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Unter dem WeihnachtsbaumMusicals, lit.Cologne bis Buchtipps – diese Geschenke empfiehlt die Kulturredaktion

Lesezeit 9 Minuten
Olivia Rodrigo bei einem Auftritt in der „Today Show“.

Das Konzert von Olivia Rodrigo in Köln ist ausverkauft, Tickets gibt es nur überteuert auf dem Zweitmarkt. Gerade deshalb eignen sie sich als ein gutes Geschenk für junge Menschen.

Jetzt drängt es mit den Geschenken. Die Kulturredaktion des „Kölner Stadt-Anzeigers“ hat da ein paar Vorschläge.

Christian Bos

Für Freunde: Worum es in Claire Dederers Essay-Sammlung „Genie oder Monster: Von der Schwierigkeit, Künstler und Werk zu trennen“ (Piper, 24 Euro) geht, erschließt sich aus dem Titel. Dass Dederer dabei nicht in moralischen Absolutismus verfällt, sondern konsequent die eigenen Inkonsequenzen abklopft, macht das Buch so lesenswert. Es gibt keine Monster, keine Genies, und leider auch keine simplen Lösungen.

Für (Groß-)Eltern: Besuchen Sie mit Ihren Eltern „Moulin Rouge“ (Musical Dome, Tickets ab 59,90 Euro), erleben Sie Pop als süßen, Generationen verbindenden Klebstoff. Der Plot ist von „La Boheme“ geborgt, die Musik reicht von Marilyn Monroe bis Lady Gaga, von Offenbach bis Outkast.

Für Kinder: Tickets für das Konzert von Olivia Rodrigo (12. Juni, Lanxess-Arena), der Pop-Sensation mit 90ies-Indie-Rock-Vorliebe, gibt es noch überteuert auf dem Zweitmarkt, aber stellen Sie sich vor, wie dankbar Ihnen die jungen Empfänger sein werden. Oder stehen die mehr auf K-Pop? Die beste neue Girlgroup aus Seoul, New Jeans, tourt bislang nur in Asien, bietet aber eine Riesenauswahl an bunten Fan-Dönekes an.

Alles zum Thema Konzerte in Köln

Für Nachbarn und Bekannte: 2024 ist Franz Kafkas 100. Todestag. Das haben Sie natürlich längst gecheckt und verschenken deshalb Karten für Pınar Karabuluts erschütternde wie unterhaltsame Inszenierung von „Der Prozess“ im Depot 1 des Kölner Schauspiels (Karten ab 10 Euro).

Für mich: Albern, ich weiß, aber ich würde wirklich gerne das Stück „Stranger Things: The First Shadow“ im Londoner Phoenix Theatre sehen (Tickets ab 50 Pfund). Erzählt wird die Vorgeschichte von Vecna, des Erzbösewichts aus der Netflix-Serie. Leider nicht als Musical, also kein tanzender Demogorgon, eine verpasste Chance. Aber wann haben Sie sich zuletzt im Theater gegruselt (also ganz unironisch)?

Anne Burgmer

Für Freunde: Viele Autorinnen und Autoren sind der lit.Cologne treu und kommen jedes Jahr, aber es gibt auch immer noch Premieren. Eine besonders spannende verspricht der Besuch von Booker-Preisträgerin Bernardine Evaristo zu werden. Am 15. März, 17 Uhr, spricht sie in der Kulturkirche über ihren neuen Roman „Zuleika“, der von einem schwarzen Mädchen im London des Römischen Reichs erzählt.

Für (Groß-)Eltern: Was essen wir an Weihnachten? Die Frage sorgt in vielen Familien regelmäßig für Streit. Wer Lust hat, Weihnachtenmal abseits von Gans und Karpfen zu feiern, wird fündig in dem wunderschön gestalteten Kochbuch „Dieses Jahr feiern wir vegan“ von Sladi Petkovic (DuMont, 128 Seiten, 25 Euro). Bei Roulade in Biersoße mit Kartoffelknödeln vermisst auch der größte Fleischfan nichts. Versprochen!

Für Kinder: Philip Waechters zauberhaftes Bilderbuch „Endlich wieder zelten!“ war dieses Jahr das „Junge Buch für die Stadt“. Aber es gibt ja noch so viel mehr von ihm zu entdecken, zum Beispiel sein im Sommer schienenes Bilderbuch„Weltreise mit Freunden“ (Beltz & Gelberg, 15 Euro).

Für Nachbarn und Bekannte: Vor 20 Jahren rief der „Kölner Stadt-Anzeiger“ gemeinsam mit dem Literaturhaus Köln ein „Ein Buch für die Stadt“ aus. Damals reisten wir mit Irmgard Keuns „Das kunstseidene Mädchen“ ans Ende der Weimarer Republik. Dieses Jahr ist Volker Kutschers Krimiklassiker „Der nasse Fisch“ (Piper, 14 Euro) „Buch für die Stadt“. Man lernt darin mehr über die 1920er Jahre als in so manchem Geschichtsbuch.

