsanwältin Anja Heimig wirft Drach vier bewaffnete Raubüberfälle auf Geldtransporter vor, drei davon mit einem Komplizen aus den Niederlanden. Den ersten im März 2018 auf dem Ikea-Parkplatz in Köln-Godorf. Beute: 76.175 Euro an Tageseinnahmen. Auf ähnliche Weise soll Drach sechs Monate später im hessischen Limburg an einem Supermarkt agiert haben. Beute hier: 89.850 Euro. Ungleich blutiger geht es laut Anklage im Jahr 2019 zu.

Im März soll ein Wachmann am Flughafen Köln/Bonn den Kommandos des Räubers nicht schnell genug nachgekommen sein, was für ihn mit einem Durchschuss des Oberschenkels endet. Für 400 Euro Beute. Not-Operation, Intensivstation. Ähnliches Szenario acht Monate später an einem Ikea-Markt in Frankfurt. Hier zerfetzt eine Kugel die Vene eines Wachmanns im linken Oberschenkel. Das Opfer verblutet beinahe. Insgesamt soll Drach bei den ihm vorgeworfenen Raubzügen rund 230.000 Euro erbeutet haben. Ihm droht wegen versuchten Mordes eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung.

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Köln-Bilderstöckchen: Schwangerschaft verheimlicht und Säugling getötet

Eine vierfache Mutter verheimlicht ihre fünfte Schwangerschaft, sie bringt den Säugling auf der Toilette zur Welt und tötet ihn direkt im Anschluss. Am nächsten Tag legt sie die Leiche des Kindes vor einer Babyklappe in Bilderstöckchen ab. Für fünfeinhalb Jahre muss die 37-Jährige wegen Totschlags ins Gefängnis. „Es ist ein Verfahren, das uns berührt und nachdenklich zurücklässt“, sagte der Vorsitzende Richter Achim Hengstenberg.

An einem Sonntag im Juli hatten bei der Frau die Wehen eingesetzt. Im Badezimmer und auf der Toilette sitzend habe die Angeklagte einen Jungen geboren und mit einer Nagelschere die Nabelschnur durchtrennt. Das Baby wickelte die Angeklagte laut Urteilsbegründung in eine Mülltüte und ein Handtuch und legte es in einen Kleiderschrank. „Ihnen war bewusst, dass Sie so den Tod des Kindes herbeiführen“, führte der Richter aus.

Hier lesen Sie mehr: Die Urteilsbegründung und Hintergründe zum Fall der mehrfachen Mutter, die ihr Baby sterben ließ.

März 2022: Familienvater aus Köln-Ossendorf tötet Geliebte mit Kopfschuss im Fiat Panda

Ein zweifacher Familienvater tötet seine Geliebte und muss für elf Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte Mehmet B. (35) aus Ossendorf seine Freundin im Dezember 2020 in deren Fiat Panda erschossen hatte. Die Leiche des Opfers wurde zu einem Feld in Rheinland-Pfalz gebracht und angezündet. Hier soll der Angeklagte die Hilfe von einem Bekannten bekommen haben. Gegen diesen wird gesondert ermittelt.

Nach 17 Verhandlungstagen und damit dem Großteil der durchgeführten Beweisaufnahme hatte der Angeklagte sein Schweigen im Prozess gebrochen und in seiner Aussage die Schuld auf seinen Bekannten geschoben. Der habe die Frau im Streit um Drogengeschäfte mit zwei Kopfschüssen getötet. Das sei eine bloße Schutzbehauptung, urteilte die Schwurgerichtskammer. Vor allem Handydaten hätten ihn überführt und DNA-Spuren an der Tatwaffe.

Hier lesen Sie mehr: Familienvater tötet Geliebte in Fiat Panda – Leiche auf Feldweg angezündet.

