Zum Welt-Down-Sydrom-TagDer Kölner Lucas Löffelmann wird Koch

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Lucas Löffelmann macht eine Ausbildung zum Beikoch in der Küche der Jugendherberge Riehl

Lucas Löffelmann macht eine Ausbildung zum Beikoch in der Küche der Jugendherberge Riehl

Der 21-Jährige nimmt am Modellprojekt des Vereins „Mittendrin“ teil. Eine Mut machende Geschichte zum Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März.

Lucas Löffelmann macht in der Küche der Jugendherberge in Riehl eine Ausbildung als Beikoch. Darauf ist er sehr stolz: „Es ist nicht nur eine Beschäftigungstherapie in irgendeiner Behindertenwerkstatt. Die Küche hier ist echt und das Gekochte wird von echten Herbergsgästen gegessen. Alles wie im richtigen Leben, das ist schön“, sagt er. Der 21-Jährige, der mit Trisomie 21 lebt, nimmt an dem Modellprojekt „Ausbildung mittendrin“ teil, das der Kölner Verein „Mittendrin“ vor zwei Jahren begonnen hat.

Derzeit betreut der Verein sechs junge Erwachsene mit geistiger Behinderung in einer Ausbildung – als Koch, Service-Kraft und Verkäufer im Supermarkt. Auf der Suche nach potenziellen Ausbildungsplätzen nahm „Mittendrin“ auch Kontakt zur Lebensmittelgruppe Rewe auf – mit Erfolg.

Der Rewe-Lehrplan eröffnet den jungen Leuten die Perspektive, dass sie nach einer dualen Ausbildung in einem Supermarkt vielseitig eingesetzt werden können. Das Ziel ist, dass die Auszubildenden nicht nur Regale einräumen, sondern auch komplexere Tätigkeiten übernehmen. „Unsere Kinder sind inklusiv aufgewachsen, haben aber am Ende der Schulzeit keine Chance, eine Ausbildung zu machen. Ich finde, dass auch Jugendliche mit so genannter geistiger Behinderung ein Anrecht auf berufliche Bildung haben“, betont Eva Maria Thoms, die vor 17 Jahren den Verein mitgegründet hat und seitdem für die Rechte von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung kämpft. Dabei sucht der Verein immer wieder nach neuen Wegen, um ihnen ein Leben ‚mittendrin‘ in der Gesellschaft zu ermöglichen.

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Dass die meisten Teilnehmenden die Ausbildung nicht vollständig abschließen, sei nicht schlimm:  Wichtig seien auch Teilerfolge. „Wir bitten die Ausbildungsbetriebe zu bescheinigen, was die Jugendlichen gelernt haben. So eine Bescheinigung macht die jungen Leute sehr stolz und ist eine Währung auf dem Arbeitsmarkt“, so Thoms, die davon überzeugt ist, dass eine duale Ausbildung für Menschen mit geistiger Behinderung längst überfällig ist.

„Ich bin vom Küchenteam sehr gut aufgenommen worden. In der Berufsschule fühle ich mich manchmal etwas als Außenseiter, es ist nicht einfach in feste Gruppen reinzukommen. Weil ich schon etwas anders bin, kommen die Anderen manchmal aus Neugierde auf mich zu. Damit kann ich gut umgehen, denn dazu gehören ist schon cool“, sagt Löffelmann, der mittlerweile kurz vor seiner Zwischenprüfung als Beikoch steht.

Die Ausbildung fordert viel Zeit und Kraft: Die Berufsschule dauert schon mal bis 16 Uhr, und die Ausbildung in der Großküche in der Jugendherberge Riehl läuft im Schichtsystem. Aber Löffelmann, der vom Kölner Süden für die Ausbildung in den Kölner Norden pendeln muss, ist mit Begeisterung dabei.

Der Verein „Mittendrin“ sucht weiter nach jungen Leuten mit sogenannter geistiger Behinderung, die eine Ausbildung machen möchten. Gesucht werden auch Betriebe, die Jugendliche ausbilden möchten. Die Kosten werden den Unternehmen von der Arbeitsagentur oder dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) erstattet.

Der Verein „Mittendrin“ wird von „wir helfen“, der Aktion des „Kölner Stadt-Anzeiger gefördert, im Jahr 2023 mit 25.000 Euro.


Kino-Vorführung im Kölner Filmpalast

Dass Jugendliche mit geistiger Behinderung mehr können als in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten, zeigt die VOX-Dokumentation „Zum Schwarzwälder Hirsch“. In einer gemeinsamen Aktion mit Fernsehkoch Tim Mälzer und Schauspieler André Dietz haben 13 junge Menschen mit Down-Syndrom gelernt, ein Restaurant zu betreiben. 

Ein Jahr später wurde mit den gleichen Protagonisten erneut gedreht, um zu sehen, was aus den 13 Nachwuchs-Gastronomen geworden ist. Da dieser Film aber nur im Pay-TV gezeigt wurde, hat der Verein „Mittendrin“ sich in Zusammenarbeit mit dem Sender VOX und der Produktionsfirma Vitamedia-Film für eine Kinofassung starkgemacht.

Ich habe noch nie so etwas Authentisches im Fernsehen gesehen. Es ist so rührend und so schön, dass diese jungen Menschen endlich mal ernst genommen werden, dass man ihnen was zutraut und dass auch über die Schwierigkeiten, die auftreten und die man überwinden muss und kann, berichtet wird“, so Eva-Maria Thoms. Der Film „Zum Schwarzwälder Hirsch – Ein Jahr danach“ wird am 21. März um 18 Uhr im Kölner Filmpalast gezeigt – mit anschließender Diskussion. Tickets gibt es hier. 

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