Für mich: Ich mag die Kulturkirche in Nippes sehr und ich mag Joni Mitchell sehr. Deshalb finde ich, das „Joni Project“ total spannend. Die drei Musikerinnen Anne de Wolff, Iris Romen und Stefanie Hempel wagen sich an Mitchells Meisterwerk „Blue“, am 2. Februar, Karte 29 Euro.

Michael Kohler

Für Freunde: „Meyer ist Kleinaktionär. Ihn bedrücken seine Anteile am allgemeinen Niedergang.“ Deshalb ist der Antiheld in Patricia Görgs „Meier mi Y“ (Berlin Verlag, 176 S., 9 Euro) zum Schnäppchenjäger geworden, der vor lauter Angeboten das Leben verpasst. Hamsterkäufe sind aber nicht nötig. In diesem Roman sind genug Aphorismen für alle da. Sogar der Gang zum Discounter wird zum Sprachkunstwerk.

Für (Groß-)Eltern: Zu seinem 95. Geburtstag legte Anton Legner seine Memoiren vor und bewies darin erneut, dass die Liebe zum Mittelalter auch den Blick auf die Gegenwart erhellen kann: „Von Prag nach Köln“ (Greven Verlag, 128 S., 22 Euro).

Für Kinder: Dieses Buch ist nicht für alle Kinder, sondern nur für die (älteren) Pferdenärrinnen und -narren unter ihnen. Andererseits fotografiert Jitka Hanzlová Pferde auf eine Weise, dass sich ihre Faszination jedem sofort erschließt. Außerdem ist „Horse“ (Koenig Books, 96 S., 48 Euro) ein Pferdebuch, das mit seinem Besitzer wächst. Wenn die jugendliche Pferdeliebe schwindet, hat man sogar noch mal mehr davon.

Für Nachbarn und Bekannte: Im Oktober starb der Kölner Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt. Sein letztes Buch „Städtebau des Erinnerns“ (Hatje Cantz, 240 S., 44 Euro) ist ein besonders schönes geworden: Große Städte, lernen wir darin, werden auf den Mythen anderer Städte erbaut.

Für mich: In seinen autobiografischen Erzählungen ist Wolf Haas ein anderer als in seinen Brenner-Krimis, aber nicht weniger brillant. „Eigentum“ (Hanser, 160 Seiten, 22 Euro) handelt vom Tod seiner Mutter und von den Schwierigkeiten, eine Poetikvorlesung zu halten, wenn man nur den Titel hat: „Kann man vom Leben schreiben?“ Die Antwort liefert dieser bewegende und doppelbödige Roman.

Kerstin Meier

Für Freunde: Am besten wie Barbie – das war Ende des vergangenen Jahrtausends das weibliche Schönheitsideal, das viele von uns bis heute prägt. Im Rahmen ihrer Gesprächsreihe im Kölner Schauspiel spricht die Philosophin Eva von Redecker mit der Künstlerin und Autorin Moshtari Hilal am 25. Januar über Hässlichkeit. Die Gespräche gibt es übrigens auch zum Nachhören auf der Internetseite des Schauspiels.

Für (Groß-)Eltern: Meron Mendels Buch „Über Israel reden: Eine deutsche Debatte“ (Kiepenheuer & Witsch, 22 Euro) stand auf der Shortlist des Sachbuchpreises 2023 und ist vor dem Angriff der Hamas auf Israel erschienen – aber jetzt ist es natürlich besonders aufschlussreich, auf unser ganz spezielles Verhältnis zu Israel zu schauen um zu verstehen, warum die Debatte hier so emotional und oft auch vergiftet geführt wird. Meron Mendel spricht am Sonntag, den 17.12., um 11 Uhr mit Stefan Koldehoff (Deutschlandfunk) über Israel. Das Gespräch findet in der Zentralbibliothek in Köln statt.

Für Kinder: Gerade ist schon der 18. Band von Gregs Tagebuch („Kein Plan von nix“, Baumhaus, 16,00 Euro) erschienen. Jeff Kinney – das behaupte ich einfach mal – hat damit das oft kopierte Genre des Comic-Romans erfunden. Auch lustig für Erwachsene!

Für Nachbarn und Bekannte: In seinem hübschen Buch „Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte“ (DuMont, 20 Euro) denkt Axel Hacke darüber nach, wie wir es schaffen können, nicht zu verzweifeln angesichts von Krisen und Kriegen. Und wer könnte das nicht gebrauchen? Der Autor präsentiert keine Patentrezepte, schreibt sehr schlau, dabei aber nie von oben herab.