April 2022: Amateurfußballer (18) auf der Zülpicher Straße erstochen

Ein Fall, der große Bestürzung ausgelöst und die Diskussion um das Waffenverbot im Bereich der Kölner Ringe und dem Kwartier Latäng richtig in Gang gebracht hat: Der Amateurfußballer Joel G. (18) wurde bei einer Auseinandersetzung zweier rivalisierender Gruppen vor einem Lokal auf der Zülpicher Straße erstochen. Der Angreifer, selbst erst 17 Jahre alt, muss nach Jugendstrafrecht für sechs Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

Die Auseinandersetzung zweier Jugendcliquen soll in der Tatnacht im Bereich des Bahnhofs Süd eskaliert sein. Demnach soll jemand aus der gegnerischen Gruppierung dem Angeklagten mit einer Flasche auf den Kopf geschlagen haben. Daraufhin habe der das Messer gezückt und die Angreifer verfolgt. Joel G., der offenbar nichts von dem Vorfall mit der Flasche mitbekommen hatte, soll zwischen die Fronten geraten sein.

Hier lesen Sie mehr: Warum der Täter von der Zülpicher Straße nicht wegen Mordes verurteilt wurde.

Mai 2022: Schwimmlehrer aus Köln nach Missbrauch zu Haftstrafe verurteilt

Seine Taten waren niederträchtig, ebenso sein Verhalten vor dem Landgericht. Ein Kölner Schwimmlehrer (38) erhielt dreieinhalb Jahre Gefängnis. Vergeblich hatte er bei der Verhandlung versucht, mit realitätsfernen Zeitangaben das Alter seines Opfers über die Schutzgrenze von 14 Jahren zu legen. Bei seinem „Geständnis“ wollte der Mann das Gericht davon überzeugen, dass sich die ersten Taten viel später abgespielt haben.

Der IT-Techniker war viele Jahre in einem Kölner Schwimmverein tätig, vor allem im Agrippabad. Hier lernte er 2010 sein Opfer kennen, einen damals zehn Jahre alten Jungen. Ein Jahr später kam es laut Urteil des Landgerichts bereits zum ersten Missbrauch. Auf einer Wochenendfreizeit auf dem Campingplatz in Rodenkirchen habe der Betreuer das Kind zunächst auf dem Gelände in einem Abstellraum des Vereins, dann in seinem eigenen Wohnwagen missbraucht, bei abgeschlossener Tür.

Hier lesen Sie mehr: So wollte der verurteilte Schwimmlehrer die Kölner Richterin täuschen.

Heimtückischer Giftmord am eigenen Bruder in Köln-Lindenthal

Für den Mord an ihrem behinderten Bruder muss eine Lindenthalerin (63) lebenslang ins Gefängnis. Laut Kölner Landgericht habe die Angeklagte heimtückisch gehandelt, indem sie dem Bruder 100 Tabletten eines starken Schmerzmittels in dessen Bananenshake gemischt habe. Sie selbst hatte von Tötung auf Verlangen gesprochen. „Mein Bruder wollte sterben“, hatte die Angeklagte beim Prozess erklärt.

Die Vorsitzende Richterin Sabine Kretzschmar stellte klar, dass es keinerlei Hinweise auf einen Sterbewunsch des Bruders gegeben habe. Dieser habe kurz vor der Tat ein Fest bei den Alexianern besucht, wo er in einer Behindertenwerkstatt arbeitete, dort eine Wurst gegessen und sich am Eiswagen angestellt. Das spätere Mordopfer habe zuversichtlich in die Zukunft geblickt, sich mit einem anstehenden Umzug in eine Pflegeeinrichtung seines Arbeitgebers arrangiert und sich gefreut, dort seine Ruhe zu haben und viel fernzusehen.

Hier lesen Sie mehr: So verblüffend äußerte sich die Angeklagte zu der drohenden Haftstrafe.

Juni 2022: Kölnerin im Hausflur ihrer Wohnung in der Innenstadt vergewaltigt

Es war ein anderthalbstündiges Martyrium. Eine Kölnerin (30) wurde im Hausflur ihrer Wohnung in der Innenstadt brutal überwältigt, mit dem Tode bedroht und vergewaltigt. So stellte es das Kölner Landgericht fest und verurteilte den Angeklagten zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis. Der aus Guinea stammende 27-Jährige hatte die Tat trotz immenser Beweislast bis zuletzt bestritten. Für den Vorsitzenden Richter Benjamin Roellenbleck hingegen gab es keine Zweifel.

