Fahrradstraße, Ampel, FußgängerzoneNeue Verkehrsregelung am Kölner Dom findet viel Zuspruch – aber auch einige Kritik

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Rund um den Kölner Dom hat sich einiges getan: Mehr Platz für Radler und Fußgänger, weniger für Autos. Die Änderungen und wie sie ankommen.

Seit einigen Tagen gilt die neue provisorische Verkehrsführung am Kölner Dom und verwirrt vor allem noch viele Autofahrer, einige von ihnen umkurven erfinderisch die Absperrungen. Die Stadt hat die Änderungen am Donnerstag abgenommen, die Arbeiter tragen nur noch letzte Markierungen auf.

Die Anlieger reagieren unterschiedlich auf die Zurückdrängung des Autoverkehrs, neben vielen positiven Stimmen fürchtet etwa Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort Nachteile für seine Besucher. Viele sind demnach auf das Auto angewiesen, die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) nach Konzerten keine verlässliche Alternative. Langevoort sagt: „Wir werden die neue Verkehrssituation aus diesen Gründen keinesfalls akzeptieren.“ Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was genau ändert sich?

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Erstens: Die Trankgasse wird auf rund 200 Metern zur Fahrradstraße, es gibt aber Ausnahmen. Nutzer der Dom-Tiefgarage dürfen Richtung Rheinufer herausfahren, zudem sind Lieferverkehr und die Anfahrt zum Excelsior Hotel Ernst ebenso erlaubt wie Touristenbusse.

Zweitens: Marzellenstraße und Komödienstraße werden Einbahnstraßen, dort dürfen Autos regulär fahren.

Drittens: Die große Ampel vor dem Dom wird abgeschaltet.

Viertens: Der Kardinal-Höffner-Platz wird zur Fußgängerzone.

Fünftens: Auf der Komödienstraße fallen zwölf Parkplätze weg. Die provisorische Verkehrsführung gilt, bis der Umbau des Domsockels beginnt – nach der Fußball-EM im Sommer 2024. Wann genau, ist unklar. Die provisorischen Regeln gelten also mindestens 15 Monate, eher länger. Danach soll eine Entscheidung fallen, wie der Verkehr auf Trankgasse und Komödienstraße dauerhaft geregelt ist.

Was sind mögliche Probleme?

Vom Rhein kommend konnten Autofahrer bislang über die Trankgasse Richtung Westen fahren, das geht nicht mehr. Nun muss die Stadt sicherstellen, dass sie sich daran halten. Diese Woche standen vor dem Tunnel an der Trankgasse Absperrgitter, doch die verschwinden laut Verwaltung. Nur Verkehrsschilder zeigen an, dass die Autofahrer nicht mehr nach rechts abbiegen dürfen, außer sie gehören zu den Ausnahmefällen, etwa als Hotelgast. Die Stadt teilt mit: „Die Beschilderung ist eindeutig. Erfahrungsgemäß braucht es eine Eingewöhnungsphase von einigen Wochen.“ Ein weiteres Problem: Von der Tunisstraße können Autofahrer beispielsweise nicht mehr zur Philharmonie fahren, weil die Komödienstraße eine Einbahnstraße ist.

Zwei Arbeiter bringen die Piktogramme für die Fahrradstraße auf.

Markiert: Zwei Arbeiter bringen die Piktogramme für die Fahrradstraße auf.

Wie war die Situation diese Woche?

Abenteuerlich, für alle war es ungewohnt. Viele Fahrer fragten aus dem Auto heraus dort stehende Polizisten, warum sie nicht mehr auf die Trankgasse kommen und wo es lang geht. Andere fuhren trotz der Absperrungen auf die Trankgasse, wenn keine Kontrolleure da waren. Und wenn ein Taxi beispielsweise erlaubterweise zum Hotel fuhr, folgten andere Autos ihm, obwohl sie keine Hotelgäste waren und deshalb nicht zu den erlaubten Ausnahmen zählten. Die Stadt teilt mit: „Die Kontrolle, ob sich die Verkehrsteilnehmer im fließenden Verkehr richtig verhalten und gegebenenfalls sanktioniert werden muss, liegt in der Verantwortung der Polizei.“

Das Bild zeigt die abgesperrte Komödienstraße.

Keine Durchfahrt mehr: Von der Tunisstraße kommen Autofahrer nicht mehr auf die Komödienstraße, sie ist nun Einbahnstraße für Autos.

Was sagen die Anlieger?

Philharmonie-Intendant Langevoort begrüßt die Förderung des Radverkehrs und des ÖPNV – in diesem Fall bezeichnet er die Regelung als „grob geschäftsschädigend“, unter anderem, weil die Besucher wegen des Rückstaus lange im Parkhaus stehen. Er befürchtet ein Verkehrschaos und sagt: „Für uns ist völlig unverständlich, wieso in der Domumgebung nicht ein Verkehrskonzept umgesetzt wird, das im Sinne eines shared space-Gedanken die Situation der Radfahrer sehr deutlich verbessert, ohne Autofahrer von ganzen Verkehrsachsen komplett auszuschließen.“

Domprobst Guido Assmann hingegen begrüßt die Aufenthaltsqualität, trotzdem hat er Bedenken: „Besuchern von außerhalb zu erklären, wie sie zu uns in die Domherrensiedlung finden, wird immer schwieriger.“ Hoteldirektor Georg Plesser sagt: „Für uns ist wichtig, dass wir erreichbar sind. Unsere Gäste müssen sich an die Regeln gewöhnen.“

Was sagen die Lobbyverbände?

Christoph Schmidt, Vorsitzender des Kölner Ablegers des Allgemeinen Deutsche Fahrrad-Club (AFDC), sagt: „Wir sind froh, dass die neue Verkehrsführung umgesetzt worden ist. Das war vor Jahren noch undenkbar. Am Anfang müssen sich alle daran gewöhnen. Das kann bis zu sechs Monate dauern, die ersten ein, zwei Wochen sind ganz schlimm.“ Ebenfalls positiv äußert sich Anne Grose, Sprecherin des Kölner Fuss e.V.: „Bislang war das kein schönes Entree für Touristen, die Ampel am Dom war furchtbar. Grundsätzlich finde ich die Änderung gut, es wird großzügiger.“ Skeptischer ist Roman Suthold, Leiter des Bereichs „Verkehr und Umwelt“ beim ADAC Nordrhein, er sagt: „Dass Autofahrer von Westen kommend nicht mehr zum Dom fahren können ist eine relativ große Einschränkung, die entstehenden Umwege sind recht groß.“

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