Für mich: Auf den Frühling und auf The Notwist gleichzeitig freuen: Die Band um die Brüder Martin und Micha Acher kommt am 23. April ins Kölner Gloria. Auf den Konzerten passiert viel mehr als nur das Abspielen alter Hits – obwohl die natürlich auch toll sind.

Robin Albers

Für Freunde: Weltschmerz hilft wenig, das Leben ist eigentlich schon kompliziert genug. Doch die vielen Krisen, Kriege oder der Klimawandel können zu viel werden und zur Ohnmacht führen. Das „Comfort Book“ von Matt Haig (Droemer Knaur, 20 Euro) kann dabei helfen. Der Brite hat kurze, tiefgründige Texte gesammelt, die Hoffnung machen und den Blick auf die schönen Seiten des Lebens sehen lässt.

Für (Groß-)Eltern: Antisemitismus ist wieder Mainstream. Zumindest kann man das rückblickend über 2023 behaupten. Schonungslos analysieren Nicholas Potter und Stefan Lauer in „Judenhass Underground“ (Hentrich und Hentrich, 22 Euro), dass Judenhass längst nicht mehr nur von rechts kommt.

Für Kinder: Kleinere Kinder kommen bei Livemusik leider oft zu kurz. Konzerte finden zu spät statt, dazu sind sie noch viel zu laut. Doch glücklicherweise gibt es Heavysaurus. Die Band in Dino-Kostümen interpretiert Heavy-Metal-Klassiker für Kinder neu. Am 18. Februar spielen sie auf ihrer „Pommesgabel“-Tour in der Kölner Essigfabrik. In kindgerechter Lautstärke zur Mittagszeit. Tickets bei Eventim ab 31 Euro.

Für Nachbarn und Bekannte: Ein Besuch des NS-Dokumentationszentrums am Appellhofplatz kostet nur 4,50 Euro, ist aber eigentlich viel mehr wert. Denn er ruft einem ins Bewusstsein, was passiert, wenn der Hass gewinnt. Nicht nur bezogen auf die Gräueltaten vor 78 Jahren. Sondern auch gerade jetzt.

Für mich: „Interstellar“, „Gladiator“, „Dune“, „The Dark Knight“, „Fluch der Karibik“ und viele weitere Hollywood-Filme haben eine Gemeinsamkeit. Hans Zimmer hat die epische Filmmusik komponiert, die sicherlich auch einen Großteil zum Erfolg der Blockbuster beigetragen hat. Mit einem Orchester präsentiert der zweifache Oscar-Preisträger am 12. März in der Lanxess-Arena sein Werk. Tickets ab 64 Euro bei Eventim.

Elena Stickelmann

Für Freunde: Plattenspieler und Vinyl sind zurück und symbolisieren bewussten Musikgenuss. Wie wäre es zum Beispiel mit „Hot Fuss“ von The Killers (24,99 Euro). Der Track „Mr. Brightside“ machte die US-amerikanische Rockband weltberühmt, bei mir taucht das Lied jährlich in meinem Spotify-Jahresrückblick der meistgehörten Songs auf. Tipp: Den Plattenspieler direkt dazu schenken – gibt es auch gebraucht.

Für (Groß-)Eltern: Kunst, Architektur, Geschichte und Genuss in einem einzigen Geschenk – das geht mit einem Ausflug zum Arp Museum. Die RB26 hält direkt neben dem Museum. Und nach der Kunst kann man im Restaurant „Interieur No. 253“ einkehren.

Für Kinder: Allen „Potterheads“ und mir selbst als Fan empfehle ich das Konzert „The Magical Music of Harry Potter“ am 6. Februar in der Lanxess-Arena. Die Oscar-nominierte Musik der Harry-Potter-Filme wird erstmals in einem Konzertabend präsentiert, das Programm umfasst Melodien aus allen Filmen. Ein besonderes Highlight des Abends wird ein Stargast-Auftritt aus den Filmen sein. Ab 39,90 Euro über Eventim.

Für Nachbarn und Bekannte: Das Bauhaus revolutionierte zwischen den Weltkriegen die Moderne mit einer Fusion aus Kunst, Handwerk und Technik. Dieser Bildband (Taschen, 20 Euro) entstand mit dem Bauhaus-Archiv und Museum für Gestaltung in Berlin.

Für mich: „The Seven Husbands Of Evelyn Hugo“ (Ullstein, 11,50 Euro) ist eine faszinierende, fiktive Lebensgeschichte. Evelyn Hugo, eine Grande Dame, erzählt einer jungen, unerfahrenen Journalistin detailliert aus ihrem Leben. Erst am Ende versteht man den Grund für ihr Verhalten und den Grad der Verstrickungen. Überraschend ist vor allem, dass Evelyns große Liebe keiner ihrer sieben Ehemänner ist.

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