Zu konstant und detailreich seien die Aussagen des Opfers gewesen, das aber dabei keinen Belastungseifer gezeigt hatte. Vielmehr habe die Frau noch Mitleid mit dem Angeklagten gehabt, „warum er sich als junger Mann so das Leben versaut“. Im Zeugenstand hatte das Opfer von einem Wortwechsel während der Tat gesprochen. „Das ist Vergewaltigung“, habe sie dem Täter entgegengerufen. „Ist es nicht, weil ich dich liebe“, habe der geantwortet, „mein Gott bestraft das nicht.“

Hier lesen Sie mehr: Martyrium für Kölnerin im Hausflur – die Nachbarn bemerkten nicht.

Juli 2022: Senior von Adoptivsohn auf Baustelle in Köln-Niehl getötet

Er wollte es wie einen Selbstmord aussehen lassen. Das Kölner Landgericht verurteilte einen 32-jährigen Mann zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen heimtückischen Mordes aus Habgier. Der Angeklagte hatte seinen Adoptivvater laut Urteil auf eine Baustelle in Köln-Niehl gelockt, auf der er gearbeitet hatte. Im dritten Stock attackierte er sein Opfer mit einer Art Handbeil und versuchte, den 75-Jährigen über das Treppengeländer in die Tiefe zu stürzen.

Die Richterin sprach von 17 Hieben mit der Waffe, der Brustkorb des Opfers sei eingedrückt worden. Danach hatte der Täter seinem Opfer Whiskey eingeflößt, um die Selbstmordthese zu untermauern. Zweieinhalb Stunden später sei er an den Tatort zurückgekehrt und habe den Notruf gewählt. Die Legende vom Suizid glaubte dem Mann niemand. Der 75-Jährige hatte den aus Afghanistan stammenden Täter adoptiert, damit dieser ihn bei einer möglichen Pflegebedürftigkeit betreue. Kurz vor der Tat sei es zum Streit gekommen.

Hier lesen Sie mehr: Darum wollte das Mordopfer die Adoption rückgängig machen.

August 2022: Brutale Vergewaltigung unter Zoobrücke bleibt ungesühnt

Unter der Zoobrücke soll ein 30-Jähriger eine Frau an den Haaren gezogen und zu Boden gerissen haben. „Du Schlampe, du Hure“ soll der Täter gerufen und sein Opfer vergewaltigt haben. Die Frau habe sich heftig gewehrt, woraufhin der Täter ihr mit einer Zigarette Verbrennungen zugefügt und ihr in den Hals gebissen haben soll. Eine DNA-Spur brachte die Ermittler viel später auf die Spur des mehrfach vorbestraften Mannes.

Camper hatten das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer wimmernd am Rheinufer entdeckt. Doch ihre Vorwürfe gegen den Angeklagten wollte sie bei einem ersten Prozess nicht mehr wiederholen. Mittlerweile soll sich die drogenabhängige Frau in Österreich aufhalten. Der Angeklagte hatte die Tat bestritten, daher stand Aussage gegen Aussage. Ohne die Frau konnte der Fall nicht aufgeklärt werden, das Verfahren wurde eingestellt. Der Täter musste sich aber noch wegen Raubes verantworten.

Hier lesen Sie mehr: Schöffe tot, Opfer schweigt – darum wurde der Fall um die Vergewaltigung unter der Zoobrücke eingestellt.

September 2022: Lebenslange Gefängnisstrafe für Doppelmord an Mutter und Kind in Köln-Niehl

Erst erstach er seine Ex-Freundin und den gemeinsamen Sohn (4), dann ging Anil G. (25) ins Fitnessstudio und in eine Shisha-Bar. Er lachte mit Freunden, als sei nichts geschehen. Das Kölner Landgericht verurteilte den Täter zu einer lebenslangen Haftstrafe. Durch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld muss G. bei einer möglichen Rechtskraft des Urteils wohl weit mehr als 15 Jahre im Gefängnis verbringen.

Für die erfahrene Vorsitzende der Schwurgerichtskammer sei es ein Fall „im oberen Bereich“, erklärte Richterin Sabine Kretzschmar. Anil G., der erst kurz vor der Tat von seiner Vaterschaft erfahren hatte, habe sein Leben so weiterleben wollen, wie bisher und auch Angst vor Vorwürfen seiner Eltern wegen des unehelichen Kindes gehabt.

Der Täter habe Derya S. und Sohn Kian als Störfaktor angesehen, den er habe beseitigen wollen, erklärte die Richterin. Unter dem Vorwand einer Aussprache und, dass er seinen Sohn kennenlernen wolle, habe er seine Opfer am Tattag im November 2021 zum abgelegenen Rheinufer gelockt. Nah am Wasser habe er zugestochen und die Leichen im Fluss regelrecht entsorgt.

Hier lesen Sie mehr: Alle Hintergründe zu dem schrecklichen Doppelmord an Mutter und Kind am Rheinufer in Köln-Niehl

Berühmter Kinderfotograf aus Köln wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Er stritt bis zuletzt ab, sich an seinen Fotomodels vergangen zu haben. Das Landgericht glaubte ihm nicht und verurteilte den weltweit erfolgreichen Kölner Kinderfotografen Achim Lippoth wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu vier Jahre und zehn Monaten Gefängnis. Drei Fälle sah der Vorsitzende Richter Peter Sommer als erwiesen an. Weitere Vorwürfe blieben zu unkonkret, daher erfolgte hier ein Freispruch.

„Hochgradig manipulativ“ nannte der Richter das Vorgehen des Fotografen, der Jungen teilweise nur mit seiner Playstation habe spielen lassen, wenn diese sich dabei auf den Schoß des Mannes setzten. Das Landgericht hob allerdings den Haftbefehl auf. Der Richter sah keine Fluchtgefahr. Mit großer Enttäuschung hatte dies eines der Opfer aufgenommen und auf dem Flur des Landgerichts mit einem Tritt versehentlich Teile einer Rigipswand zerstört.

Hier lesen Sie mehr: Berühmter Kinderfotograf zu Haftstrafe verurteilt – trotzdem kam er auf freien Fuß.

Oktober 2022: Bekannter Gastronom überfährt Joggerin in Köln-Riehl

Zu einem Jahr Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung verurteilte das Amtsgericht einen bekannten Gastronomen aus Köln verurteilt, der in Riehl einen tödlichen Autounfall verursacht hatte. Der 62-Jährige hatte beim Prozess schließlich zugegeben, im Mai von seinen im Fahrzeuginneren herumspringenden Hunden abgelenkt gewesen zu sein. Daher habe er eine Joggerin übersehen, die gerade die Straße überquerte.

Der Fall gewann nach der Aussage der Mutter der Getöteten, die den Prozess als Nebenklägerin verfolgt hatte, noch weiter an Tragik. Die Kölnerin schilderte, dass ihre Tochter nach dem Unfalltod des Vaters der Familie immer ganz besonders darauf geachtet habe, nie über eine rote Fußgängerampel zu gehen. Die junge Frau starb zwei Tage nach ihrem 28. Geburtstag. Der Gastronom hatte Reue gezeigt, sich bereits am ersten Verhandlungstag bei der Mutter des Opfers entschuldigt.

Hier lesen Sie mehr: Warum der verurteilte Gastronom beim Prozessauftakt zunächst geschwiegen hatte.

Kölner Insulin-Prozess: Der geplante „perfekte Mord“ am Schwiegervater

Es war ein spektakulärer Indizienprozess mit einer Angeklagten, die jede Schuld von sich gewiesen hatte. Doch das Landgericht zeigte sich überzeugt davon, dass die Immobilienmaklerin ihren Schwiegervater in dessen Villa töten wollte – mit einer hohen Dosis Insulin. Der Senior, ein renommierter und beliebter Arzt aus dem Kölner Westen, überlebte knapp und wurde zum Pflegefall. Die Schwiegertochter erhielt eine lebenslange Haftstrafe und ging in Revision.

Am Morgen nach der Tat hatte die Haushälterin den Senior bewusstlos auf dem Gästesofa vorgefunden, mit der Kleidung vom Vortag. Überführt wurde die Angeklagte laut Gericht durch eine erdrückende Indizienlage. Vor allem ihre Handynutzung wurde der zweifachen Mutter zum Verhängnis.

Googlesuchen hätten die Tat von der Planung, bis zur Ausführung und dem Nachtatverhalten rekonstruiert. Die Angeklagte hatte nach Dingen wie „Perfekter Mord durch Insulin“ gegoogelt oder „Einstichstellen, die man nicht sieht“.

Hier lesen Sie mehr: Warum der Sohn des Insulin-Opfers weiter zu seiner verurteilten Ehefrau hält.

November 2022: Männergruppe tötet Autofahrer in Köln-Höhenberg

Es war ein Gewaltexzess mitten in Höhenberg und laut Anklageschrift ein regelrechter Lynchmord. Etwa 30 Männer sollen sich an der grausamen Tat beteiligt, sich dem Auto des Opfers in den Weg gestellt haben. Was dann passierte, zeigen Aufnahmen aus einer Überwachungskamera: Ein wütender Mob umzingelt den Smart des Opfers, das dann aus dem Fahrzeug gezerrt wird. Der 37-Jährige wird laut Anklage mit Hammer und Messer traktiert. Er stirbt auf offener Straße.

Das verstörende Video wurde beim Prozessauftakt im Landgericht gezeigt. Ausgangspunkt ist laut Anklage eine Fehde zweier Familien-Clans. Der Bruder des späteren Opfers soll in der Nacht zuvor über Facebook die andere Familie beleidigt und insbesondere verstorbene Angehörige geschmäht haben. Mitglieder der Gegenseiten hätten daraufhin Rache geschworen, eine „Machtdemonstration“ sollte folgen, so der Staatsanwalt.

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Dezember 2022: Guten Freund in Köln-Kalk mit 140 Messerstichen getötet

Mit einem Geständnis startete vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 25-jährigen Kölner, der seinen Mitbewohner laut Anklage der Staatsanwaltschaft mit 140 Messerstichen getötet hat. Zunächst hatte der ausgebildete Lagerist bei seiner Aussage im Polizeipräsidium noch versucht, sich als unschuldig darzustellen. Doch schnell verstrickte der Täter sich in Widersprüche. „Ich bin für den Tod meines besten Freundes verantwortlich“, ließ der Angeklagte beim Prozessauftakt verlauten.

Einen Monat zuvor war der Angeklagte in der Wohnung seines guten Freundes in der Dillenburger Straße in Kalk untergekommen, als es „aus ungeklärtem Grund“ zum Streit kam, so die Staatsanwaltschaft. Im Verlauf der Auseinandersetzung habe der Beschuldigte ein Küchenmesser genommen und mit Wucht auf das 23-jährige Opfer eingestochen. Immer und immer wieder. Messerstiche und Schnitte am ganzen Körper wies das Opfer auf, tödlich verliefen allein 14 Stiche ins Lungengewebe.

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Cousin beim Familienpicknick getötet – nach Streit um Klappstuhl

Fünf Jahre Gefängnis hat das Landgericht Köln gegen einen Schüler (18) verhängt, der laut Urteil im Mai seinen Cousin bei einem Familienpicknick in Ostheim erstochen hatte. Laut Anklage soll sich der 18-Jährige von einem Teil der Familie gehänselt gefühlt haben. Aus dieser Stimmungslage heraus soll die Tat geschehen sein, nachdem das spätere Opfer einen Campingstuhl für sich beansprucht habe.

Einsatzkräfte der Polizei und anschließend des Rettungsdienstes hatten noch versucht, das Opfer (23) vor Ort am Spielplatz Vingsterberg zu reanimieren – ohne Erfolg. Kurze Zeit später starb der Mann im Krankenhaus. Der Messerstich hatte die Hauptschlagader und Lungenarterie getroffen. Nach Angaben der Polizei hatte sich der Tatverdächtige zunächst nach Bochum abgesetzt. Am Tag nach der Tat hatte der 18-Jährige sich dort auf einer Polizeiwache gestellt und widerstandslos festnehmen lassen.

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